Null Stimmen für Romney

Auch wenn zwischen Washington und Essen rund 6000 Kilometer Luftlinie und sieben Zeitzonen liegen – der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA betrifft auch uns. Der Meinung waren auch die 31 Schüler des Englisch-Leistungskurses am Gymnasium Essen-Werden und luden im Vorfeld der Wahl einen Vertreter des US-Konsulats zur Diskussion ein.

Bradly Michael Bruchs ist Amerikaner und arbeitet für ein halbes Jahr am Konsulat in Düsseldorf. Er studiert Politik und Deutsch an der Universität in Colorado – einem der wohl wahlentscheidenden „Swing States.“ Sein Enthusiasmus vor der mit Spannung erwarteten Entscheidung ist in jedem Wort, in jeder Geste unschwer zu erkennen.

Bevor er den Schülern das Wort überlässt, will Bruchs allerdings erst einmal wissen, wie denn der Werdener Leistungskurs abstimmen würde, wenn er die Wahl hätte. 31 Stimmen für Barack Obama, null Stimmen für Herausforderer Mitt Romney. „Typisch Germany“, scherzt Bruchs und erklärt gleich mal, warum Romneys Chancen trotzdem nicht schlecht stünden. „Die Amerikaner sind ja nicht blöder als die Menschen in Europa. Sie haben schlichtweg eine andere sehr traditionelle politische Geschichte, die noch heute tief im Parteiensystem verwurzelt ist“, erklärt Bruchs.

Die Schüler nutzen die Gelegenheit und löchern den Amerikaner mit Fragen. Was passiert, wenn beide Kandidaten am Ende gleich viele Wahlmänner auf ihrer Seite haben? Warum gibt es eigentlich nicht mehr als zwei Parteien? Was wird sich für uns in Deutschland ändern, wenn Romney Präsident wird? Der Amerikaner nimmt sich Zeit und beantwortet alle Fragen. Nur eine nicht. Verraten, wem er seine Stimme gibt, will er nicht. „Egal, wer am Ende Präsident ist, derjenige ist dann mein Boss“, gibt sich Bruchs diplomatisch.

Eine gute dreiviertel Stunde diskutiert er mit den Schülern, dann ist Schluss. „Leider war die Zeit ein wenig knapp für die vielen Fragen, aber trotzdem war es absolut interessant, auch einmal mit einem Experten über das Thema zu sprechen“, sagt Alena Kalks (18). Dass sich der Ausgang der Wahl auf ihre Zukunft auswirken kann, ist den Schülern dabei durchaus bewusst. „Die USA haben auch international einen riesigen Einfluss“, so Julian Dietze (18). Da sei es schon wichtig, dass der richtige Mann das Kommando hat.

Den Ausgang der Wahl, wollten die Schüler im Fernsehen verfolgen. Einige wollten lange wach bleiben, andere früh aufstehen. Alle sind sich jedoch einig: „Da müssen die Lehrer am nächsten Morgen auch Verständnis für müde Augen haben.“

 
 

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