Frisches Geld fürs Deilbachtal

Ein Hingucker, die denkmalgeschützte Hundebrücke: Einst verband sie den Steinbruch Voßnacker Weg mit der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn .
Ein Hingucker, die denkmalgeschützte Hundebrücke: Einst verband sie den Steinbruch Voßnacker Weg mit der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn .
Foto: WAZ Fotopool
Politik stellt in den folgenden Jahren jeweils 100 000 Euro zur Verfügung, um diese einmalige Museumslandschaft noch möglichst lange zu erhalten. Experten sprechen von einem „historisch wahrlich außergewöhnliches Ensem­ble“.

Essen-Kupferdreh.  Das Deilbachtal, diese fast unerhört urige Museumslandschaft am Unterlauf des Deilbachs zwischen Kupferdreh und Velbert-Nierenhof. Dort, wo gleich mehrere regional sehr bedeutende und denkmalgeschützte Industriegebäude von der frühen Industriegeschichte der Gegend zeugen. „Ein historisch wahrlich außergewöhnliches Ensem­ble“, sagen Experten – und genau das ist der Grund, warum die Politik nun Geld in die Hand nimmt, diese nur wenig bekannte Perle der Stadt zu erhalten.

Im Rahmen der Haushaltsberatungen haben sich SPD und CDU nun darauf verständigt, ab 2015 und für die kommenden Jahre jeweils 100 000 Euro zur Sanierung der Kulturlandschaft Deilbachtal in den städtischen Haushalt einzustellen. Aufgrund der Größe zwar kaum mehr als zwei Tropfen auf den heißen Stein – aber immerhin.

Dirk Kalweit, Kupferdreher und stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender: „Die Kulturlandschaft Deilbachtal ist überregional bedeutend und zeigt in seltener Geschlossenheit alle Stationen des Übergangs von einer bäuerlichen zur industriellen Landschaft.“

Und Anke Löhl (SPD): „Es kommt nicht häufig vor, dass sich verschiedene Boden-, Geschichts- und Technikdenkmäler wie bei der Kulturlandschaft Deilbachtal noch heute an derselben Stelle wie zu ihrer Gründung befinden.“

In der Tat: Was im Deilbachtal von vielen Menschen bislang unentdeckt schlummert, das könnte Bücher über Industriegeschichte füllen. Seit sich etwa das Ruhr Museum der Sache angenommen hat, da passiert etwas im so genannten protoindus­triellen Komplement zum Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Dort also, wo einst die Frühindustrialisierung erste Blüten trieb. Denn in einer der ältesten Denkmal-Landschaften Deutschlands, da hängen die spannenden Geschichten der Eisen- und Metallindustrie im Ruhrgebiet quasi auf dem Baum.

Außergewöhnlichkeiten gibt es mehrere. Den Kupferhammer etwa, das einstige Hammerwerk, in dem zur Blütezeit Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich 150 Tonnen Kupfer im Wert von 120 000 preußischen Talern verarbeitet wurden.

Nicht minder sehenswert und auch nicht viel weiter bachaufwärts: der Deilbachhammer. Ebenfalls ein Hammerwerk, in dem indes einst nahezu alles geschmiedet wurde, was der Bauer seinerzeit für seine harte Arbeit benötigte: Pflugscharen, Beschläge, Achsen.

Kupferhammer, Deilbachhammer

Mehr als ein Hingucker ist zudem die denkmalgeschützte Hundebrücke. Längst Rad- und Fußweg, verband sie früher den Steinbruch Voßnacker Weg mit der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn, der ersten Eisenbahnlinie zwischen den Tälern von Ruhr und Wupper. Die ehemalige Trasse der Eisenbahn wurde in den 1990-er Jahren angehoben und restauriert und ist heute ein Teil der S-Bahn-Linie 9 zwischen Wuppertal und Borken.

Übrigens: Die Hundebrücke heißt, wie sie heißt, weil die Loren, aus denen die Steine abgekippt wurden, hier im Ruhrgebiet als „Hunde“ bezeichnet wurden. Zudem wackelten sie während der Fahrt. Wie ein laufender Hund . . .

 
 

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