Nur die Kosten sprudeln - die Stadt erwägt den Abriss des Schwimmbads "Oase"

Foto: Hans Blossey
Aus der Umnutzung des ehemaligen Schwimmbads „Oase“ wurde nichts. Zwei Jahre nach der Schließung denkt die Stadt deshalb jetzt über den Abriss nach. Schlussendlich sei dies günstiger als ein Umbau des Gebäudes. Im Gespräch sind rund 500.000 Euro – samt Neubau auf gleichem Grund.

Essen.. Sie haben eine Demo geplant, für Samstag kommender Woche. Dass sich dann um Punkt elf auf dem Frohnhauser Gervinusplatz wahre Massen versammeln, darf allerdings als eher unwahrscheinlich gelten, denn die Forderung der Protestgruppe klingt, nun ja, irgendwie nicht von dieser Welt: „Wir wollen die Oase wiederhaben!“

Wer den auf Kante genähten Etat der Sport- und Bäderbetriebe kennt, dessen jährliches Millionen-Minus nach wie vor noch weit vom Ausgleich entfernt scheint, der weiß: Auch zum zweiten Jahrestag der Schließung am 1. April dürfte die Politik dieses Ansinnen allenfalls für einen Scherz halten.

Mehr noch: Den rührigen „Freunden der Oase“, die dem Lamento über allzu hohe Betriebskosten in diesen Tagen das Preis-Plus beim Stadion oder den Aufwand zum Messe-Umbau gegenüberstellen, könnte in den nächsten Monaten womöglich die Geschäftsgrundlage für ihren Protest abhanden kommen. Denn ernsthafter denn je wird derzeit auf städtischer Seite ein kurzfristiger Abriss des 1983 eröffneten und 2010 geschlossenen Spaßbades erwogen.

121.943 Euro Betriebskosten jährlich

Dahinter steckt, wie der Chef der Sport- und Bäderbetriebe Michael Kurtz gestern betonte, die schlichte Erkenntnis, dass nach all den geplatzten Nutzungsträumen für Bad- und Wellness-Ideen in privater Hand auch ein möglicher Umbau zu anderen Zwecken mehr Problem als Lösung ist. Um Rat gefragte Architekten hätten jedenfalls davor gewarnt, dass ein Umbau im Bestand am Ende teurer käme als der ebenfalls nicht ganz billige Abriss – im Gespräch sind rund 500.000 Euro – samt Neubau auf gleichem Grund.

Noch ist nichts entschieden, eine Arbeitsgruppe wird sich des Themas annehmen, aber allzu viel Zeit wird diese sich nicht nehmen, denn wenn auch das Wasser längst aus den Becken der Oase verschwunden ist – die (Betriebs-)Kosten sprudeln munter weiter: Nicht weniger als 121.943 Euro zahlte die Stadt allein im vergangenen Jahr, unter anderem um den Gebäudekomplex nicht durch mangelhaftes Heizen für eine im Grunde ungewisse Wiedernutzung verkommen zu lassen.

Kosten? Noch unbekannt

Ein weiteres Problem: Die einst so beliebte „Oase“ steht noch mit einem siebenstelligen Restbuchwert in den Büchern, ein Abriss bedeutet für die Sport- und Bäderbetriebe also pure Vermögensvernichtung. Ob sich dieses Minus durch den Verkaufserlös wieder einspielen lässt, gilt als eher zweifelhaft.

Gemessen an den „Oase“-Kosten fallen die Betriebskosten für andere aufgegebene Sportanlagen kaum ins Gewicht: 5070 Euro sind es für die im Herbst geschlossene Sportanlage Altenbeckshof, wo Wohnbebauung und ein Park entstehen soll, 3710 für das Areal der Sportanlage Hamburger Straße, das wohl aufgeforstet wird, 226 Euro für die einst heftig umkämpfte Turnhalle Twentmannstraße, die 2008 geschlossen wurde. Auch hier ist Wohnbau geplant. Vier weitere Sportanlagen werden 2012 aufgegeben.

Kosten? Noch unbekannt.

 
 

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