Junge Feuerwehrmänner bestehen Mutprobe

Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Es war „nur“ eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr an der Stankeitstraße. Doch was die meist noch jungen Feuerwehr erlebten, war trotzdem heftig.

Altenessen.. Es war „nur“ eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr am Dienstagabend an der Stankeitstraße in Altenessen. Doch was die meist noch jungen Mitglieder der Löschgruppen Altenessen und Borbeck in der Ruine des alten „Möbelbahnhofs“ erlebten, war heftig. Deshalb stellt der Beobachter dieser Mutprobe auch respektvoll fest: „Test bestanden.“

Die alten Fabrik- und Lagergebäude stehen schon seit vielen Jahren leer und weichen in Kürze neuen Einfamilienhäusern. Die „Deutsche Reihenhaus“ als Bauträger hat sich auf eben solche alten Industriestandorte konzentriert. „Immer, wenn wir etwas Neues entwickeln, bietet wir das Gelände vor dem Abriss der Feuerwehr für eine Übung an“, erläutert Firmensprecher Achim Behn.

Die Löschgruppen 13 aus Borbeck und 14 aus Altenessen gingen auf das Angebot gerne ein. „Denn wann sonst können junge Feuerwehrleute schon einmal in solch einer Umgebung üben?“, fragte Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Er kennt den Möbelbahnhof schon seit vielen Jahren und kann ein Foto aus dem Jahr 2008 zeigen, als dichter Qualm aus dem Obergeschoss drang. „Das war ein Spielplatz für alle möglichen Menschen“, lacht er.

2008 hatte es hier richtig gebrannt

Gestern brannte es nicht wirklich, sondern es wurde angenommen, dass drei Personen aus dem brennenden Keller gerettet werden mussten. Gleichzeitig rief aber auch eine weitere Person in der ersten Etage um Hilfe. Während dieser Fall mit Hilfe eines Sprungkissens relativ unspektakulär über die Bühne ging, wartete auf die Blauröcke im Keller die echte Bewährungsprobe. Hier war es nicht nur stockdunkel, sondern zusätzlich auch noch verqualmt. „Um hier wieder herauszufinden, muss man sich am besten an den Wasserschläuchen orientieren“, erklärt Mike Filzen.

Bei einem tatsächlichen Brand hätten die Feuerwehrleute ihr Leben riskiert, um die Eingeschlossenen zu retten. Bei dieser Übung wurde hingegen die Hitze lediglich durch eine heiße Stahltür angedeutet. Löschgruppenführer Stefan Fink hatte sie mit einem Brenner erhitzt.

Gegen 20.30 Uhr waren dann die drei Dummys aus dem Keller gerettet, die beiden Löschgruppen konnten ihre Atemschutzmasken wieder absetzen und die Schläuche einrollen. Mike Filzens Fazit: „Die Nachbesprechung wird genauso wichtig wie die Übung selbst. Wenn alles klappen würde, brauchte man ja nicht zu üben.“

Löschgruppe Altenessen zeigt jetzt Gesicht(er) auf Facebook

Mit Oberfeuerwehrfrau Charlene „Channy“ Buchwald (22) machte die Freiwillige Feuerwehr Altenessen den Anfang: Sie stellt jetzt alle ihre Mitglieder in „Facebook“ vor. „Scheu dich nicht, dir den Dienst der Freiwilligen Feuerwehr mal anzuschauen, vor allem nicht als Frau“, wirbt sie seit Juli im Internet und vergisst auch den Hinweis nicht, dass sich dieses Ehrenamt im Lebenslauf ganz gut mache. . .

Auf die Idee ist Löschgruppenführer Stefan Fink gekommen: „Weil wir auf diesem Weg gute neue Anwärter akquirieren.“ Der Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht hat der Freiwilligen Wehr vor Jahren zu schaffen gemacht, weil sich seitdem keine jungen Männer mehr ersatzweise zum Dienst verpflichten.

Besser sei es nach Pfingststurm Ela geworden: „Seitdem haben wir einen guten Zulauf.“ Allerdings erreiche die Löschgruppe über Facebook „andere Schichten“. Stefan Fink: „So mancher Student hat den Weg zu uns gefunden.“ In der Jugendfeuerwehr gebe es nur wenige Abiturienten, dabei könne man z.B. Sicherheitstechniker oder Bau-Ingenieure gut gebrauchen.

Feuerwehrsprecher Mike Filzen hingegen ist von der Facebook-Aktion wenig angetan. Dass sich ein junger Mann dort selbst als „tollpatschiges aber arbeitsbereites Mitglied“ darstellt, stuft er als „semiprofessionelles“ Verhalten ein. Und das mag er gar nicht.

 
 

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