Nur nicht auf die grüne Wiese

Grün ist es um das Gewerbegebiet Im Teelbruch in Kettwig. Noch. Nach der neuen Liste der Stadt könnte die Gewerbefläche um 17,7 Hektar erweitert werden .
Grün ist es um das Gewerbegebiet Im Teelbruch in Kettwig. Noch. Nach der neuen Liste der Stadt könnte die Gewerbefläche um 17,7 Hektar erweitert werden .
Foto: www.blossey.eu
Der RundeUmweltTisch lehnt die neueste Reserveliste der Stadt Essen für mehr Gewerbe- und Wohnbauflächen ab. Tenor: Es ist genug Platz da.

Essen. Die städtische Liste, in der zusätzlich 136,5 Hektar Reserveflächen für Gewerbe und Wohnen vorgeschlagen werden, bringt die Umweltschützer auf die Barrikaden. Der Essener Naturschutzbund (Nabu) hat – wie berichtet – vor kurzem den Vorstoß aus dem Rathaus heftig kritisiert. Weitere Rückendeckung kommt jetzt erneut vom RundenUmwelt-Tisch (Rute) – einem Zusammenschluss von Essener Umweltexperten- und -aktivisten, der gerade eine detaillierte und umfassende Stellungnahme erarbeitet hat. Danach glaubt der RundeUmweltTisch, dass die bereits bestehenden Grundstücksreserven für die weitere Entwicklung der Ruhr-Metropole voll ausreichen.

Eine Ausweitung aber würde wichtige Frei- und Grünflächen vor allem im Essener Süden zerstören, den Zielen der Regionalplanung zuwiderlaufen – und gar gegen die Baugesetzbuch-Novelle verstoßen. Danach sei die „Neuinanspruchnahme von Flächen auf der grünen Wiese weitestgehend zu vermeiden.“

Leerstehende Grundstücke

Das verbindliche Ziel des Regionalen Flächennutzungsplanes, „bestehende Freiräume“ zu erhalten, würde mit Füßen getreten, so die Umwelt-Gruppe. Essen zähle „bereits heute zu den am dichtesten bebauten Städten“, betonte Rute-Moderator Dieter Küpper. Laut des Statistischen Landesamtes hatte die Stadt im Vorjahr mit 32,3 Prozent nach Herne den wenigsten Freiraum im Ruhrgebiet.

Deshalb gelte es, die verbliebene Landschaft zu erhalten. Es sei „unverantwortlich, Grünflächen und Freiraum durch neue Bebauungen weiter zu reduzieren und damit die Attraktivität Essens als Lebens- und Wohnstandort aufs Spiel zu setzen“, mahnte der RundeUmweltTisch.

„Ausreichend für sieben Jahre“

Ein Zugriff sei schon deshalb nicht nötig, weil laut Rute ein Flächenmangel für die Industrie und das Gewerbe gar nicht bestehe, zumal zahlreiche potenzielle Grundstücke weiter brach liegen. Für den Essener Süden werden als Beispiele die ehemalige Landespolizeischule in Bredeney und nicht mehr genutzte Areale an der Theodor-Althoff-Straße, Am Zehnthof/Schönscheidtstraße, an der Ruhrtal- und Ringstraße genannt. So seien mehrere Flächen von RAG, IBM, Karstadt und Praktiker aufgegeben worden. Der Arbeitskreis Rute verweist auf die Wirtschaftsförderung metropoleruhr, wonach in Essen im Vorjahr 45 Prozent der bestehenden Gewerbepotenziale „restriktionsfrei“ seien, also ohne allzu größere Verzögerungen zur Verfügung stehen könnten: „Die reichen für über sieben Jahre“, rechnete Rute aus.

Der von der Essener Wirtschaftsförderung behauptete Flächenengpass sei eine „maßlose Übertreibung“, so Moderator Küpper. Denn 2013 seien nur 7,6 Hektar aus der Reserveliste genutzt worden, die im Jahre 2014 immer noch Grundstücke von insgesamt 142,2 Hektar bereit hielt.

Auch den zusätzlichen Flächenbedarf für Wohnbau-Projekte sehen die Umweltschützer nicht. Das Planungsdezernat will in seiner aktuellen Liste 54,5 Hektar fürs Wohnen zusätzlich bereit stellen. Die bisherigen Nachfrageprognosen seien deutlich höher ausgefallen als die tatsächliche Bautätigkeit – und das trotz mehrerer Dutzend Bauflächen, die noch frei sind. „Es gibt keinen aktuellen Mangel an Wohnbauflächen“, argumentiert Dieter Küpper. Er geht zudem davon aus, dass die Zahl der Essener Privathaushalte in den nächsten Jahren weiter abnehmen wird und sich die „Wohnungsüberhänge“ gar vergrößern könnten.

Schrottimmobilien vermarkten

Der RundeUmweltTisch plädiert dafür, alte und vor allem zu kleine Wohnungen aus den 50- und 60-er Jahren durch moderne, größere Wohnungen zu ersetzen, um so den tatsächlichen Bedarf besser abzudecken und für mehr Qualität auf dem Wohnungsmarkt zu sorgen. Damit würde auch drohenden Leerständen entgegengewirkt.

Insgesamt, so das Resümee von Rute, müssten aufgegebene Grundstücke schneller wieder nutzbar gemacht und Baulücken geschlossen werden. Auch sei es nötig, die sogenannten „Schrottimmobilien“ der Stadt konsequent zu vermarkten.

 
 

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