Speisereste gammelten jahrelang in Essener Wohngebiet

Mitarbeiter der Spezialfirma Bolz aus Recklinghausen begannen am Donnerstag damit, die Fässer mit den stinkenden  Fleischresten abzutransportieren. In der kommenden Woche soll alles geräumt sein.
Mitarbeiter der Spezialfirma Bolz aus Recklinghausen begannen am Donnerstag damit, die Fässer mit den stinkenden Fleischresten abzutransportieren. In der kommenden Woche soll alles geräumt sein.
Foto: Michael Korte/FUNKE Foto Services
Auf einem Grundstück in Altenessen faulten über Jahre tonnenweise Speisereste vor sich hin. Anwohner beschwerten sich mehrfach über Gestank.

Essen. In der II. Schnieringstraße in Essen-Altenessen reiht sich ein schmuckes, renoviertes Zechenhaus an das nächste. Ein Idyll – zumindest auf den ersten Blick. Ein Haus fällt nämlich aus der Reihe, und das nicht nur, weil der Putz von der Fassade bröckelt. Je näher man dem Gebäude kommt, desto stärker steigt beißender Geruch in die Nase. Da hilft auch der Duft der gelben Kletterrosen nicht, die in der Einfahrt blühen.

„Ich kann verstehen, dass die Nachbarn sauer sind“, sagt Makler Oliver Schlimmer, der das Objekt für den neuen Besitzer verkaufen will. Alle bisherigen Interessenten seien abgesprungen. Der Grund: Ende Juni waren Fässer mit verrotteten, stinkenden Speiseresten auf dem etwa 2700 Quadratmeter großen Grundstück entdeckt worden.

Oliver Schlimmers Kunde hatte für Grundstück und Haus bei einer Zwangsversteigerung den Zuschlag erhalten. „In dem Gutachten des vereidigten Sachverständigen war nicht davon die Rede, dass es hier mal eine Schweinemast gab, geschweige denn von verrottende Speisereste“, erklärt Schlimmer. Die Vorbesitzer hätten sich dem Gutachter gegenüber aber auch nicht kooperativ gezeigt.

Der neue Besitzer durfte nicht sofort nach dem Zuschlag aufs Grundstück, sondern erst, „nachdem der Eigentumsübergang erfolgt war“. Gut vier Monate waren da schon wieder ins Land gegangen. Das wahre Ausmaß der „Schweinerei“ (Oliver Schlimmer) sei erst Ende Juni ans Licht gekommen. Und das auch nur schrittweise. „Das Grundstück war völlig zugewuchert. Nach und nach wurden immer mehr Mülltonnen mit stinkenden Speiseresten entdeckt“, sagt Schlimmer. Am Ende sind es gut 200 Behälter, jeder mit einem Fassungsvermögen von 120 Litern. Über den Daumen etwa 30 Tonnen.

Aktenordner mit Lieferscheinen

Zudem seien in den Schuppen Aktenordner mit Lieferscheinen aufgetaucht. „Darin steht, dass Gastronomiebetriebe Speisereste geliefert und die damaligen Hausbesitzer dafür Geld bekommen haben“, erklärt Oliver Schlimmer. Die Speisereste hätten die Vorbesitzer an ihre Schweine verfüttert. „Ich habe mich beim Ordnungsamt erkundigt. Da wurde mir gesagt, dass die Verfütterung von Speiseresten seit 2005 verboten ist.“ Der stinkende Abfall moderte im schlimmsten Fall also bereits über ein Jahrzehnt vor sich hin.

Von den Vorbesitzern, die nach Schlimmers Wissen Privatinsolvenz angemeldet hätten, kann der neue Besitzer nichts erwarten. Im Gegenteil. Er muss jetzt auch noch für die Beseitigung zahlen. Einige Tausend Euro kämen da zusammen, so Oliver Schlimmer. Am Donnerstag rollte ein Lkw der Recklinghäuser Spezialfirma Bolz vor, um die ersten Tonnen abzuholen. In der kommenden Woche soll das Grundstück geräumt sein.

Einige Nachbarn, sagt Oliver Schlimmer, hätten ihm gesagt, dass sie öfter beim Ordnungsamt wegen des Gestanks angerufen hätten. Nie sei etwas passiert. „Ich habe bei den in Frage kommenden Ämtern – Ordnungsamt, untere Abfallwirtschaftsbehörde und Veterinäramt – nachgefragt. Dort liegen aus jüngster Zeit keine Beschwerden vor. Die, die bekannt sind, liegen über zehn Jahre zurück und stammen aus der Zeit, als dort noch eine kleine Schweinemast betrieben wurde“, sagt Stadtsprecherin Jeanette von Lanken auf Nachfrage dieser Zeitung. Der neue Eigentümer müsse seitens der Stadt übrigens keine Folgen fürchten. „Er hat gesagt, dass er Abhilfe schaffen will. Und das tut er ja wohl auch“, sagt von Lanken.

Bis Haus und Grundstück in die Idylle der II. Schnieringstraße passen werden, wird noch Zeit vergehen. „Ich habe den Nachbarn versprochen, dass es schön gemacht wird“, betont Schlimmer.

 
 

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