Obdachloser Hanno spendete an Kita – und ist ein „Star“

Julia Witte
Über Nacht zum Medienstar: Die Spendenaktion brachte Hanno und der Kita Budenzauber in Essen-Werden viel Aufmerksamkeit.
Über Nacht zum Medienstar: Die Spendenaktion brachte Hanno und der Kita Budenzauber in Essen-Werden viel Aufmerksamkeit.
Foto: WAZ FotoPool
Hanno, der Obdachlose aus Essen-Werden, spendete der Kita Budenzauber 150 Euro. Den Medienrummel um seine Person, den er damit auslöste, kann Hanno nicht verstehen. Werden nennt er „Stadt der Engel“. Den will er trotzdem bald wieder verlassen – wenn es sein Gesundheitszustand denn zulässt.

Essen. Oft sind Obdachlose ,Menschen ohne Namen’, die von Passanten ignoriert werden. In Hannos Fall ist das anders, ganz anders: Kein Fußgänger zieht an dem Brunnen zwischen Brück- und Abteistraße vorbei, ohne Hanno zu grüßen oder ihm ein kurzes Lächeln zuzuwerfen. Einige Menschen bleiben stehen, halten einen Plausch, überreichen ihm etwas zu essen oder werfen ein paar Cent in die Plastikschale, die neben dem kleinen Pflänzchen, das er sich für sein „Zuhause“ gekauft hat, steht.

Bloß nicht nach Bayern

Ganz klar: Hanno gehört schon fest in Werdens Stadtbild und ist – mittlerweile auch über die Grenzen der Abteistadt hinaus – bekannt wie ein bunter Hund. Spätestens seitdem bekannt wurde, dass der 58-Jährige 150 Euro an den Kindergarten Budenzauber spendete, ist Hanno für viele Bürger mehr als nur ein Vagabund, der an dem Werdener Brunnen sein vorübergehendes Zuhause hat.

Dabei kann Hanno den Rummel um seine Person nicht so recht nachvollziehen. Schließlich stehe schon in der Bibel geschrieben: „Wenn du hast, dann teile“, zitiert er den Satz, den er sich zum Lebensmotto gemacht hat und an den er sich strikt hält. So hätte er es schon immer gemacht. Nicht nur in Essen, auch in den anderen Städten, in denen er seine Zelte in den vergangenen zwölf Jahren aufgeschlagen hat. Hamburg, Hannover, Berlin, Frankfurt – um nur einige Orte aufzuzählen, in denen der gebürtige Oberhausener schon lebte. Nur in Bayern – da war er noch nie, und da möchte er auch nicht hin. „Dort sind Obdachlose nicht so gerne gesehen. Außerdem mag ich keine Berge“, scherzt Hanno.

In , fühle er sich ausgesprochen wohl; die Menschen hier seien fantastisch. Schon vor dem Medienrummel um ihn hätte er nur gute Erfahrungen gemacht. Dennoch wird auch sein Aufenthalt hier nicht von Dauer sein. Um Ostern soll es weiter gehen – wenn es sein Gesundheitszustand denn zulässt.

Erst vor ein paar Tagen musste er nämlich kurzzeitig ins Krankenhaus. „Leichte Diabetes und Bluthochdruck. Außerdem habe ich nach einem Sprunggelenksbruch noch eine Platte im Bein, die eigentlich mal raus operiert werden müsste“, erzählt Hanno über sein Befinden. Nur mit der Behandlung sei das eben so eine Sache, denn: „Das gestaltet sich schwierig, wenn man nicht krankenversichert ist.“ Sobald er aber wieder richtig fit ist, geht es weiter Richtung Ostsee. Auf Rügen oder Usedom möchte er spätestens im Sommer am Strand liegen.

Hanno ist noch nicht bereit für einen festen Wohnsitz 

Hanno, der seinen bürgerlichen Namen nicht verraten möchte, wollte eigentlich nur mal drei Monate raus. „Nach meiner Scheidung wollte ich den Kopf frei kriegen und einfach weg von allem“, erzählt er über die Geschehnisse, die sich vor rund zwölf Jahren ereigneten. Lange Zeit arbeitete er als kaufmännischer Angestellter für das Deutsche Rote Kreuz, danach für kirchliche Einrichtungen, bis er sich als Netzwerktechniker selbstständig machte. „Ich habe 16 Stunden am Tag gearbeitet. Das war nicht gut für die Ehe...“, nennt er den Grund der Scheidung. Mit seiner Ex-Frau hat er zwei Töchter im Alter von 29 und 30 Jahren. Zu einer Tochter hätte er unregelmäßig und nur selten Kontakt, genauso wie zu einer Schwester, der er gelegentlich mal eine E-Mail aus einem Internetcafé schreiben würde.

Irgendwann, so plant Hanno, will er wieder sesshaft werden: spätestens, wenn er seine Rente beantragen kann. „Ich könnte wahrscheinlich auch Hartz IV in Anspruch nehmen, aber ich möchte erstens niemandem auf der Tasche liegen und zweitens bräuchte ich dafür einen festen Wohnsitz“, so der Heimatlose, der sich aktuell noch nicht bereit für ein Leben in vier Wänden fühlt.