Land unter am Wochenende an der Ruhr

Foto: Hans Blossey

Ruhrhalbinsel. Das einsetzende Tauwetter wird die Pegel in den kommenden Tagen kräftig steigen lassen. Der Ruhrverband rechnet für Samstag mit dem Hochwasser-Höchststand. Die Dahlhauser Schwimmbrücke könnte gesperrt werden.

Nein, wie hoch der Pegel der Ruhr in den kommenden Tagen steigen wird, wagt er nicht vorherzusagen. „Aber dass er steigt, steht fest“, ist sich Stefan Klahr sicher. Gründe seien das einsetzende Tauwetter, das zum Beispiel die Talsperren der Ruhr mit erheblichen Wassermengen aus dem Sauerland speisen werde, und die Schneeschmelze in den Städten.

Regelmäßig erhält Klahr, der in der Talsperren-Leitzentrale des Ruhrverbands arbeitet, die aktuellsten Meldungen und Prognosen von den Wetterdiensten. „Das Hochwasser wird sehr wahrscheinlich in der Nacht auf Freitag in Essen ankommen“, liest er aus den vorliegenden Unterlagen heraus. Anhalten soll es bis zum Beginn der kommenden Woche. Den Höchststand erwartet der Experte am Samstag.

Doch die Wassermengen aus dem Sauerland stellen, so Klahr, nicht das größte Problem dar. Nicht zu messen seien die Mengen, die ab den Talsperren in die Ruhr fließen würden. „Wir können nicht abschätzen, was aus den Nebenflüssen dazu kommt und vor allem auch, wie viel Tauwasser aus den Uferbereichen und den Städten mit einfließt", erklärt er.

„Wir können nur mit Maßnahmen an den Talsperren reagieren“

Eine Inkonstante also, die die Ruhranwohner am Wochenende kalt erwischen könnte. Als erste Auswirkung rechnet zum Beispiel das Bochumer Tiefbauamt nach eigenen Angaben damit, dass die Schwimmbrücke im Grenzbereich Dahlhausen und Burgaltendorf für den Verkehr gesperrt werden könnte. Beeinträchtigungen, die für die Bürger der Ruhrhalbinsel nichts Neues darstellen. Längst stehen die entsprechenden Beschilderungen an den Fahrbahnrändern bereit, haben viele Anwohner ihre persönlichen Vorkehrungen getroffen. Und auch der Ruhrverband hat, im Rahmen seiner Möglichkeiten, die beschriebenen Vorkehrungen getroffen. „Unsere Einflussnahme ist aber limitiert. Wir können nur mit Maßnahmen an den Talsperren reagieren“, so Klahr.

Wenn das Reservevolumen in den Talsperren das Schmelzwasser aus dem Sauerland nicht mehr auffangen könne, müsste der Verband die Schleusen öffnen und weiteres Wasser Richtung Ruhrgebiet fließen lassen. Klahr: „Davon gehen wir aber nicht aus.“ Selbst wenn das passiert, würde es geschätzte sechs bis sieben Tage dauern, bis dieses Wasser Essen erreichen würde. „Und dann wäre das aktuell erwartete Hochwasser schon wieder abgeflossen“, beruhigt der Experte. Wie viel Wasser also auch immer kommen mag, Klahr sieht keinen Grund zur Panik.