Essen

Schlag gegen „Al-Salam-313“: Polizei nimmt irakische Rocker-Gruppe in NRW ins Visier

Razzia in NRW: Zugriff in Essen.
Razzia in NRW: Zugriff in Essen.
Foto: Justin Brosch
  • Polizei greift gegen irakische Rocker-Gruppe „Al-Salam-313“ durch
  • Spezialeinheiten durchsuchen 49 Wohnungen und Geschäfte in NRW
  • Ende 2017 rückte die Rocker-Gruppe erstmals in den Fokus der Ermittler

Essen. Ende 2017 treten sie erstmals in Erscheinung: Die Rocker-Gruppierung „Al-Salam-313“. Mitglieder des verfeindeten Al-Zein-Clans stürmten eine Teestube in Essen, die den Rockern als Treffpunkt dient, an der Burgrafenstraße.

Sie werfen Fensterscheiben ein, zerlegen die Inneneinrichtung in Kleinholz. Dadurch rückt „Al-Salam-313“ - bestehend aus irakischen, syrischen, aber auch deutschen Staatsangehörigen - in den Fokus der Ermittler.

Schlag gegen „Al-Salam-313“ in NRW: SEK durchsucht 49 Wohnungen und Geschäfte

Knapp eineinhalb Jahre später geht die Polizei erstmals großflächig gegen „Al-Salam-313“ vor. Am Mittwochmorgen ab 5 Uhr durchsuchen knapp hundert Beamte, mit Unterstützung durch Spezialeinsatzkommandos (SEK), 49 Objekte in NRW - darunter in Köln, Duisburg, Bonn und Dortmund.

Schwerpunkt der Großrazzia: Die Stadtteile Frillendorf und Borbeck in Essen.

Mehrere Verdächtige werden in Gewahrsam genommen, in Köln wird bei Durchsuchungen eine Person vorläufig festgenommen. Die Vorwürfe wiegen schwer: Handel mit Waffen und Betäubungsmitteln, Verstöße im Bereich Schleuserkriminalität und Fälschungsdelikte.

Wer steckt hinter der Rocker-Gruppe „Al-Salam-313“?

Ungefähr 2016 hat sich die Rockergruppierung „Al-Salam-313“ in Deutschland gegründet. Sie setzt sich aus Milizen zusammen, die gegen den IS im Irak und Syrien gekämpft haben. Ihr Vorsitzender in Deutschland: Mohammad M. Er zieht aus der Teestube an der Burggrafenstraße die Fäden.

Deutlich erkennbar sind die an ihren Kutten. Anführer Mohammad M. hat die Initialien neben der Zahlenkombination 313 auf seinem Kennzeichen stehen.

>> Brutaler Überfall: Teestuben-Besitzer ist Anführer der irakischen Rocker-Gruppe „Al-Salam 313“

Ende 2017 entlädt sich ein Konflikt mit dem libanesischen Clan Al Zein. Mitglieder stürmen die Lokalität und nehmen sie auseinander. Grund für die Rivalität soll der Kampf um Schutzgeld für ein Konzert gewesen sein.

Hier wird die Teestube in Essen gestürmt

Am Dienstag überfielen bis zu 40 Männer eine Teestube im Essener Südostviertel.
Hier wird die Teestube in Essen gestürmt

Die Polizei hat die Mitglieder von „Al-Salam-313“ schon früher auf dem Schirm. Anwohner rufen immer wieder die Polizei wegen Lärmbelästigung, nach dem Überfall wird die Teestube dicht gemacht.

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Wie gefährlich ist die Rocker-Gruppierung?

Wie gewalttätig die Rocker wirklich sind, möchte die Polizei nicht einschätzen: „Bei der Großrazzia haben wir mit Gegenwehr gerechnet, daher die Spezialeinheiten“, so Christopher Wickhorst von der Polizei Essen. Ob die Mitglieder von „Al-Salam-313“ auch kampferprobt durch den Krieg in Syrien und Irak sind, dazu kann die Polizei keine Angaben machen.

Innenminister Herbert Reul spricht von einer „Art Clan“. Clan-Kriminalität wäre jedoch der falsche Begriff, da die Mitglieder nicht in familiären Strukturen organisiert seien.

Polizei stellt Bargeld fest

Bei den Durchsuchungen am Mittwochmorgen wurde Bargeld und Falschgeld im fünfstelligen Betrag sichergestellt. Außerdem fanden die Beamten verschiedene IT-Hardware und Betäubungsmittel.

Die Polizei geht davon aus, dass die Auswertung der digitalen Datenträger einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Neben Essen durchsuchte die Polizei Wohnungen und Geschäfte in Köln, Duisburg, Bonn, Siegburg, Krefeld, Dortmund, Olpe, Hünxe, Ennigerloh, Velbert und Heiligenhaus. (mit lin)

 
 

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