Essen

Organspenden in Uniklinik an falsche Patienten vergeben? Staatsanwaltschaft ermittelt

Gab es Unregelmäßigkeiten an der Uniklinik Essen bei der Vergabe von Organen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.
Gab es Unregelmäßigkeiten an der Uniklinik Essen bei der Vergabe von Organen? Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun.
Foto: Funke Foto Service
  • Uniklinik Essen soll bei Lebertransplantationen gegen Richtlinien verstoßen haben
  • Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Leiter des Programms

Essen. Die Uniklinik Essen soll bei Lebertransplantationen immer wieder gegen Richtlinien verstoßen haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

„Wir haben die Ermittlungen aufgenommen“, so Oberstaatsanwältin Anette Milk gegenüber DER WESTEN. Dabei gehe es um einen möglichen Verstoß gegen die Dokumentationspflicht.

Neue Leber für Alkoholkranke

Zwischen 2012 und 2016 soll es Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Organen gegeben haben, so der Vorwurf, der aus dem Bericht der der Prüfungs- und Überwachungskommission (PÜK) hervorgeht.

Demnach sollen alkoholabhängige Patienten in acht Fällen eine neue Leber erhalten haben, obwohl sie das Mindestmaß an alkoholloser Zeit noch nicht hinter sich.

Organe an falsche Patienten vermittelt

Außerdem sollen Organe beim sogenannten beschleunigten Verfahren an falsche Patienten vermittelt worden sein.

Beim beschleunigten Verfahren haben Kliniken Zugriff auf Organe, die andere Kliniken abgelehnt haben.

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In 120 von 175 Fällen soll sich die Uniklinik kurzfristig für einen anderen Patienten als den zunächst angegebenen entschieden haben. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn das Organ anders als gedacht doch nicht zum Patienten passt: Denn die Organe werden ungesehen übernommen.

Uniklinik wehrt sich vehement

Die Uniklinik wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe, gibt aber zu, in dem angegebenen Zeitraum die eigene Dokumentationspflicht nicht vollständig eingehalten zu haben.

Die Uniklinik hatte sich zuletzt vehement gegen die Vorwürfe gewehrt. Allerdings räumt man bei der Klinik ein, die Dokumentationspflicht nicht immer hinreichend beachtet zu haben.

Freiheitstrafe von bis zu zwei Jahren

Im Fokus der Ermittlungen steht jetzt Andreas Paul, der Leiter des Transplantationsprogramms. „Es geht darum, ob tatsächlich Anklage gegen ihn erhoben wird oder möglicherweise gegen andere. Oder ob das Verfahren am Ende ganz eingestellt wird“, sagt Anette Milk.

Für einen Verstoß, wie er dem Leiter des Programms vorgeworfen wird, drohen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren. „Das ist irgendwo zwischen Fahren ohne Fahrerlaubnis und Diebstahl angesiedelt“, sagt Milk. (pen)

 
 

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