Kunst- und Handwerkermarkt in Steele

Verena Kensbock
Wenn die bunten Tücher wehen . . .: Ulrike Bitterlich-Nitsch zog beim Handwerkermarkt durch die Straßen der Steeler Innenstadt.Foto:Stefan Arend
Wenn die bunten Tücher wehen . . .: Ulrike Bitterlich-Nitsch zog beim Handwerkermarkt durch die Straßen der Steeler Innenstadt.Foto:Stefan Arend
Foto: WAZ
Kaiser-Otto-Platz: Zwischen Gauklern und Narren genossen die vielen Besucher längst vergessen geglaubte Handwerkskunst.

Essen-Steele.  Ein Duft liegt in der Luft, das Abtei-Bier prickelt frisch gezapft im Glas und Artisten zeigen ihre Tricks mit dem Diabolo. In einem kleinen Zelt lässt eine Wahrsagerin ihr Pendel kreisen und legt für einen Taler mehr auch die Tarot-Karten auf den Tisch. Staunend knien die Kleinen auf dem Boden und beobachten, wie sich ihre Eltern und Geschwister im Bogenschießen üben.

45 Aussteller aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden brachten das Mittelalter auf den Kaiser-Otto-Platz und versetzten die Besucher mit ihren aussterbenden Handwerken in eine längst vergangene Zeit. So auch am Stand von John Robbin Riechert und Nils Ahlen. Mit einer Zange dreht Ahlen ein Eisen in der brennenden Glut, legt es auf den Amboss und schlägt das glühende Metall in Form. Kleinkunst und Gebrauchsgegenstände, geschnörkelte Gürtelschnallen und verzierte Schlüssel. „Wie auch in meinem Beruf als Gerber fasziniert mich das Ursprüngliche, das Altertümliche am Schmiedehandwerk.“

Er hat das Schmieden übrigens von seinem besten Freund und Kollegen John Robbin Riechert gelernt. Der trägt seine langen Haare zu einem Zopf gebunden, das Gesicht mit Ruß bedeckt und eine schwere Schürze vor dem Körper. „Dinge selbst zu fertigen, das gefällt mir an der Handwerkskunst. Und die Unabhängigkeit von der Technologie – es ist befreiend.“

Auch für Léon Finger (Initiativkreis City Steele) ist der historische Mittelaltermarkt neben den anderen Spektakeln, die der Stadtteil zu bieten hat, etwas Besonderes. „Für mich gehört er zu den schönsten Veranstaltungen, weil er dem historischen Standard gerecht wird“, berichtet Finger. „Musik, Artistik, Kleinkunst – vor allem die historischen Handwerker bei der Arbeit zu beobachten, ist spannend.“

Veranstalter sind sehr zufrieden

Daran der ICS-Chef Gefallen gefunden. „Ich komme auch aus einer traditionellen, handwerklichen Familie. „Schneider sind unter den Ausstellern zwar nicht zu finden, aber viele andere beeindruckende Handwerkskünste.“

Keine Schneiderin, aber eine Garnspinnerin zeigt ihre Arbeit am hölzernen Spinnrad, das sie mit dem Fuß antreibt. Und dabei offenbart sich auch gleich ein weit verbreiteter Irrglaube über das Märchen, in dem sich Dornröschen mit einem Stich mit der Spindel in einen tausendjährigen Schlaf bringt. Dornröschen, erklärt die Expertin, habe sich nicht an einem Spinnrad gestochen, sondern an einer Handspindel. Und auch die seien eigentlich nicht spitz genug, um sich daran zu verletzen. Der Zauber des Märchens und des Handwerks bleiben trotzdem.