Susanne Zinsius’ Weg führte vom Kochtopf zum Klangholz

Susanne Zinsius (rechts) in ihrem Element.
Susanne Zinsius (rechts) in ihrem Element.
Foto: Funke Foto Services
Sie war mal Sterneköchin. Sie studierte mal Gesang. Heute arbeitet Susanne Zinsius als selbstständige Musikpädagogin.

Kupferdreh.  Susanne Zinsius sitzt inmitten einer kleinen Gruppe von Kleinkindern und ihren Eltern. Sie singen gemeinsam, tanzen, erraten Geräusche. Alle wirken fröhlich. „Musik-Bambini“ nennt sich das Angebot der Kupferdreherin, es bietet musikalische Früherziehung für Kinder von zwei bis sechs Jahren. In der Altersspanne von zwei bis vier Jahren kommen die Kinder mit ihren Eltern zusammen zum Unterricht, so wird die ganze Familie ins Musizieren eingebunden.

Manchmal geht es ganz ausgelassen zu, wenn es auch schon einmal die eine oder andere Tanzeinlage geben darf. Dann sind wieder alle mucksmäuschenstill und versuchen, die Geräusche zu erraten, die Susanne Zinsius über einen CD-Player abspielt. Gehörbildung einmal anders. „Mit den Musik-Bambini habe ich meine eigenen Interessen und Talente verbunden“, erzählt Susanne Zinsius. Und wer sie kennt, weiß, dass es davon einige gibt. Da genügt schon ein Blick auf ihre bewegte Vita.

Aus einer Musikerfamilie stammend – ihr Vater war lange Jahre Rektor der Folkwang-Hochschule – gab sie zunächst die Rebellin in der Familie. Während beide Brüder nach dem Abschluss eine musikalische Ausbildung begannen, zog es Susanne Zinsius erst einmal in die Welt, um den Duft der Ferne zu schnuppern. „Ich habe in Australien gelebt und dort als Au-Pair gearbeitet“, erzählt sie. Dabei habe sie auch ihre Liebe zum Kochen kennengelernt.

Wieder zurück in Deutschland, entschied sie sich dann, diese Liebe zum Beruf zu machen – und begann eine Kochlehre im damaligen Sterne-Restaurant „Fünte“ in Mülheim, wo heute übrigens keine Menüs mehr serviert, sondern Bilder ausgestellt und verkauft werden. Damals jedoch war der Laden einer der wenigen Sterneküchen der Region und für seine exquisite französische Küche bekannt, wie sich Susanne Zinsius erinnert.

Nachdem sie in der Küche im „Fünte“ Verantwortung übernommen hatte, zog es sie in die Selbstständigkeit. Sie gründete mit sechs weiteren Teilhabern das „Fritz“, heute „Lukas“, in Kupferdreh. „Als dann auch noch die Orangerie und die Gastronomie im Grillo-Theater hinzukamen, wurde es mir und einigen anderen Teilhabern zu groß und wir stiegen aus“, erzählt sie. „Wir wollten ja keine Systemgastronomie sein, da stand ich persönlich einfach nicht mehr dahinter. Das „Sala Dolores“ auf der Alfredstraße betreute sie anschließend drei Jahre lang als Geschäftsführerin, bevor sie sich für einen Schnitt entschied.

Neustart auf der Bühne

„Von meinen Wurzeln konnte ich mich ja nie so ganz lossagen“, sagt sie schmunzelnd. „Ein bisschen vorbelastet ist man schon.“ Also folgte ein erfolgreich abgeschlossenes Gesangsstudium bei der Folkwang-Professorin Noelle Turner. „Ich wollte nach zehn Jahren in der Gastronomie einfach mal ganz raus, etwas Neues starten“, sagt Susanne Zinsius heute. Zusammen mit ihrem Mann, dem Kontrabassisten Bernd Zinsius, ging es schon kurze Zeit später auf die Bühne. Dort fühlt Susanne Zinsius sich wohl, blüht auf. „Was ich auf der Bühne mache, ist authentisch und kommt von Herzen“, sagt sie. Ob sie dabei Chansons, Musical-Songs oder Jazz-Klassiker interpretiert, ist da fast schon egal. Über ihren Mann lernte sie dann die Musikschultätigkeit kennen – und war so fasziniert, dass sie eine Fortbildung im musikpädagogischen Bereich absolvierte.

Die Musik-Bambini sind aus der Idee entstanden, den Kupferdreher Kindern und Eltern ein solches Programm vor Ort zu bieten. Seit zehn Jahren ist diese Idee erfolgreich. Ob das Projekt Musik-Bambini allerdings so etwas wie die Schlusskadenz ist – wer weiß. Denn bei einer Frau wie Susanne Zinsius weiß man ja nie.

 
 

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