Bahlsen-Stiftung weitet Förderung der Naturheilkunde aus

Wirksam: Ayurveda-Massage etwa wird als Naturheilkundeverfahren seit Jahren im Knappschaftskrankenhaus in Steele angeboten.
Wirksam: Ayurveda-Massage etwa wird als Naturheilkundeverfahren seit Jahren im Knappschaftskrankenhaus in Steele angeboten.
Foto: Klaus Micke/Bildredaktion
Das eine Ziel: Gräben zwischen klassischer Schulmedizin sowie Naturheilkunde und Komplementärmedizin sollen weiter zugeschüttet werden. Das andere: das Wohl der Patienten, oder zumindest verbesserte Lebensqualität, weniger Stress oder spürbare Linderung von Schmerzen.

Essen-Steele..  Medizin und Forschung, das gehört zusammen. Untrennbar wie Tim und Struppi, Lolek und Bolek oder der Topf und der Deckel. Leider aber gibt es oft hohe und auch unüberwindbare Hürden, weil sich unterm Strich natürlich auch viel und nicht selten sogar zu viel ums liebe Geld dreht. Leidtragende sind meist die Patienten, Menschen, die mitunter erfolgreiche Behandlungen verpassten, weil diese nicht durch Studien genügend untermauert wurden oder werden konnten.

Welch Glück also, wenn Kliniken in Zeiten allgemein eher leerer Kassen Unterstützung bekommen, um Forschung voranzutreiben. Etwa die im Knappschaftskrankenhaus in Steele verortete Klinik für Naturheilkunde, deren Macher dank großzügiger Unterstützung und weiteren 200 000 Euro durch die renommierte Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung aus Hannover auch weitere zwei Jahre daran arbeiten können, medizinische Leitlinien zu erstellen. Das eine Ziel: Immer noch bestehende Gräben zwischen klassischer Schulmedizin sowie Naturheilkunde und Komplementärmedizin sollen weiter zugeschüttet werden. Das andere und noch weit wichtigere: das Wohl der Patienten, oder zumindest verbesserte Lebensqualität, weniger Stress oder spürbare Linderung von Schmerzen.

Medizinische Leitlinien

Festgezurrte medizinische Leitlinien. Ein prägendes Thema für die Gesundheitsversorgung, wichtiges Handwerkszeug auch für die Ärzte von heute und morgen – aber noch immer nahezu stiefmütterlich behandelt, wenn’s denn um Inhalte aus der Naturheilkunde und Komplementärmedizin geht. Heißt im Klartext: Noch immer gibt es (zu) viele alteingesessene Schulmediziner, für die Alternativen übertrieben gesagt eher Hexenwerk gleichen.

In Steele und den Kliniken Essen-Mitte indes weht seit Jahren schon ein anderer Geist. Die von Prof. Gustav Dobos geleitete Klinik für Naturheilkunde mit 54 Betten und bislang rund 25 000 behandelten Patienten ist in ihrer Ausrichtung „deutschlandweit einmalig“, das von Prof. Jost Langhorst und mehreren Kollegen vorangetriebene Leitlinien-Projekt stößt selbst in berühmten großen Häusern wie der Berliner Charité auf größtes Interesse. Und so war es für die Bahlsen-Stiftung letztlich keine Frage, die Unterstützung in Steele auszubauen. Prof. Burkhard Huch, der Vorsitzende: „Es ist sicher schwierig, aus einer Vielzahl von Anträgen das Richtige herauszufiltern. Aber unsere Stiftung möchte, dass Naturheilkunde zur praktischen Anwendung kommt. Nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zur Schulmedizin. Und nicht nur für Selbstzahler und Privatversicherte.“

Mit den in den kommenden zwei Jahren fließenden 200 000 Euro weitet die Bahlsen-Stiftung ihre Unterstützung in Steele auf insgesamt 550 000 Euro aus. Geld, das gebraucht wurde und weiter gebraucht wird. Denn wie groß der Bedarf ist, verdeutlichen die Wartezeiten von sechs bis neun Monaten – Notfälle natürlich ausgenommen. Prof. Gustav Dobos und Klinik-Geschäftsführer Horst Defren unisono: „Seit 16 Jahren nun gibt es Naturheilkunde an diesem Standort. Von Beginn an wollten wir aufzeigen, dass alternative Therapien absolut Sinn machen.“

Wichtiges Alleinstellungsmerkmal fürs Haus allemal, gut aber in erster Linie für die Patienten. Langhorst: „Noch immer nämlich gibt’s Vorurteile, die 50 Jahre alt sind.“ Diese gilt es abzubauen. Auch durch Studien. Und Leitlinien.

Wie sich Yoga auf die chronisch entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa auswirkt, untersuchen Dr. Holger Cramer und Prof. Jost Langhorst von der Klinik für Naturheilkunde derzeit im Rahmen einer großen Studie. Yoga hat bereits bei verschiedenen Erkrankungen positive Wirkung gezeigt, daher erscheinen Erfolge auch bei Menschen mit Colitis ulcerosa naheliegend. Die Erforschung der Wirksamkeit komplementärmedizinischer Verfahren hilft, die von Betroffenen nachgefragten Methoden kritisch zu prüfen und wirksame Verfahren zu entwickeln.

Das Projekt ist erfolgreich gestartet, vorläufige Ergebnisse gibt es 2015. Wer interessiert ist teilzunehmen und/oder weitere Informationen wünscht: studiennhk@kliniken-essen-mitte.de oder 0201 174 255 08 Stichwort: „Yoga/Colitis ulcerosa“.

 
 

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