Obama-Schwester Auma streitet für eine bessere Welt

Zu Gast in der Philharmonie:  Auma Obama, die große Schwester des amerikanischen Präsidenten Barack Obama.
Zu Gast in der Philharmonie: Auma Obama, die große Schwester des amerikanischen Präsidenten Barack Obama.
Foto: Kerstin Kokoska WAZ/FotoPool
Mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu“ will Auma Obama, die Schwester des amerikanischen Präsidenten, Jugendlichen Mut für eine bessere Zukunft machen. In der Essener Philharmonie sprach sie auch über Klischees und falsche Ängste.

Essen.. Auma Obama hat viele Jahre in Deutschland gelebt. An das Wetter hat sie sich bis heute nicht gewöhnen können. Ein Bild von ihr vor der Philharmonie? Die große Halbschwester des amerikanischen Präsidenten zieht gleich fröstelnd die Schultern hoch. Aber Auma Obama hat eine Mission und dafür trotzt die Journalistin und Autorin in diesen Tagen auch Schnupfentemperaturen. „Die Welt ein bisschen besser machen“, das klingt gar nicht so sozialromantisch, wenn Obama es sagt. Mit ihrer Stiftung „Sauti Kuu – starke Stimmen für eine starke Jugend“ will sie diesem Ziel ein wenig näher kommen. Gerade aus Deutschland käme viel Unterstützung, erklärt die Kenianerin.

Deshalb ist sie auch zum Stifterdialog des Deutschen Stiftungszentrums „Fördern ohne Grenzen“ in die Philharmonie gekommen. „Sauti Kuu“ ist eine Stiftung, die Jugendlichen Mut machen soll, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, Stärken zu entdecken, an eine bessere Zukunft zu glauben, statt sich der Armut zu ergeben. Nicht nur in Afrika, sondern in der ganzen Welt. Der westlichen Sorge, dass Jugendliche sich angesichts wachsender Perspektivlosigkeit zunehmend in politischen Extremismus und Terrorismus flüchten, tritt die Soziologin dabei entgegen: „Viele Jugendliche haben doch ganz andere Sorgen, sind vor allem mit sich beschäftigt. Die wollen sich nicht radikalisieren, sie wollen vor allem wahrgenommen werden.“

"Deutschland ist vielfältiger geworden"

Weg von den Klischees, den alten westlichen Denkmustern, das ist überhaupt Obamas große Forderung. Nicht nur beim Thema Ebola. Dass der Westen jetzt nur aus Angst und Sorge vor der Verbreitung der Krankheit reagiere, sei die falsche Voraussetzung. „Wir alle müssen gemeinsam etwas gegen diese Krankheit tun.“ Also weg von der alten Rollenverteilung des Empfängers und westlichen Wohltäters. „Das Bild, dass der Westen kommt und uns rettet, dieses Bild zwingt uns immer wieder in die Knie und wirft die Diskussion um Jahrzehnte zurück.“

Obama weiß dabei aus eigener Erfahrung, wie sich bestimmte Stereotype in den Köpfen festsetzen: „Die Frau ist Afrikanerin, spricht nicht, ist unterdrückt, tanzt und kocht gut. Dieses Klischee ist mir ja nicht nur einmal begegnet. Dann wehre ich mich dagegen und dann muss man sich mit mir auseinandersetzen, das ist natürlich Arbeit.“

Einige Jahre hat Obama in Saarbrücken, Berlin, Heidelberg gelebt, in Bayreuth wurde sie promoviert. Heute lebt sie wieder in Kenia. Ob sich ihr Deutschlandbild verändert hat? Auma Obama schüttelt den Kopf. „Nicht viel. Aber die Menschen haben sich verändert, Deutschland ist vielfältiger geworden. Man wird heute nicht mehr angestarrt, wenn man in den Bus steigt.“ Dann lacht sie und greift zum dicken Schal. „Aber das Wetter ist gleich schlecht geblieben!“

 
 

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