Die älteste Apotheke der Ruhrhalbinsel liegt in Burgaltedorf

Die Laura-Apotheke ist heutzutage wieder Anlaufpunkt für viele Burgaltendorfer. 2011 wurde sie aufwendig renoviert.
Die Laura-Apotheke ist heutzutage wieder Anlaufpunkt für viele Burgaltendorfer. 2011 wurde sie aufwendig renoviert.
Foto: Gero Helm
Schon 1860 wurde eine Apotheke an der Laurastraße eröffnet. Viele Jahre lang führte Familie Mühlhan den Betrieb. Dann stand dieser zunächst leer.

Essen-Burgaltendorf..  Die Laura-Apotheke an der Laurastraße ist die älteste auf der ganzen Ruhrhalbinsel und wohl auch eine der ältesten noch existierenden in Essen. Gegründet im Jahr 1860 als Adler-Apotheke, wurde sie von der heutigen Inhaberin Andrea Beckmann vor einiger Zeit wiederbelebt: In diesem Jahr feiert der historische Betrieb unter dem neuen Namen den fünften Geburtstag.

„Es war mein Traum, eine eigene Apotheke in Burgaltendorf zu führen. Im Auge hatte ich den leer stehenden Standort schon länger, aber erst 2011 haben auch die Voraussetzungen gepasst“, erzählt 49-Jährige. Aufgewachsen ist sie zwar nicht im Stadtteil, sondern auf der anderen Seite der Ruhr, in Bochum-Linden. Doch zu Burgaltendorf hat sie einen besonderen Draht, ist sie doch verheiratet mit einem Alteingesessenen, lebt schon lange hier und hat vor vielen Jahren bereits hier gearbeitet.

Eine aufwendige Renovierung war notwendig

Eine wichtige Voraussetzung für die Übernahme war für sie ein Besitzerwechsel der Immobilie 2011. „Das Ladenlokal war in keinem guten Zustand. Der neue Besitzer hat mich dann bei der unerlässlichen und aufwendigen Renovierung unterstützt“, berichtet Beckmann. Im Jahr 2008 wurde die lange Tradition unterbrochen: Nach vier Jahren hatte der damalige Pächter das Handtuch werfen müssen.

Vorangegangen war eine langjährige Geschichte an der Laurastraße. Eröffnet wurde die Apotheke im Jahr 1860 von einem Herrn namens Adolf Pelizäus. Sie war die erste und lange Zeit die einzige in Burgaltendorf, das damals noch Altendorf an der Ruhr hieß.

Die Familientradition begann bereits 1910

Adolf Pelizäus folgten mehrere Betreiber mit Namen Meyer, Schmidt, Engels, Voß und schließlich Grischow, die die Apotheke zum Teil mit unterschiedlichem Namen weiterführten. Die Familientradition aber begann im Jahr 1910, denn in diesem Jahr kaufte Friedrich Mühlhan die Konzession und führte die Apotheke bis ins Jahr 1944. Überliefert ist eine Geschichte aus dem Jahr 1932. Dieter Bonnekamp, ehemaliger Vorsitzender des Heimat- und Burgvereins, hat nachgeschlagen: „Da bekam Mühlhan einen Brief mehrerer Frauen und Männer aus dem Stadtteil, in dem er aufgefordert wurde, im Interesse der Sittlichkeit ein Werbebild von einer ,Frauenperson im Badekostüm’ zu entfernen“, so Bonnekamp.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Kurt Mühlhan die Apotheke – eine Person, an die sich noch viele Burgaltendorfer erinnern können. Legendär sind seine Musikabende, die – so hört man aus der Familie – von anfangs drei bis vier Mal im Jahr schließlich so oft stattfanden, dass die nötigen Stühle direkt im Wohnzimmer stehenblieben. Mühlhan war außerdem passionierter Botaniker und Segler, war noch im Alter von 95 Jahren auf dem Baldeneysee zu sehen.

Ein Aufbau befindet sich auf der früheren Auffahrt

Die Apotheke vergrößerte er in den 1950er-Jahren. Wo sich heute die Verkaufsräume befinden, wurde ein Anbau auf der ehemaligen Auffahrt errichtet. Im alten Gebäudeteil befindet sich heute etwa das Labor. Ab 1993 pachtete Eckart Nahme den Betrieb, er war ein Schwager der Tochter von Kurt Mühlhan. Mit ihm endete 2004 die Familientradition, aber nicht die Geschichte der alten Adler-Apotheke.

Andrea Beckmann ist nach fünf Jahren auch als Apothekerin komplett in Burgaltendorf angekommen. „Ich habe hier ein tolles Publikum und fühle mich ziemlich wohl damit“, stellt sie fest. Dennoch hat sie es nicht immer leicht, der Standort ist eher abseitig, der Verkaufsraum vergleichsweise klein.

Im Laufe der Jahre sind einige Apotheken aus dem Stadtgebiet verschwunden

Und die Situation in der Branche ist nicht unbedingt immer rosig. Von ehemals rund 190 Apotheken in den 1970er- und 1980er-Jahren in Essen sind noch 141 übrig. Ulrich Schwier, Vorsitzender des Apothekenverbandes Essen/Mülheim/Oberhausen, erläutert: „Wir liegen damit schon im Schnitt. Manchmal sind Altersgründe ausschlaggebend für eine Aufgabe, manchmal lohnt sich aber auch der Umsatz nicht mehr. Man sollte schon eine gewisse Lage und Größe haben.“ Und viel Herzblut mitbringen – wie Andrea Beckmann.

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