Stadt kündigt Gartenpächtern an der Antropstraße

Ann-Katryn Trinh wurde ihr Garten an der Antropstraße in Überruhr gekündigt. Die Stadt benötigt die Parzelle für den Vorbereitungsbau des Flüchtlingsstandorts.
Ann-Katryn Trinh wurde ihr Garten an der Antropstraße in Überruhr gekündigt. Die Stadt benötigt die Parzelle für den Vorbereitungsbau des Flüchtlingsstandorts.
Foto: Funke Foto Services
Zwei Anwohner der Antropstraße müssen Platz machen für die vorbereitenden Bauarbeiten für das geplante Flüchtlingsheim in Überruhr

Essen-Überruhr..  Der Streit der Anwohner und der Stadt um den geplanten Bau einer Flüchtlingsunterkunft an der Antropstraße in Überruhr geht in eine neue Runde: Ungeachtet der Tatsache, dass die Rechtsgrundlage für den Bau der 100 Plätze umfassenden Unterkunft noch nicht abschließend geklärt ist (wir berichteten), kündigte die Stadt nun Pächtern ihre Gärten, die an das geplante Bauareal grenzen.

Bonsai und Zaun müssen weichen

In einem Garten gibt es immer etwas zu tun: Hier und da ein wenig Unkraut zupfen, den Rasen mähen oder vielleicht etwas ernten, was man mit eigenen Händen angebaut hat. Kurzum: Ein gepflegter Garten ist normalerweise eine Oase der Erholung. Doch die Arbeit, mit der sich Ann-Kathryn Trinh derzeit plagen muss, ist alles andere als ein Vergnügen: „Mein Mann hat hier mit viel Liebe und Sorgfalt Bonsai und andere hochwertige Bäume angepflanzt. Die müssen wir nun alle notgedrungen umsetzen. Obwohl wir noch gar nicht wissen, ob hier jemals gebaut wird.“

Ann-Kathryn Trinh ist eine vor zwei Pächtern, denen nun die Kündigung ins Haus flatterte. Vor acht Jahren zog die 41-Jährige zusammen mit ihrem Mann Khac-Huy, einem Vietnamesen, nach Überruhr. „Meine Familie ist gelebte Integration“, sagt sie und betont: „Ich habe nichts gegen Flüchtlinge, und irgendwo müssen die Menschen schließlich unterkommen. Meine Kritik richtet sich an die Art und Weise, wie mit dem Problem verfahren wird.“ Die Informationspolitik der Stadt sei alles andere als zufriedenstellend, moniert sie. „Entweder wir erfahren Neues nur aus der Zeitung oder werden vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Ähnlich geht es Konrad Tessarek. Sein Haus grenzt an zwei Seiten an das geplante Baugrundstück. Schon seit 1986 wohnt er an der Antropstraße – zusammen mit Frau, Tochter und zwei Enkeln. „Wenn ich aus meinem Wohnzimmer schaue, sehe ich Bäume, Bäume und weiter hinten... Bäume.“ Sollte die Flüchtlingsunterkunft, wie vom Stadtrat beschlossen, gebaut werden, stünde dort künftig eine Hauswand. Auf einer Seite seines Anwesen gerade einmal sechs Meter entfernt – im gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand.

Seine Gartenpacht habe der 63-Jährige erst im Februar vergangenen Jahres verlängert, „doch nun hat die Stadt diese kurzerhand widerrufen.“ Konrad Tessareks Anwalt hat schnell reagiert, bat, die Räumung auszusetzen. „Immerhin bin ich schon seit Ende 1990 Pächter und habe zuletzt für knapp 4000 Euro einen Zaun setzen lassen, schon wegen des angrenzenden Wanderwegs und der Hundewiese“, wie Konrad Tessarek sagt.

Auch wenn die erste bauplanungsrechtliche Einschätzung des Anwalts eher gegen eine Bebauung spricht, zeigt sich die Stadt unbeeindruckt: „Es sind zwei Flächen gekündigt worden“, teilt Stadtsprecher Martin Rätzke mit. „Diese werden für den Bau und die Bauvorbereitung der durch den Rat beschlossenen Unterkunft benötigt.“ Selbst der Vorschlag Tessareks, das Gartentor seines Zaunes tagsüber für die anstehenden Arbeiten geöffnet zu lassen, änderte daran nichts. Der Zugang durch die Pforte sei zu schmal für die nun kurzfristig anstehenden Arbeiten, ließ ihn die Immobilienwirtschaft wissen.

Und so bleibt bei den Betroffenen eine gewisse Ohnmacht zurück. „Wir müssen uns der Räumung fügen, weil uns auf dem gepachteten Gelände die rechtliche Handhabe fehlt“, sagt Konrad Tessarek, der seinen Zaun – zähneknirschend – zurückbauen wird. Der Weg der Klage gegen den Bau der Flüchtlingsunterkunft steht allen Betroffenen jedoch weiterhin offen. Nicht ausgeschlossen, dass dieser auch beschritten wird.

Vorerst will sich die Bürgerinitiative Antropstraße mit einem Protest begnügen: „Wir wollen das geplante Baugrundstück mit Trassierband abstecken, um Anwohnern und Besuchern plakativ vor Augen zu führen, was eine Bebauung für diesen idyllischen Flecken Erde bedeuten würde“, so ihr Sprecher Martin Kuhlemann.

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