NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin wird der dritte Essener im Kabinett

Die Schwiegereltern des künfigen NRW-Wirtschaftsministers Garrelt Duin wohnen in  Werden.  Dort will sich auch der  Ostfriese niederlassen. Damit wird Duin der dritte Essener in der aktuellen Landesregierung sein.

Essen. Garrelt Duin ist am Montag dienstlich in Brüssel unterwegs, als Hannelore Kraft ihn per Handy erreicht. Die Ministerpräsidentin offeriert dem 44-jährigen Bundestagsabgeordneten aus Ostfriesland für viele Beobachter überraschend den Posten als neuer NRW-Wirtschaftsminister. Duin ahnt, dass er für den beruflichen Radikalumstieg – weg aus der Niedersachsen-SPD, weg aus der Bundespolitik, weg aus der friesischen Heimat – zu Hause wenig Überzeugungsarbeit leisten muss. Das Zauberwort heißt „Essen“.

Duins Frau stammt aus Essen und hat den Kontakt hierhin nie verloren. Ihre Familie lebt bis heute im Süden, in der Nähe des Baldeneysees. „Sie war sofort dafür, dass wir nach NRW gehen“, erzählt Duin. Als der neue Minister am Donnerstag kurz vor seiner Vereidigung nach dem schönsten Ort in Nordrhein-Westfalen gefragt wird, muss er nicht lange überlegen: „Die Terrasse meiner Schwiegereltern in Werden.“

Die Duins werden deshalb natürlich nicht nach Düsseldorf, Bonn oder Köln ziehen, sondern nach Essen. Am liebsten in die Nähe der Großeltern, zu denen Duins zehnjähriger Sohn dann nachmittags radeln könnte. Die Zeit der Wohnungssuche drängt. Nicht nur, weil Garrelt Duin schnell den Kopf frei haben will für seine Amtsgeschäfte und das Kennenlernen der NRW-Wirtschaft. Für den Sohn muss vor den Sommerferien eine weiterführende Schule gefunden sein.

„Dün wie Duisburg“

Emotional dürfte Duin, der sich „Dün wie Duisburg“ ausspricht, noch eine Weile Friese bleiben. „Die ostfriesische SPD wird immer meine politische Heimat bleiben“, schrieb er den Parteifreunden im Kreis Emden/Aurich zum Abschied. Hier wurde er Europa- und Bundestagsabgeordneter, wirtschaftspolitischer Kopf der Bundes-SPD, zwischenzeitlich gar Chef der Niedersachsen-SPD und damit möglicher Herausforderer vom damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Nun also Rhein und Ruhr. Als Neuling im fußballverrückten Ruhrgebiet versucht Duin erst gar nicht, sich folkloristisch ranzuschmeißen: „Ich bin und bleibe HSV-Fan“, bekennt er. Die eigene NRW-Prägung beschränkt sich bislang auf einige ostwestfälische Bezüge: Seine Mutter stammt aus Lemgo, das Studium der Rechtswissenschaften und evangelischen Theologie absolvierte unter anderem in Bielefeld.

Zwischen Bredeney und Heidhausen

Genau genommen wird Duin der dritte Essener in der aktuellen Landesregierung sein. Während der neue Wirtschaftsminister dort wohnen wird, wo zwischen Bredeney und Heidhausen viele Manager und Konzernbosse ihr Zuhause haben, ist Justizminister Thomas Kutschaty Borbeck immer treu geblieben. Die in Essen geborene Vize-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) wiederum kann zwar schöne Anekdoten aus ihrer Jugend an der BMV-Schule erzählen, lebt aber schon lange mit ihrem Mann in Solingen.

Essen und die SPD-Spitzenpolitiker – das ist keine ganz neue Geschichte. Das Haus des früheren Bundesministers und Bundespräsidenten Gustav Heinemann im Moltkeviertel oder der schmucke Rückzugsort des langjährigen NRW-Ministers Diether Posser in Bredeney waren frühe Gegenbilder des Kohlenpott-Klischees. Die ehemalige Bundesministerin Antje Huber (88) lebt seit Jahrzehnten am Werdener Berg.

Friesische Weite vermissen

Garrelt Duin wird die friesische Weite gewiss manchmal vermissen: „Man ist es dort nicht gewohnt, gegen eine Häuserwand zu gucken“, sagt er. Andererseits seien ihm zuletzt 60 Windräder vor die Tür gestellt worden. Da weiß einer, was Energiewende bedeutet.

„Ja, ja“, pflegte Johannes Rau nach seinen Ministerpräsidenten-Touren durchs Land gerne gegenüber Kabinettsmitgliedern zu raunen, „in Essen, da lässt es sich schön wohnen.“