Doppelte Freude im inklusiven Café in Altendorf

Die Damenrunde beim inklusiven Frühstücks-Café.
Die Damenrunde beim inklusiven Frühstücks-Café.
Foto: Verena Camen
Die alten Damen haben ihr Frühstückscafé wieder. Und die Bedienungen, teils aus der GSE-Werkstatt, kommen in Kontakt mit anderen Menschen.

Essen-Altendorf.  Irmgard Feser nimmt einiges auf sich, um jeden Freitag pünktlich um 10 Uhr am Frühstückstisch in Altendorf zu sitzen. „Ich komme mit der Straßenbahn aus Haus-Berge“, erzählt die 82-Jährige. Dafür nimmt sie sogar einen Umweg über den Berliner Platz in Kauf: „Weil es bei Krupp zu kalt ist zum Umsteigen.“ Doch das Frühstück im Altendorfer Stadtteiltreff an der Kopernikusstraße ist es ihr ebenso wie wert wie Irmgard Bock (75). Sie kommt sogar schon seit 1999, um ein paar schöne Stunden mit Gleichgesinnten zu verbringen. Deshalb waren die betagten Damen auch so traurig, dass das Alterndorfer Frühstückscafé zwischenzeitlich eingestellt worden war. „Früher war es ein Projekt der Salzmannschule, die das Café über eine Schülerfirma im Stadtteil etabliert hatte. Doch als die Förderschule geschlossen wurde, war es auch mit dem Frühstückscafé vorbei“, erinnert sich Ricarda Fischer, Leiterin des Treffpunkts Altendorf.

Damit wollte sie sich aber nicht abfinden, sondern sprach Thorsten Hellwig an. Er ist stellv. Leiter des Hauses Rüselstraße des Diakoniewerkes Essen. Hier, nahe dem Niederfeldsee, wohnen Menschen mit Handicap, seien es kommunikative oder körperliche. Einige von ihnen arbeiten in der GSE-Werkstatt Am Funkturm in Holsterhausen. Und hier schließt sich der Kreis.

Denn für sie ist es eine willkommene Chance, eine Aufgabe zu bekommen, die sie mit anderen Menschen in Kontakt bringt. Die 21-jährige Angelina Duvenbeck ist jedenfalls begeistert: „Das macht richtig Spaß.“ Statt in der Verpackungs- und Montageabteilung ihrer Werkstatt zu arbeiten, darf sie jetzt Bestellungen aufnehmen, einkaufen gehen, das Frühstück zubereiten und dann auch servieren. Die GSE stellt sie dafür jeden Freitag von der Arbeit frei. „Ihr großer Wunsch ist es, einmal ein Praktikum auf dem freien Arbeitsmarkt zu bekommen“, fügt Heide Wagner vom Sozialen Dienst der GSE-Werkstatt hinzu. „Die Arbeit im Café fördert die Kompetenzen.“ Für sie als Sozialarbeiterin sei es auch wichtig, dass ihre Schützlinge Kontakt mit anderen Personen auf niederschwelliger Ebene bekommen: „Denn Menschen mit Handicap leben isoliert.“ Bleibt jedoch ein Hauptproblem: „Die Finanzierung des Cafébetriebs blieb unser Hauptproblem, da wir die Speisen und Getränke auch weiterhin quasi zum Selbstkostenpreis anbieten wollten“, erläutert Thorsten Hellwig. Deshalb kommt eine Spende des Gewinnsparvereins des Sparda-Bank West e. V. in Höhe von 1000 Euro genau passend.

„Wir freuen uns sehr darüber, mit dieser Spende den Betrieb dieses überaus förderungswürdigen Stadtteilprojekts für die nächsten zwei Jahre sichern zu können“, sagt Stefan Dunkel, Regionalleiter Essen. Irmgard Feser, Irmgard Bock und ihre Freundinnen wissen die Spende zu schätzen. Denn auch die Seniorinnen sind auf die sozialen Kontakte angewiesen. Deshalb sind sie umso mehr enttäuscht von einer langjährigen Mitbesucherin, wie am Frühstückstisch mit Entsetzen erzählt wird: „Sie hat gesagt, dass sie etwas gegen Ausländer und Behinderte hat. Und deshalb kommt sie nicht mehr.“

 
 

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