Nicolic, der Knitter-Künstler

Mehr als ein Hingucker: Künstler Gordan Nicolic kommt mit seiner Ausstellung „Tomorrowland” in die Galerie Auf.
Mehr als ein Hingucker: Künstler Gordan Nicolic kommt mit seiner Ausstellung „Tomorrowland” in die Galerie Auf.
Foto: WAZ FotoPool
„Tomorrowland“: Steeler lädt alle Interessenten zur Ausstellungseröffnung in die Galerie Auf.

Essen-Steele..  Frei von Falten zu sein, gehört für die meisten Models zum Schönheitsideal. Die Schönheiten, die Gordan Nicolic schafft, haben da ein Problem: Denn der Steeler Künstler zerknittert seine Werke und verhilft ihnen damit zu einem ungewöhnlichen, verstörenden Aussehen. Gemeinsam mit Werken des Fotografen Hamid Ghaffari sind seine „Crumpled Girls” nun in der Ausstellung „Tomorrowland” in der Galerie Auf zu sehen.

Manch ein Künstler zerknüllt seine Werke, wenn er denn mit ihnen unzufrieden ist. Oft landen sie dann im Papierkorb. Anders bei Gordan Nicolic: „Bei mir setzt beim Crumpeln, beim Zerknittern also, der kreative Akt ein.”

Nicht nur, dass die Werke durch diese Technik auf scheinbar zufällige Weise ihr Aussehen verändern. Zudem erobern die ansonsten zweidimensionalen Bilder im zerknitterten Zustand den Raum, betont erklärt Nicolic, der neben Fotografien vor allem eigene Bilder „crumpled”: Damit stellen diese Arbeiten eine Weiterentwicklung seiner Reihe „Barbieland” dar.

Und auch wenn man ob der farbenfroh, ja comicartig in Szene gesetzten Damen in oft erotisch aufgeladenen Posen auf die Idee kommen könnte, mit „Barbie” sei die bei Mädchen beliebte Spielzeugpuppe gemeint, sei der Bezug ein gänzlich anderer, versichert Nicolic: nämlich der zum SS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie. Denn in seinen Bildern setzt sich der Künstler vor allem mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinander. Ein Werk etwa zeigt eine weitestgehend unbekleidete Dame in Lolitapose, darüber ist der Schriftzug „Arbeit macht frei” zu lesen.

Bei manchen Bildern erschließt sich der Zusammenhang zum Nationalsozialismus nicht auf den ersten Blick, doch offenbart sich die intensive Auseinandersetzung Niclolics mit der Thematik. Sein barbusiges Schneewittchen etwa erinnert an eine jüdische Kunststudentin, die dank der Märchenfigur den Holocaust überlebte: Die Kunststudentin Dina Gottliebová wurde 1943 mit ihrer Mutter in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Von dort aus kamen sie in das Familienlager Auschwitz-Birkenau. „Auf die Wand einer Baracke malte sie zur Aufheiterung der Kinder ein Schneewittchen”, so Nicolic. Dadurch sei der NS-Arzt Josef Mengele auf sie aufmerksam geworden, der sie als Illustrator für ein Buch über seine medizinischen Experimente an Menschen engagierte. Dies rettete ihr und ihre Mutter das Leben.

Die Sexualisierung der Disney-Figur ist dabei ein typisches Stilmittel bei dem 46-Jährigen. Mal kann sie als Symbol für Freiheit und Leben stehen, mal auch für Zwang und Gewalt.

Thema Holocaust

„Mancher würde sagen, dass meine Arbeiten pornografisch sind”, so der Künstler, „das glaube ich aber nicht.” Diese Darstellung sei jedoch geeignet, den Betrachter zu verstören: „Das Verhältnis der Deutschen zum Holocaust ist ebenfalls gestört, viele wollen sich damit nicht mehr beschäftigen. Meine Bilder sollen einen neuen Ansatz bieten, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.”

Ghaffari, der einer alten persischen Künstlerfamilie entstammt, arbeitet mit einer Digitalkamera: Mit dieser nimmt er Porträts auf, die er dann mittels Bildbearbeitung auseinandernimmt und neue zusammensetzt. So entstehen völlig andere Versionen der Wirklichkeit.

Doch wieso heißt die Ausstellung „Tomorrowland – Land der Zukunft”? „Zu sagen, dass wir die Kunst der Zukunft machen, ist bestimmt Quatsch”, lächelt Nicolic. „Aber eine Ausstellung braucht einfach einen griffigen Namen. Er muss auf die Zwölf hauen – so wie meine Bilder.”

Mit seinem Ausstellungspartner Hamid Ghaffari hat Nicolic schon mehrere Male zusammengearbeitet. „In diesem Fall präsentieren wir jeweils eigene Arbeiten in einem gemeinsamen Rahmen”, erklärt Nicolic diese künstlerische Kooperation. Die Ausstellung „Tomorrowland” eröffnet am heutigen Freitag, 17. April, 19 Uhr in der Galerie Auf, Steeler Straße 330. Bis einschließlich zum 30. April ist sie mittwochs und freitags, von 16 bis 18 Uhr, donnerstags, von 16 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen. Kontakt: 0160 94 96 05 53

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