Rollstuhlfahrerin ist sauer auf die EVAG

Norbert Ahmann
Der Optimalfall: Als Anke Schniederjahn am Donnerstagvormittag eigens fürs Foto an der Haltestelle wartete, bot einer der beiden Fahrer freundlich und vorbildlich seine Hilfe an. Das aber sei nicht immer so.
Der Optimalfall: Als Anke Schniederjahn am Donnerstagvormittag eigens fürs Foto an der Haltestelle wartete, bot einer der beiden Fahrer freundlich und vorbildlich seine Hilfe an. Das aber sei nicht immer so.
Foto: WAZ FotoPool
Der Transport des E-Rollis sei nicht immer unproblematisch, sagt die 56-jährige Anke Schniederjahn, die bereits mehrfach unflätig behandelt worden sei.

Essen-Überruhr.  Anke Schniederjahn ist sauer. Sauer auf die EVAG, die ihr, wie Schniederjahn selbst sagt, immer wieder mal kleine Steine in den Weg legt, um wie geplant mit dem Bus von A nach B zu kommen. Die Frau fühlt sich nicht korrekt behandelt, zumindest hin und wieder nicht und zumindest nicht von dem einen oder anderen Fahrer.

Anke Schniederjahn ist Rollstuhlfahrerin, seit zwölf Jahren kann die 56-Jährige aufgrund von Multipler Sklerose (MS) nicht einen Schritt mehr laufen. Seit fünf Jahren wohnt die Rellinghauserin im Georg-Gottlob-Haus in Überruhr, dessen Namensgeber 1988 in jungen Jahren an den Folgen Multipler Sklerose starb. Seitdem fördert die Georg-Gottlob-Stiftung körperbehinderte Menschen, vor allem die, die an MS erkrankt sind.

Problem: fehlende Barrierefreiheit

Anke Schniederjahn fährt einen Elektro-Rollstuhl, weil sie mit dem einfach unabhängiger ist. Genau das aber sorge hin und wieder für Probleme. Wenn sie wie ab und an an der Langenberger Straße in Holthausen auf die Buslinie 177 warte, um nach Kupferdreh oder auch nach Steele zu kommen, sei es bereits mehrfach vorgekommen, dass Busfahrer sich wenig kooperativ gezeigt hätten. Sogar Sätze wie „Seien Sie froh, wenn wir Sie überhaupt mitnehmen“ seien gefallen, weil manch Fahrer keine Zeit oder Lust gehabt hätte, an der Hintertür die eigens für eingeschränkte Menschen vorgesehene Ein- und Ausstiegsrampe zu montieren.

„Wenn ich Glück habe, hilft mir dann ein Fahrgast“, sagt Schniederjahn, so recht verstehen kann sie die Haltung des einen oder anderen EVAG-Fahrers aber nicht. „Ich traue mich schon kaum noch, mit dem Bus zu fahren.“

Für Fälle wie diese gibt es zwar den Begleitservice der VIA Verkehrsgesellschaft mbH, dem Zusammenschluss der Nahverkehrsunternehmen EVAG (Essen), DVG (Duisburg) und MVG (Mülheim), dort aber auch den Hinweis, Menschen in Falt- und Schieberollstühle zu befördern, aber keine in E-Rollis, die mit Fahrer schwerer als 350 Kilo sind. „Das hat allein etwas mit hier und da fehlender Barrierefreiheit zu tun“, so Peter Scharping, Sachgebietsleiter Service. An Haltestellen ohne Bordstein etwa, wenn der Weg über die Rampe am nur bedingt absenkbaren Bus plötzlich zu steil würde. „Und da manche E-Rollstühle schwer und sperrig sind und deren Fahrer meist nicht kurz aufstehen können, könnte das Probleme geben.“ Im Sinne der Kunden aber verheißt Scharping, für jedes Problem eine Lösung zu finden. Sollte sich Schniederjahn im Vorfeld melden, könne man auch entsprechende Hilfe organisieren.

Natürlich hat der Mann aber auch Verständnis dafür, dass man mitunter spontan auf die Idee kommt, den Bus zu nutzen. Weil das Wetter gerade zu einem Ausflug taugt, weil’s schlecht ist und man nicht nass werden will. Oder, oder, oder. Wenn Anke Schniederjahn also mit dem Bus fahren will, dann müsse sie auch die Möglichkeit dazu haben. EVAG-Sprecher Olaf Frei verweist auf eine bestehende Dienstanweisung, wonach der Fahrgast im Mittelpunkt steht, insbesondere der, der in seiner Mobilität eingeschränkt ist. „Der Fahrer hat dafür zu sorgen, dass die Rampe ausgeklappt wird.“

Bleibt Anke Schniederjahn die Hoffnung, in Zukunft an kooperative Busfahrer zu gelangen. So wie am Donnerstag. Dass die Aufzüge nebenan am S-Bahnhof Holthausen ab und zu defekt sind und sie dann gar nicht erst auf den Bahnsteig kommt, ist ebenfalls ärgerlich, aber eine andere Baustelle.