Nur Rummel im Kopf

Foto: Alexandra Roth

Stoppenberg..  Wenn Fabian Giehl über „The Beast“ oder „Big Monster“ spricht, leuchten die Augen des 14-Jährigen. Diese wild anmutenden Namen gehören Kirmesfahrgeschäften – und Fabian kennt sie alle. Er ist leidenschaftlicher Kirmesfan. Doch sein Hobby geht weit über Karussellfahren und das Essen von Zuckerwatte hinaus: Der Realschüler dreht Kirmes-Reportagen, schneidet und unterlegt sie mit Musik und stellt die Videos auf seine Homepage.

„Ich bin schon als Kind gerne zur Kirmes gegangen“, erzählt Fabian. Sein Hobby wurde ihm quasi in die Wiege gelegt, denn auch Vater Frank Reß ist seit Kindesbeinen Rummel-Fan. „Vor 30 Jahren habe ich schon beim Auf- und Abbau der Fahrgeschäfte geholfen“, so der 46-Jährige. Das Fabian es nicht bei Besuchen auf der Kirmes belassen wollte, war Frank Reß erst gar nicht klar. „Er kam eines Tages zu mir und hat gesagt, guck mal, ich habe eine Homepage erstellt.“

Da standen zuerst nur Kirmestermine drauf. „Dann habe ich angefangen, Bilder und kurze Videos von meinen Kirmesbesuchen in Internetforen hochzuladen“, erinnert sich Fabian. „Das kam so gut an, dass ich 2011 eine neue Homepage erstellt habe.“

115 000 Besucher haben sich seitdem seine Videos und Fotos angeschaut. Auf der Homepage gibt es nicht nur die neusten Fahrgeschäfte zu sehen. Fabian interviewt Kirmesbesucher und Schausteller, testet die neusten Karussells, erklärt, wo es die besten Parkmöglichkeiten gibt und verlost Chips für Fahrgeschäfte. Vater Frank, der hauptberuflich als Rettungssanitäter arbeitet, fungiert dabei als Kameramann. „Angefangen hat alles mit einer kleinen Digitalkamera, die Fabian sich von seinem Taschengeld gekauft hat“, erzählt Frank Reß. Mittlerweile ist das Duo mit einer hochmodernen Filmkamera für mehrere tausend Euro ausgestattet. Ja, das sei alles schon sehr kostspielig, Vater und Sohn investieren viel Zeit und Geld in ihr Hobby.

Auf den Kirmesplätzen bezahlen die beiden längst nichts mehr, werden sowohl in München wie in Essen von den Schaustellern erkannt. „Die möchten auch, dass ich über ihre Geschäfte berichte“, sagt der Realschüler. Unter Schaustellern und Platzwarten ist Kirmes-Fabian mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Von ihnen bekommt er auch Drehaufträge. „Ich habe auch ein Werbevideo für den Circus des Horrors gedreht.“ Was im Moment noch ein Hobby ist, möchte Fabian nach der Schule zu seinem Beruf machen. „Ich würde gerne Film- und Videoeditor werden, also Bild- und Tonmaterial bearbeiten.“

2600 Kirmesplätze in Deutschland

Vom 12. bis 21. Juli findet an der Gruga wieder Kirmes statt. Fabian wird mit seinem Vater Frank wieder vor Ort sein und neue Reportagen drehen. „Ich würde gerne ein Video vom Aufbau der Fahrgeschäfte machen“, verrät er. „Leider ist die Kirmes an der Gruga die einzig große Kirmes in Essen“, sagt Fabian. Sein Vater Frank kennt da noch ganze andere Zeiten. „Es gab Zeiten, da gab es in einem Jahr 30 verschiedene Plätze in Essen.“

Ob München, Hamburg, Bonn oder Enschede: 100 Kirmesplätze hat Fabian mittlerweile in Deutschland und Holland gesehen, 50 davon im letzten Jahr. In zwei Wochen steht Hannover auf dem Programm, dann startet die Saison richtig. Gibt es denn überhaupt noch Plätze, die er nicht kennt? „Klar, in Deutschland gibt es ja schon 2600 Plätze.“ Und seine Lieblingskirmes? „Düsseldorf“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Die Lage direkt am Rhein sei unschlagbar.

Einen Traum möchten Vater und Sohn sich eines Tages erfüllen: die berühmteste Kirmes von Paris, das Foire du Trône, besuchen. „Die Fahrgeschäfte stehen da direkt am Eiffelturm“, schwärmt Fabian.

 
 

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