Beim Steeler Ruderverein zählen Leistungsgedanke und Spaß

Das Vereinsheim des Steeler Ruder-Vereins liegt an der Ruhr am Grendtor: Vorsitzender Dirk Dunker steigt selbst einmal in der Woche ins Boot.
Das Vereinsheim des Steeler Ruder-Vereins liegt an der Ruhr am Grendtor: Vorsitzender Dirk Dunker steigt selbst einmal in der Woche ins Boot.
Foto: WAZ
Mit elf Jahren trat Dirk Dunker (55) in den Steeler Ruder-Verein ein und kennt viele Mitglieder genau so lange. Heute ist er der Vorsitzende.

Essen-Steele.. Der Steeler Ruder-Verein gehört zum Leben von Dirk Dunker, seitdem er elf Jahre alt ist. Schon damals war das Vereinsheim an der Ruhr Anlaufstelle für den Jugendlichen, der mit seiner Familie in Überruhr lebte und zur Schule ging. Er wurde Landesmeister im Vierer, war als Wirtschaftswart für die Gastronomie verantwortlich und wurde Vorsitzender. Auch heute steigt der 55-Jährige einmal in der Woche ins Boot. Geblieben sind in all den Jahren aber nicht nur die Faszination für den Wassersport, sondern auch die vielen Freundschaften, die sich im Laufe eines Vereinslebens bildeten.

Das Vereinsheim der Steeler Ruderer steht seit Gründung des Vereins 1904 am Grendtor, direkt am Ruhrufer. Zwölf Rennsportboote haben ihren Platz in einer Halle, in der anderen gibt es 50 Boote für den Breitensport. Denn neben dem Leistungsgedanken, zählt der Spaß am Sport. Der findet im Sommer fast ausschließlich auf dem Wasser statt, im Winter größtenteils an den Rudergeräten im Kraftraum. Über diesem befindet sich die Gaststätte „Ruhrstop“, die aus finanziellen Gründen vor acht Jahren verpachtet wurde, erzählt Dirk Dunker. Er ist für so manche Veränderung in seinem Verein verantwortlich, seitdem er 2005 den Vorsitz übernahm, betont gleichzeitig immer wieder, „dass ein Verein nur so gut funktionieren kann wie das Team mitspielt“. Dazu gehört der insgesamt zwölfköpfige Vorstand, in dessen Arbeit inzwischen auch einige Ehefrauen – wie etwa seine als Sozialwärtin – integriert sind, sagt Dunker und fügt schmunzelnd hinzu: „Das erleichtert unser Leben drastisch.“

Insgesamt verbringt er bis zu sieben Stunden in der Woche mit Vereinsarbeit, auch am Schreibtisch und in Sitzungen. „Ich habe versucht, diesem Verein ein neues Gesicht zu geben“, sagt der Vorsitzende, der als selbstständiger Kaufmann mit Medizinprodukten zu tun hat. Nicht zuletzt ging es bei den neuen Ideen auch darum, Nachwuchs zu werben. Immerhin konkurriere der Verein mit Computerspielen, Hobbys wie Fußball und Ganztagsschulen.

Dunker hat den Verein kurzerhand mehr nach außen geöffnet, hat Werbung gemacht, Netzwerke in Steele aufgebaut, Kontakt zu Schulen gesucht. Für Kinder bieten sie Kurse beim Ferienspatz an, für Erwachsene Schnupper-Kurse und haben zudem eine neue Vereinsveranstaltung ins Leben gerufen: den Vierer-Cup, bei dem am 27. August bereits zum elften Mal jeder mitrudern kann (siehe Info-Box).

Die Offensive zeigt Wirkung: In den vergangenen zehn Jahren nahm die Zahl der Mitglieder um 20 Prozent zu. Rund 250 sind es, darunter etwa 50 Jugendliche. „Tendenz steigend“, freut sich der Vorsitzende. Neu im Verein ist auch ein junger Syrer (27), der als Flüchtling nach Horst kam. „Wir bringen ihm zunächst Schwimmen bei, dann das Rudern“, erzählt Dunker. Kinder fangen frühestens mit zehn Jahren an. Mit 15 stehen sie vor der Entscheidung, ob sie den Breitensport wählen oder in den Leistungsbereich einsteigen. Dann trainieren sie in der Saison vor den Meisterschaften täglich. Cheftrainer Christian Brockmann, selbst ehemaliger Leistungssportler, ist für diese Gruppe verantwortlich. Und wenn aus dieser mal wieder ein Weltmeister aus Steele im Boot sitzt, wäre das schön, sagt Dunker, denn: „Was wäre ein Ruder-Verein ohne Leistungssport“.

Zahlreiche sportliche Erfolge

Auch wenn sich der Verein über jeden freut, der rudern wolle, bleibt unvergessen, dass die Sportler aus Steele 1987 der erfolgreichste Ruderverein Deutschlands waren, sagt er. WM-Titel gehen auf ihr sportliches Konto und so manche Siege bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften sind nur einige Erfolge in der langen Vereinsgeschichte.

Zu dieser Historie gehört allerdings nicht nur das Rudern, denn abseits davon fahren die Freunde gemeinsam Motorrad oder Ski, sie feiern zusammen – und manche heiraten. Wie der zweite Vorsitzende Carsten Koschel, der vor 30 Jahren in den Verein eintrat, wo er auf der Terrasse des Lokals seine spätere Frau zum ersten Mal sah. Jetzt steht eine weitere Hochzeit an. Die Braut des Chef-Trainers ist zwar mehr Reiterin denn Ruderin, sagt Dirk Dunker und lächelt: „Aber ganz nebenbei ist sie meine Tochter.“

Weitere Folgen der Serie "Mein Verein" finden Sie hier.

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