Neugier auf neues Übergangswohnheim in Altenessen

Rüdiger Hagenbucher
Diakonie-Mitarbeiter Andreas Niesar führte die Besucher durch die Räumlichkeiten des künftigen Übergangswohnheims an der Hülsenbruchstraße.
Diakonie-Mitarbeiter Andreas Niesar führte die Besucher durch die Räumlichkeiten des künftigen Übergangswohnheims an der Hülsenbruchstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Gut eine Woche vor Bezug des Übergangswohnheims an der Hülsenbruchstraße nutzten 200 Bürger, das umgebaute und renovierte Bürogebäude zu besichtigen.

Altenessen-Süd. Wie werden die Flüchtlinge wohnen, die in gut einer Woche die ehemalige Boecker-Verwaltung beziehen? Die Antwort auf diese Frage lockte rund 200 Bürger in die Hülsenbruchstraße in Altenessen-Süd. Nach Abschluss der Umbauarbeiten gab ihnen die Stadt die Gelegenheit, sich einen Eindruck von Essens künftig größtem Übergangswohnheim zu verschaffen.

Wohlwollen und Skepsis

Gisela Liedtke (71), die in der Nachbarschaft wohnt, zog ihr persönliches Fazit: „Wunderbar, wie es geworden ist. Ich hoffe aber, dass die Asylbewerber das auch in etwa zu würdigen wissen und dass es nicht in einigen Monaten aussieht wie bei Harry Hacke.“

Wohlwollen und Skepsis drücken sich in ihren Worten gleichermaßen aus, und diese Stimmung war schon lange vor Beginn der Führung zu spüren. In Gruppen standen die Menschen zusammen und diskutierten die Situation. Thomas Römer vom Amt für Soziales und Wohnen musste leicht schlucken, als er den Andrang sah. Um die Führung einigermaßen geordnet über die Bühne zu bringen, ließ er die Besucher in vier Gruppen durchs Haus gehen.

Was bekamen die Besucher zu sehen? Lange Gänge mit vielen leeren Räumen, die noch frisch nach Farbe rochen. Zum Teil sind sie mit Türen verbunden, damit große Familien sie gemeinsam nutzen können. Kleinere Familien können aber auch unter sich bleiben. Die Wäsche wird zentral in einem Raum gewaschen und getrocknet. Ein Dutzend Waschmaschinen steht bereit zur Installation. Die Küche ist ein zentraler Raum, ebenso die Toiletten.

Die neu eingebauten Duschen schützen die Intimsphäre: Jeder kann die Tür hinter sich schließen und ist für sich allein.

Frisch nach der Renovierung wirkt das Haus steril, zumal alle Wände strahlend weiß gestrichen sind. „Das wird alles dreckig, wenn erst die Kinder da sind“, prophezeite eine skeptische Besucherin. Eine andere erinnerte sich wohl an ihre eigene Flüchtlingsvergangenheit nach dem Krieg: „Wir haben früher in Trümmern gehaust.“

Wilfried John (64) stuft das Haus in die Kategorie „leicht gehobene Klasse“ ein: „Es ist auf jeden Fall schöner als im Opti-Park.“

Auf vermeintliche Baumängel machte Renate Büchtmann aus Altenessen-Süd aufmerksam: „Alle Fluchttüren gehen nach innen auf. Da hätte man nachbessern müssen.“ Als Verwalterin von mehreren hundert Eigentumswohnungen kenne sie sich damit aus: „Bei mir war die Feuerwehr pingeliger.“

Völlig andere Sorgen haben die Nachbarn, die gegenüber dem Wohnheim wohnen. „Die können uns künftig voll in die Fenster gucken. Man kann sich nicht mehr frei bewegen“, waren sie sich in der Ablehnung einig. „Und die Kinder werden dort eingepfercht und kommen auf schlechte Gedanken. Unsere Kinder können dann nicht mehr auf den Spielplatz gehen. Für solch ein großes Heim ist es hier viel zu eng.“

Angeblich bekämen die Flüchtlinge sogar 120 Euro im Monat, wenn sie ihren eigenen Müll wegräumten. Thomas Römer weist das zurück: „Wer die Sanitäranlagen und Gemeinschaftsräume reinigt, bekommt dafür 1,05 Euro die Stunde. Dann ist sein Tag strukturiert, und wir müssen keine Reinigungsfirma beauftragen.“