Für Konzerte zahlten Besucher gern

Gordon K. Strahl
Erleuchtete Heißluftballons sorgten für Atmosphäre.
Erleuchtete Heißluftballons sorgten für Atmosphäre.
Foto: WAZ FotoPool
Das Festival „Feuer und Flammen an der Ruhr“ fand erstmals statt - und kostete im Gegensatz zu den meisten Stadtteilfesten Eintritt. Die Schlagerfans kamen trotzdem und feierten ihre Stars auf der Bühne. Viele Jugendliche blieben dagegen draußen.

Steele.  „Warum soll ich für etwas zahlen, das es vorher immer umsonst gab?“ Diese Frage wurde im Vorfeld der Erstauflage des Festivals „Feuer und Flammen an der Ruhr“, das als Nachfolger des mehrfach ins Wasser gefallenen „Ruhr in Flammen“ gilt, immer wieder diskutiert. Beim Besuch der neuen, eintrittspflichtigen Veranstaltung wurde jedoch schnell klar, dass sie einen ganz anderen Charakter besitzt als ihr Gratis-Vorgänger: mehr Open-Air-Konzertsause mit Ü-30-Party-Anstrich denn gewöhnliches Stadtteilfest.

Auf dem Festival wird die Frage nach dem Eintrittsgeld nur noch am Rande aufgeworfen. Vor dem Eingang etwa diskutiert am Samstagabend eine Gruppe mit Bierflaschen ausgerüsteter Jugendlicher, ob sie die acht Euro löhnen sollen. „Nein, lass uns lieber wieder nach Steele reingehen“, beschließen sie. So verwundert es kaum, dass in dem eingezäunten Gelände entlang der Ruhrpromenade nur wenig Teenager zu finden sind: Erwachsene und Familien mit Kindern sind in der Überzahl. Von Gedränge ist – zumindest auf den ersten Metern – kaum etwas zu spüren: Entlang der Spielstraße und der Gourmet-Stände, die auch Speisen jenseits der üblichen Würstchen und Crêpes anbieten, ist gemütliches Spazierengehen möglich. Herkömmliche Verkaufsstände gibt es kaum. Einer Mutter kommt das noch ein wenig mager vor: „Dass die Kinder nichts zahlen müssen, ist ja schon mal gut“, sagt sie. „Aber ansonsten … nun ja, erst einmal weiter schauen.“

Der Fokus liegt eindeutig auf der großen Bühne: Dort versammelt sich ein Großteil der Besucher, die ausgelassen feiern und mitklatschen. Am Freitag lockten Schlagergrößen wie Michael Holm und Michelle laut Veranstalterin Nicole Finger um die 3000 Besucher. „Etwas enttäuschend“, resümiert Vater Léon Finger. Mit dem Samstag ist er weitaus zufriedener, weil „weit mehr als doppelt so viele Menschen“ den Weg zur Ruhrpromenade gefunden haben.

Wolfgang Langer und seine Lebensgefährtin haben sich ein Dauerticket für zwölf Euro gesichert. „Ist ja billiger. Wir gehen an allen drei Tagen hin. Gestern war Michelle klasse, heute freuen wir uns besonders auf Geier Sturzflug.“

Und die mischen in ihrer Halb-Playback-Performance eigene Songs mit Klassikern der Neuen Deutschen Welle und Stimmungsliedern. Danach warten noch „Moviestar“-Harpo und die Rock’n’Roller von „The Equals“ auf ihren Auftritt. „Bei ,Oberhausen Olé’ zahle ich zehn Euro für einen Tag. Hier bekomme ich für zwei Euro mehr gleich drei Tage“, freut sich Miriam Spatzek. Auch Andres Hilpert stört sich nicht an den acht Euro Eintritt: „Das machen die wohl, damit es nicht so viel Randale gibt“, schätzt er. Beim Festival bleibe die Polizei arbeitslos, bestätigt Léon Finger.