Hilfsbereitschaft für Frohnhauser Brandopfer ist enorm

Rita Berndt (72) will ihre Wohnung an der Straße Lohwiese 36 in Essen-Karnap an die Brandopfer aus Frohnhausen vermieten.
Rita Berndt (72) will ihre Wohnung an der Straße Lohwiese 36 in Essen-Karnap an die Brandopfer aus Frohnhausen vermieten.
Foto: FUNKE Foto Services
72-jährige Karnaperin bietet freie Wohnung in ihrem Haus kurzfristig obdachlosen Brandopfern zur Miete an. Hilfswelle schwappt weiter durch die Stadt.

Essen-Frohnhausen.. So verheerend der Brand des alten Fachwerkhauses an der Hamburger Straße vor elf Tagen war, der 16 Menschen obdachlos machte, so groß ist die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung. Das Netzwerk „Essen packt an“ verwaltet inzwischen fünf Lagerräume zwischen Katernberg, Bedingrade und Frohnhausen, vollgepackt mit Hilfsgütern. Den Vogel schießt jedoch Rita Berndt aus Karnap ab. Die 72-Jährige kündigt in einer E-Mail an unsere Zeitung an: „Ich möchte hiermit eine freie komplett eingerichtete Wohnung einem Brandopfer zur Verfügung stellen.“

Es ist die Wohnung ihrer verstorbenen Mutter, 60 Quadratmeter groß, 1. Etage, großer Balkon mit Blick ins Grüne. „Ich habe von der Not der Leute nach dem Brand in der Zeitung gelesen. Da melde ich mich doch, wenn ich jemandem eine Freude machen kann“, sagt die selbst schwer erkrankte Karnaperin.

Angst vor "Messi"

Die Wohnung bietet alles, um nach der Brand-Katastrophe wieder auf die Beine zu kommen: Von der Bettwäsche über Handtücher und Geschirrtöpfe bis hin zum Fernseher und Wanduhr – alles da.

Rita Berndt setzt darauf, dass der künftige Mitbewohner ihres Hauses an der Lohwiese vernünftig ist, ob es ein Alleinstehender oder ein Ehepaar ist. „Hauptsache, es sind Nichtraucher“, ist die einzige Bedingung der Spenderin. Die Miete beträgt 360 Euro kalt.

Die Wohnung ist derzeit ungenutzt, weil die Eigentümerin panische Angst vor einem „Messi“ hat, der ihr die Räume verwüstet und dann nicht auszieht. „Da lasse ich meine Wohnung lieber leer stehen.“ Oder bietet sie Brandopfern an.

1500 Euro an Spenden gesammelt

Die Vermittlung übernimmt auf Bitten der Redaktion Michaela Klaus, die Wirtin der Frohnhauser Gaststätte „Friesenstube“. Eine inzwischen alltägliche Übung für sie. „Denn jeden Tag kommen Leute und bieten Waschmaschinen oder Möbel an. Ich rufe dann sofort die Mieter an, die sich mit den Spendern in Verbindung setzen.“

Auch in ihrer Friesenstube geht es alles andere als nordisch-herb zu. „Eine Lotto-Gemeinschaft hat 1200 Euro gespendet“, erzählt Michaela Klaus. „Und dann kommt auch mal die Kegelbahn hoch und fragt nach den Spendendosen. Und schon ist wieder ein Zehner drin.“ 1500 Euro seien so bereits in bar eingegangen.

Lager bei den NRW-Piraten

Die Gruppe „Essen packt an“, die sich ebenfalls um weitere Hilfen kümmert, hatte gestern einen anstrengenden Tag. Piraten-Partei NRW hat ihr Lagerräume in der Kreuzkirchenstraße zur Verfügung gestellt. „Mit 25 Autos und zwei Lieferwagen wurden uns die Spenden gebracht“, berichtet Markus Pajonk, Sprecher des Bürger-Netzwerkes. Bei den Piraten bauten die „Anpacker“ Regale auf und sortierten die Sachen ein, damit im Bedarfsfall sofort die passenden Schuhe, Hemden oder Hosen gefunden werden.

Und was dann noch übrig bleibt, wird nicht weggeworfen, sondern in das „Charity-Regal“ gelegt. Hier im Café „Konsumreform“ an der Ecke Viehofer-/Kreuzkirchenstraße können Bedürftige für kleines Geld Second-Hand-Ware erwerben.

Der Brand hat also eine große Hilfsbereitschaft ausgelöst.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen