Open-Air im Wohngebiet steht vor der elften Auflage

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„Ein Open-Air im Wohngebiet – seid ihr verrückt?“ Diesen Satz hören Hendrik Myland und Sebastian Stockhausen vom Pfarrfestival nicht zum ersten Mal.

Schönebeck.  „Ein Open-Air im Wohngebiet – seid ihr verrückt?“ Diesen Satz hören Hendrik Myland (23) und Sebastian Stockhausen (25) vom Pfarrfestival nicht zum ersten Mal. Die beiden sitzen auf einer Bierbank auf der Pfarrwiese mitten in Schönebeck. Drumherum: Wohnhäuser, Bolzplatz, Kindergarten. Noch erinnert wenig an ein Konzertgelände für 600 Besucher. Aber bald, genauer gesagt am 5. September, spielen hier einen Tag lang neun Bands auf zwei Bühnen. „Wir verteilen vorher Infozettel und machen pünktlich Feierabend“, erklärt Hendrik. „Dann klappt das mit den Nachbarn. Viele kommen sogar vorbei und feiern mit.“

Kein Wunder – inzwischen kennen die Anwohner das Spektakel, das bereits zum elften Mal steigt. Getreu dem Motto „nach dem Festival ist vor dem Festival“ beginnen die Vorbereitungen ein Jahr vorher. Bands buchen, Programm planen, Werbung machen. Viel zu tun für das sechsköpfige Organisationsteam. Bei der Veranstaltung selbst packen 40 Helfer mit an – allesamt ehrenamtlich.

„Wir wachsen immer weiter“, erklärt Sebastian, der seit sechs Jahren dabei ist. „Mittlerweile haben wir zwei Bühnen und Bands aus aller Welt.“ So reisen im September „Free Throw“ aus den USA an, „Fights and Fires“ kommen aus Großbritannien. Das sah 2004 beim ersten Pfarrfestival noch anders aus. Auch damals organisiert von Jugendlichen für Jugendliche, aber mit lokalen Bands auf einer Holzbühne mit selbstgebasteltem Banner. Klein, aber fein.

Seitdem hat sich einiges getan. „Letztes Jahr haben wir groß unser 10-Jähriges gefeiert. Diesen Standard wollen wir halten“, erzählt Sebastian. „Aber noch größer geht nicht, das würden wir mit unseren Mitteln nicht schaffen. Schließlich setzen wir alles daran, für die Jugendlichen so günstig zu sein wie möglich.“ Dabei hilft der Förderverein der Gemeinde und eine Handvoll Sponsoren, die das Festival finanzieren.

Aber warum die Mühe? „Ich will jungen Menschen gute Bands präsentieren und Alternativen zum Mainstream bieten“, sagt Hendrik überzeugt. Und das hat sich etabliert. 100 Bands haben sich um einen Platz auf der Bühne beworben. Die Palette an Acts ist aber wohldurchdacht. „Uns ist wichtig, eine Mischung aus lokalen Newcomern und richtigen Hochkarätern zu zeigen.“ An der Spitze stehen in diesem Jahr „Liedfett“ aus Hamburg mit Cajon, Gitarre und Gesang und „The Fog Joggers“ – ein Krefelder Quartett, das den Song für die Bitburger-Werbung beigesteuert hat. „Und wir freuen uns, wenn Bands noch mal wiederkommen, weil es ihnen bei uns gut gefallen hat.“ So stehen u.a. die Essener Punkrocker „Omas Zwerge“ zum zweiten Mal hier auf der Bühne.

Neben der ganzen Arbeit gibt es aber auch schöne Momente. So viele, dass sich die beiden nicht einigen können. „Auf jeden Fall, wenn die 600-Besucher-Marke geknackt ist“, findet Hendrik. „Für mich ist es der letzte Kontrollgang vor dem Festival. Und dann das Tor zu öffnen für die ersten Besucher“, sagt Sebastian. „Aber genauso freue ich mich, wenn der letzte Gast gegangen ist und ich mir ein Feierabend-Bier aufmache.“

 
 

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