Eiscafé Fabris - 100 Jahre Dolce Vita in Steele

Gordon K. Strahl
Eis, Eis, Baby. Giovanni Fabris mit seiner Spezialität.Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Eis, Eis, Baby. Giovanni Fabris mit seiner Spezialität.Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Essen-Steele. Über Steele ist der Himmel grau, wie an so vielen Tagen in den letzten Wochen. Dennoch ist vorm Eiscafé Fabris fast jeder Tisch besetzt, die Menschen machen es sich unter den Markisen gemütlich. Denn die Sonne kommt bald in Form des Chefs heraus: Giovanni Fabris begrüßt lächelnd viele der Gäste mit Handschlag. Seit 100 Jahren transportiert seine Familie Dolce Vita in Form eines italienischen Eiscafés nach Steele.

Maria Stepping sitzt allein an einen der Tische und schlürft ihren Kaffee. „Normalerweise treffe ich mich hier mit meinen Freundinnen, doch die sind alle im Urlaub. Aber ich komme auch gerne alleine hierhin, denn man wird stets freundlich empfangen.“ Und wie zum Beweis begrüßt Hausherr Giovanni Fabris die 77-Jährige herzlich und erkundigt sich nach ihrem Wohlbefinden. „Schon als Schülerin ging ich zu Fabris“, betont sie. „Nirgends gibt es ein besseres Eis.“ Immer habe sie zwei Eis bestellt: „Eins habe ich im Café gegessen, eins mitgenommen“, lacht sie.

Seit 1992 betreibt Giovanni Fabris das Eiscafé am Kaiser-Otto-Platz, zuvor haben seine Eltern Frederico und Dorina die süßen Kugeln in der Straße Alte Zeilen ausgegeben. „Am 19. August 1946 haben sie dort die Pforten geöffnet“, weiß der 54-Jährige. Und zuvor, eben im Jahre 1911, hatte Großvater Angelo erstmals ein Steeler Eiscafé mit Namen „Fabris“ eröffnet, damals noch am Kirchspiel. Dieses kennt Enkel Giovanni freilich nur aus Erzählungen. Doch im Café in den Alten Zeilen habe er schon als Junge mitgearbeitet.

Zur Schule nach Italien

Trotz seines unüberhörbaren italienischen Akzents ist Giovanni Fabris nämlich gebürtiger Steelenser. „Ich habe den St. Laurentius Kindergarten besucht“, lächelt er. „Nur zur Schule musste ich in Italien gehen“. Das sei damals so üblich gewesen: „Alle italienischen Familien, die in Deutschland Eiscafés eröffneten, haben das damals so gemacht.“

Während die Eltern also in Steele ihr Brot mit Eiscreme verdienten, lebte der kleine Giovanni bei Verwandten in einem italienischen Dorf. „Das war so winzig, wenn mein Eiscafé voll ist, sind da mehr Leute“, lacht er. „Ich hatte damals richtig Heimweh nach Deutschland, wollte bei meiner Mama und meinem Papa sein. Meine Eltern wollten wohl, das ich meine Wurzeln in Italien behalte.“

Die Ersten am Kaiser-Otto-Platz

Stattdessen schlug er in Steele seine Wurzeln. Bevor er endgültig in die Fußstapfen seines Vaters trat, machte er sein eigenes kleines Eiscafé an der Bochumer Straße auf. „Was hätte ich sonst tun sollen?“, fragt er. „Das ist das, was ich kann.“ Als es darum ging, nicht nur den elterlichen Betrieb zu übernehmen, sondern auch einen neuen Standort zu etablieren, kamen ihm Zweifel.

„Der Laden war schon um einiges größer als mein Café und auch als das meiner Eltern in den Alten Zeilen.“ Auch habe es noch keine Gastronomie gegeben, die den Kaiser-Otto-Platz belebt hat. „Da waren wir die Ersten.“ Inzwischen gibt es allerdings einige Nachahmer, die beweisen, dass sein Versuch durchaus von beneidenswertem Erfolg gekrönt ist.

Heute ist das Eis viel cremiger

Und immerhin: Seine Eltern haben ihm nie hineingeredet. „Die haben mich machen lassen.“ Eins hat er aber auf jeden Fall von Vater und Mutter übernommen „Das Eis wird wie früher von Hand gemacht“ — wenngleich sich die Qualität verbessert habe. „Heutzutage ist das Eis viel cremiger“, weiß der Chef.

Auch wenn sich in den letzten Jahrzehnten im Stadtteil „nicht alles zum Positiven verändert“ habe, so sei er doch dankbar: „Was wäre ich ohne Steele? Und vor allem: Was wäre ich ohne die Leute hier?“ Sagt’s und begrüßt wieder einen neuen Gast — natürlich mit Handschlag. Der sonnig-südländische Charme: Er funktioniert auch im verregneten Steele.