Kreuz aus Granit zum Gedenken an die „Unbedachten“ der Stadt

Pfarrer Gerd Belker (li.) weiht die neue Stele zum Gedenken an die „Unbedachten“ der Stadt auf dem Friedhof Am Hallo in Schonnebeck ein. Rechts im Bild: Bürgermeister Rudolf Jelinek.
Pfarrer Gerd Belker (li.) weiht die neue Stele zum Gedenken an die „Unbedachten“ der Stadt auf dem Friedhof Am Hallo in Schonnebeck ein. Rechts im Bild: Bürgermeister Rudolf Jelinek.
Foto: Kerstin Kokoska
Eine neue Stele erinnert auf dem Friedhof Am Hallo in Schonnebeck an anonym bestattete Menschen. Die Anteilnahme aus der Bevölkerung ist groß.

Essen-Schonnebeck..  Eine schmucklose Beerdigung ohne letztes Geleit, kein Grabstein, keine Trauerandacht, keine Blumen: Für die meisten Menschen ist das keine schöne Vorstellung. Für rund 6000 anonym Bestattete in Essen ist dies jedoch Realität geworden. Die Rede ist von den Unbedachten, den Abgehängten, den Verlierern der Gesellschaft oder manchmal ganz einfach den Einsamen. Eine Gedenkstele auf dem Friedhof Am Hallo in Schonnebeck soll an ihr trauriges Schicksal erinnern.

Die zu Lebzeiten Vergessenen nicht auch noch im Tode alleine lassen – hierfür kämpft Pfarrer Gerd Belker. Der 82-jährige Pastor im Ruhestand, bereits zu seinen aktiven Zeiten bekannt auch als kritischer Kirchenmann, aber vor allem als engagierter Macher, rief im Jahr 2008 spezielle Gedenkgottesdienste ins Leben. Das Ziel: Anonym Bestattete zurück in das Gedächtnis der Gemeinde holen, Trauern und Anteil nehmen.

Belker gelang es nun, eine seiner Visionen zu realisieren und das Gedenken an Unbedachte symbolisch auf dem Friedhof in Schonnebeck zu verankern – eine vom Bildhauer Axel Kalenborn geschaffene Stele lädt hier zum Erinnern ein. „Auf diese Weise können wir ein Zeichen setzen, über die Möglichkeiten der Gottesdienste hinaus“, freut sich Gerd Belker.

Steinkreuz soll ein Zeichen setzen

Stolz blickt Belker auf das rund zwei Meter hohe Werk aus griechischem und kubanischem Granit. Die Inschrift „Aus Gottes Hand in Gottes Hand“ hat für ihn nicht nur eine besondere Bedeutung, sie soll auch durch die Form der Stele zum Ausdruck kommen: „Die Stele öffnet sich nach oben hin, wie eine Hand.“ Es soll ganz klar sein: Die Unbedachten der Stadt werden nicht vergessen, auch wenn es nach außen hin so aussehen mag. „Sie haben, wie alle Menschen, eine Würde über den Tod hinaus, auch wenn aus verschiedenen Gründen niemand da war, der sich um die Beerdigung gekümmert hat.“

Auch der Standort der Stele ist symbolträchtig. Denn dahinter erhebt sich ein auf den ersten Blick unbewirtschaftet wirkender Hügel, gesäumt von alten Eichen. Hier befinden sich die anonymen Grabfelder. Es ist ohne Zweifel ein friedlicher Ort, der besonders im Sonnenlicht der frühen Morgenstunden seine Magie entfaltet.

Großer Zuspruch in der Bevölkerung

Wer dieses Grabfeld künftig aufsucht, passiert die neue Stele – das gilt auch für die Ordnungsbeamten, die im Auftrag der Stadt die anonymen Bestattungen durchführen. „Ich würde mir sehr wünschen, dass sie auf dem Weg zur Grabstelle mit der Urne hier einmal innehalten und gedenken“, sagt Gerd Belker.

Dass die Stele ausgerechnet auf dem Friedhof in Schonnebeck steht, ist ebenfalls kein Zufall. Lars Linder, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Essen, erklärt: „Hier in Schonnebeck sind fast alle anonymen Bestattungen durchgeführt worden. Daher befindet sich die Gedenkstele für alle Essener Unbedachten auf diesem Friedhof.“ Der Zuspruch der Bevölkerung und das Bedürfnis, um Unbedachte zu trauern, seien groß – bei den Gedenkgottesdiensten zähle man regelmäßig „mehr als 150 Besucher.“ Eine Anteilnahme, die sich viele der anonym Bestatteten sicher auch zu Lebzeiten gewünscht hätten.

Bürgermeister Rudolf Jelinek (SPD) fand im Rahmen der Einweihung der Stele wichtige Worte: „Lasst uns die Essener Bürger im Blick behalten, die am Rande der Gesellschaft stehen. Wir müssen aufmerksamer sein für die Menschen in unserem Umkreis.“

 
 

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