Karnaps Kultur blüht im Café Fee auf

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Karnap ist kulturlos und so ausgestorben wie der Nordfriedhof um Mitternacht? Von wegen: An jedem ersten Samstag im Monat gibt’s „Carnap Art“.

Karnap..  Karnap ist kulturlos und so ausgestorben wie der Nordfriedhof um Mitternacht? Von wegen: An jedem ersten Samstag im Monat geht im „Café Fee“ am Markt das Kultur-Projekt „Carnap Art“ über die Bühne. Zur fünften Auflage kamen mehr als 50 Gäste, um sich drei Stunde lang mit Musik und Text unterhalten zu lassen.

Bis zum letzten Stuhl ist das „Café Fee“ besetzt. Über den Köpfen der Zuschauer schwebt der Duft von Waffeln und Kaffee. Auf der improvisierten „Bühne“ intonieren gerade die „Honey Roses“ den Klassiker „White Christmas“, eines von zahlreichen Weihnachtsliedern des Tages. Kein Wunder, dass die letzte „Karnap Art“ des Jahres ganz im Zeichen des Weihnachtsfestes steht. „Diesmal steht Weihnachten im Mittelpunkt“, bemerkt Bernhard Pflugradt, nachdem er die Bühne verlassen hat. Die „Honey Roses“ sind ein Familienprojekt, Pflugradt sorgt für Gesang und Percussion, seine Frau Simone Stodiek für Gesang und Gitarre, Mutter Stodiek für die Backing-Vocals und Bruder Björn singt ebenfalls mit.

Das Ehepaar Stodiek/Pflugradt hat nicht nur die Idee der Veranstaltung aus der Taufe gehoben und organisiert den Treff Monat für Monat, die Beiden sorgen auch noch für einen Teil des Programms. Man kann schon sagen: Die Beiden sind Lokalpatrioten. Kein Wunder, dass sie bei jedem „Karnap Art“ ihren Auftritt mit der selbst komponierten Hymne „45329“ – der Postleitzahl Karnaps – beschließen. „Das ist die Erkennungsmelodie“, erläutert Pflugradt.

Schon seit längerem ging er mit der Idee schwanger, in Karnap eine regelmäßige Kulturveranstaltung zu installieren. Das Kulturnetzwerk Essen-Nord, in dem Altenessener unter der Anleitung von Bodo Roßner die Bühne entern, stand als Ideengeber Pate. „In Karnap gibt es viele Leute, die kreativ sind und etwas können. Die machen Musik, schreiben Gedichte oder betätigen sich sonst“, umreißt Pflugradt den offenen Rahmen. Schon bei der ersten Auflage musste er nicht lange nach Künstlern suchen. Und mit 80 Gästen – noch unter freiem Himmel – kamen richtig viele Karnaper zum Gucken.

Doch Geld wird hier nicht verdient, der Eintritt ist frei. Technik bringen die Organisatoren mit. Die Künstler, zum größten Teil aus Karnap, treten ohne Gage auf. „Aus Respekt ihnen gegenüber geben wir aber den Gästen die Gelegenheit, ihnen symbolisch ein Getränk, die Summe von 2,20 Euro für ein großes Bier, zu spendieren“, erläutert Pflugradt.

Schwamborn der Weihnachtsmann

Mindestens 2,20 Euro Gage hätte der Karnaper Ratsherr Michael Schwamborn an diesem Tag verdient gehabt. Als Weihnachtsmann erzählt er die Geschichte von Nikolaus’ Eselchen, dass dem Herrchen wegen leckerem Hafer von der Fahne geht aber, heimatlos geworden, reumütig ins Heu des Bärtigen zurückkehrt. Dass der EBB-Ratsherr damit allegorisch seinen eigenen politischen Werdegang betrachtet, er hatte die SPD vor mehr als zehn Jahren im Streit verlassen und war zur EBB gewechselt, und sich nun wieder bei den Genossen ins gemachte Bett aus Heu legt, fällt wohl unter die Kategorie Weihnachtsmärchen. Die „Carnap Art“ fällt ganz sicher nicht darunter: Damit hat das Ehepaar Stodiek/Pflugradt im Stadtteil etwas geschaffen – schließlich ist man in Karnap ja nicht ganz kulturlos.

 
 

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