Stipendiaten beleben das Eltingviertel

Das „Team up“: Anika Ellwart (vorne links) und Maren Höfler (rechts).
Das „Team up“: Anika Ellwart (vorne links) und Maren Höfler (rechts).
Foto: WAZ FotoPool
Mit fünf kreativen Konzepten will die Vonovia (früher Deutsche Annington) mit der Stadt neue Ideen und neues Leben ins Eltingviertel bringen.

Nordviertel.  Mit fünf kreativen Konzepten will die Vonovia (ehemals Deutsche Annington) gemeinsam mit der Stadt neue Ideen und neues Leben in das Eltingviertel bringen. Dafür wurde ein besonderes Stipendium geschaffen: Statt der üblichen finanziellen Unterstützung können die Stipendiaten ein Jahr lang kostenfrei im Viertel nördlich der Innenstadt wohnen – und arbeiten.

„Das ist eine tolle Möglichkeit für uns. Jetzt haben wir endlich einen Ort, an dem wir zusammen unser Konzept verwirklichen können“, freut sich Design-Studentin Sophie Gnest. Mit ihrer Kommilitonin Maren Precht gehört sie zu den Gewinnern des Förderprogramms. Ihr Konzept: „Wir möchten zukünftig interkulturelle Gestaltung in Form von Workshops und Kursen für die Anwohner anbieten.“

„Team Up“ nennen sich die zweiten Stipendiaten. Die Kulturwirtin Anika Ellwart und die Produktdesignerin Maren Höfler eröffnen im Eltingviertel eine Werkstatt für „upcycling“. „Wir geben Dingen des alltäglichen Bedarfs, die man aber nicht mehr gebraucht, eine neue Funktion“, erklärt Maren Höfler. Ein paar Beispiele hat sie dabei: eine Etagere aus alten Tellern und Gläsern, eine Blumenvase, geformt aus einem oft gelesenen Roman.

Auch die anderen drei Gewinner-Teams haben spannende Ideen und Konzepte: So will die kleine Agentur Smile ihr zukünftiges Ladenlokal als Kommunikations-Plattform fürs Viertel anbieten. „Hier gibt es inzwischen viele soziale und kulturelle Angebote. Doch die meisten wissen nichts davon“, sagt Roland Wulftange, der sich mit seiner Kollegin Johanna Unterberg eine Art schwarzes Brett als Information für die Bewohner vorstellen kann. Wulftange weiß, wovon er spricht: Er lebt selbst seit geraumer Zeit im Eltingviertel.

Wie Florian Krohm, der gemeinsam mit Lena Halbedel dem Sperrmüll neues Leben einhauchen will und davon auch die Jury überzeugt hat: „Oft werden Dinge auf die Straße gestellt, die andere noch gut gebrauchen können. Wir wollen zeigen, wie man aus Sperrmüll wieder einen persönlichen Gegenstand machen kann“, erklärt Lena Halbedel. Gut vorstellbar ist für die beiden Industriedesign-Studenten der Folkwang Universität auch eine Zusammenarbeit mit Flüchtlingen, die sich ihr erstes Zuhause einrichten.

Fehlen noch der Kunststudent Matthias Plenkmann und der Filmstudent Christian Spieß: „Lichtgestalten“ heißt ihre Arbeit, die sich mit Lichtprojektionen auf Fassaden beschäftigt. „Aber wir haben auch vor, quartiersbezogene Kultur- und Jugendarbeit anzubieten“, sagt Christian Spieß.

„Wir sind unglaublich gespannt darauf, wie sich diese fünf Projekte im Viertel entwickeln und wie sie angenommen werden“, sagt Arndt Fittkau, der als Geschäftsführer die Wohnungen in Essen betreut. Noch sind die Wohnungen und Ateliers nicht bezogen, „das wird in den kommenden Wochen geschehen“. Genau wie die erste Kontaktaufnahme mit den Menschen, die hier leben. „Gerade im Kontext zum benachbarten Kreativquartier City Nord ergibt sich ein enormes Potenzial“, ist Kulturdezernent Andreas Bomheuer überzeugt, „mit dem Residenzstipendium können die Stipendiaten Freiräume nutzen, ihre Potenziale entfalten und so ganze Stadtgebiete mitgestalten.“

Denn hier fände Kreativität nicht im Elfenbeinturm statt, sondern mitten im sozialen Leben eines Viertels.

 
 

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