Balsam für die Politikerseele

Das Areal Heuweg in Überruhr.
Das Areal Heuweg in Überruhr.
Foto: WAZ
Die Untere Landschaftsbehörde nahm Stellung zur geplanten städtischen Flächenentwicklung und bestärkt die Bezirksvertretung VIII in ihrer kritischen Haltung

Essen-Überruhr..  Als den Bezirksvertretern der BV VIII Anfang März das Konzept „Bedarfsgerechte Flächenentwicklung“ auf den Tisch flatterte, war der Ärger groß. Weitere Wohnbebauung im Bereich „Im Heimberge“ in Burgaltendorf und „Am Stern/Überruhrstraße“ sowie neues Gewerbe am „Heuweg“ in Überruhr hatten die Stadtplaner in Betracht gezogen. „Nicht mit uns“, wetterte Bezirksbürgermeister Manfred Kuhmichel (CDU), dem die anderen Stadtteilparlamentarier bereitwillig folgten. Eine nun vorliegende Stellungnahme der Unteren Landschaftsbehörde (ULB) bestärkt die Politiker der Ruhrhalbinsel in ihrer Haltung.

Wie diese aussieht, macht BV-Chef Kuhmichel noch einmal deutlich: „Ich habe schon damals betont, dass wir die Flächenvorschläge zwar zur Kenntnis nehmen, dass dies jedoch nicht unserer Zustimmung gleichkommt.“ Ganz im Gegenteil gäbe die bloße Kenntnisnahme, so Kuhmichel, ein völlig falsches Bild davon ab, was die BV Ruhrhalbinsel tatsächlich wolle.

Wie berichtet, besitzt der Regionale Flächennutzungsplan (RFNP) und die dort dargestellten Bereiche zum Schutz der Landschaft und der landschaftsorientierten Erholung für die BV VIII auch im weiteren Verfahren Priorität. „Dies haben wir auf meine Anregung hin auch so beschließen lassen – und zwar einstimmig“, so Kuhmichel.

Gründe dafür gibt es genug: „Ein wichtiges Merkmal der Ruhrhalbinsel ist ihre gewachsene Siedlungsstruktur, die es zu erhalten gilt. Da geht es nicht um das Haus vor der Nase, sondern um die ganz eigene Charakteristik des Bezirks.“

In der Bewertung dieser seien die Bezirksvertreter „fachkundige Experten“. Die Stadtplaner indes hätten sich nur ein paar Flächen herausgepickt, ohne auf die Gegebenheiten zu achten, sagt Kuhmichel.

Die Untere Landschaftsbehörde (ULB) scheint dieser Ansicht zu folgen, heißt es doch gleich zu Anfang ihrer Stellungnahme: „Es ist schon erstaunlich, dass bereits fünf Jahre nach Inkrafttreten des RFNP, der noch 135 ha Wohnbauflächen und 125 ha Industrie- und Gewerbeflächen als Reserve zu Verfügung stellt, weitere Flächen beansprucht werden sollen“. Noch dazu werde dabei weitestgehend auf Flächen zurückgegriffen, die bei der RFNP-Erarbeitung von Politik und Bürgern abgelehnt worden seien.

Laut ULB ein eher unverständlicher Ansatz, zumal der neue § 1 der Baugesetzbuch-Novelle „Gesetz zur Stärkung der Innenentwicklung“ die „Ermittlung von Möglichkeiten der Innenentwicklung“, also insbesondere von Brachflächen, Gebäudeleerständen und auch Baulücken favorisiert. Mit dem Ziel, Neuinanspruchnahme von Flächen auf der „Grünen Wiese“ weitestgehend zu vermeiden und die „Urbanität und Attraktivität von Städten und Gemeinden zu wahren und zu stärken“. Eine Forderung, die den Politikern der Ruhrhalbinsel aus der Seele spricht.

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