Nur mal eben die Welt retten. . .

Am Donnerstag, 31.03.2013, stellen Schüler und Studenten Projekte vor, die sie im Rahmen eines Projektes von UniAktiv entwickelt haben. Diese Projektgruppe hat targetaschen selbst entwickelt und hergestellt. V.l. Malte Reinelt (Student), Sabrine Joaudi (Schülerin), David Mros (Student), Fabian Schnabel (Projektleiter , UniAktiv), Immanuel Stylianon (Schüler), Julia Köhler (Studentin) und Narin Khaledi (Schülerin).
Am Donnerstag, 31.03.2013, stellen Schüler und Studenten Projekte vor, die sie im Rahmen eines Projektes von UniAktiv entwickelt haben. Diese Projektgruppe hat targetaschen selbst entwickelt und hergestellt. V.l. Malte Reinelt (Student), Sabrine Joaudi (Schülerin), David Mros (Student), Fabian Schnabel (Projektleiter , UniAktiv), Immanuel Stylianon (Schüler), Julia Köhler (Studentin) und Narin Khaledi (Schülerin).
Foto: WAZ FotoPool
Beim Uniaktiv-Programm „Connect“ entwickelten Schüler der Gesamtschule Holsterhausen und Studenten Ideen zum Klimaschutz.

Essen. Am Ende der Woche herrschte in der Gesamtschule Holsterhausen Chaos und heitere Nervosität: In den Tagen zuvor hatten Gesamtschüler und Studenten der Universität Duisburg-Essen Ideen zum Klimaschutz entwickelt, nun stand die Präsentation bevor. Dabei sollten die sechs Gruppen im Rahmen des Uniaktiv-Programms Connect nicht wolkige Weltrettungsideen zeigen, sondern Praxistaugliches.

"Plastiktüten sind ein globales Problem"

Projekte wie die RüTü, eine eigens für die Rüttenscheider Straße entwickelte Tüte. Ein Stoffbeutel, der von einem Lernprozess erzählt: Gemeinsam mit Projektleiter Fabian Schnabel hatten die Studenten Malte Reinelt (23), David Mros (20) und Julia Köhler (22) und die Schüler Sabrine Jaouadi (18), Immanuel Stylianou (17) und Narin Khaledi (17) sich rasch auf ein Thema verständigt: „Verpackung“, sagt David Mros. „Die vielen Plastiktüten sind zwar ein globales Problem, aber eins, das man auch vor Ort anpacken kann.“

Die Gruppe selbst ist bereits recht mustergültig, nur Malte gibt zu: „Ich hab’ nicht immer eine Tasche dabei.“ Beim Praxistest an der Kettwiger Straße zeigte sich dann, dass a) Malte repräsentativ ist für die Käufer in Essen und dass das b) vom Einzelhandel erwünscht ist. „An der Kettwiger sitzen vor allem große Ketten, und die wollen, dass die Kunden eine Tasche mit ihrem Logo durch die Gegend tragen“, so die Erkenntnis. Gespräche im Einkaufszentrum Limbecker Platz und der Rathaus Galerie verstärkten den Eindruck, dass die Geschäfte kaum auf den Werbeeffekt aus Plastik verzichten würden.

Über Bambus und Mais nachdenken

Anders an der Rüttenscheider Straße, wo viele Läden inhabergeführt sind – und sich mit Stephan Thiemann von „Die Welle“ ein hilfreicher Gesprächspartner fand. „Mir war die Idee sympathisch, ich habe aber darauf aufmerksam gemacht, wie schlecht die Öko-Bilanz von Baumwollbeuteln ist. Die Gruppe solle doch über Bambus oder Mais als Material nachdenken.“ Thiemanns Anregung wurde berücksichtigt, außerdem kam die Gruppe zum Schluss, dass Anreize mehr bewirken als missionarischer Eifer: Darum solle die RüTü in ein Rabattsystem eingebettet werden.

Die Jury aus Vertretern von Uni, Klima-Agentur, IHK und Stiftung Mercator prämierte am Ende eine Website, auf der man den Obstbaumbestand in Essen abrufen kann, sowie den Klima-Kinder-Garten, in dem Kinder lernen sollen, wo ihr Essen herkommt. Doch welches der insgesamt sechs Projekte einmal umgesetzt wird, hängt nicht vom Jury-Votum ab: Die Arbeit der Schüler und Studenten ist zunächst als lokale Ideenwerkstatt gedacht – es sei denn die Teilnehmer kümmern sich selbst um die Nachhaltigkeit ihrer Projekte.

Lust aufs Studium wecken

Ökologisch, ökonomisch, sozial – so wirbt die Gesamtschule Holsterhausen auf ihrer Homepage für sich. Dort findet man auch Informationen zum Projekt „Wir machen Euch den Hof“, zu dem die Entsiegelung des Asphalts und das Anlegen von Grünflächen auf dem Schulhof gehören. Ziel sei es, einen Beitrag zum Klimaschutz an der Schule und im Stadtteil zu leisten.

Die Projektwoche zum Klimaschutz, die jetzt mit dem Uniaktiv-Programm Connect veranstaltet wurde, passt also zum Öko-Profil der Schule – und setzt gleichzeitig einen neuen Akzent. Denn in der Woche haben die Gesamtschüler mit Studenten der Uni Duisburg-Essen gearbeitet; und dabei wurde vielleicht bei manchem die Neugier auf die Uni geweckt. Ein hübscher Nebeneffekt, ist doch ein Studium nicht für jeden Gesamtschüler so selbstverständlich wie für die meisten Gymnasiasten. „Dass ich hier mit Studenten und Dozenten ins Gespräch kommen konnte, hat mich gereizt“, sagt etwa Immanuel Stylianou (17). „Wir haben alles gemeinsam erarbeitet.“ Nach dem Abi 2014 wolle er studieren, vermutlich eine Geisteswissenschaft.

 
 

EURE FAVORITEN