Bunter Bauwagen soll zum Treffpunkt im Viertel werden

Foto: Funke Foto Services
Ein Bauwagen im Garten der früheren Tiegelschule, in der Flüchtlinge untergebracht sind, soll zum Treffpunkt werden – für Flüchtlinge und Nachbarn.

Nordviertel..  Lange Zeit glich der Garten der ehemaligen Tiegelschule, in der knapp 200 Flüchtlinge untergebracht sind, einer Wildnis. Das hat sich grundlegend geändert.

Flüchtlinge und Nachbarn packten kräftig mit an, rodeten den Wildwuchs. Und nicht nur das. Ein bunt bemalter Bauwagen steht nun am Rande der Fläche. Er soll künftig für alle im Viertel als Anlaufstelle dienen. Ein Ort der Begegnung, den die Anneliese-Brost-Stiftung und Open Grid Europe, das den Wagen zur Verfügung stellte, erst ermöglichten.

Ridda Martini, Regionalleiter von European Homecare und damit der Gastgeber in der Tiegelschule, erinnerte der Bauwagen an Peter Lustig. „Was mich freuen würde, wäre, dass dieser Bauwagen für die Menschen, die jetzt hier wohnen, später eine schöne Erinnerung sein wird“, sagte der gebürtige Syrer. Die vielen Farben, die von vielen Menschen auf den Wagen gemalt worden sein, machten ihn einzigartig auf diesem Planeten und „vielleicht zu einem Anstoß, für alle, die denken, Eintönigkeit sei das Richtige“. Schulamtsleiterin Annette Berg betonte, dass die Herkunft nicht von vornherein den Schulabschluss bestimmen dürfe. Passgenaue Bildungs- und Unterstützungsangebote sollen für die Familien vor Ort, Flüchtlinge wie Einheimische, abgestimmt und umgesetzt werden. Die „Mobile Bildungsbaustelle“, wie der Bauwagen auch genannt wird, soll ein wichtiger Baustein bei der Förderung der Integration sein.

An dem Projekt sind viele Menschen beteiligt, Cathrin Zimmermann kommt aber die herausragende Rolle zu. Die 26-jährige Soziarbeiterin wird in den kommenden drei Jahren in 30-Stunden-Wochen den Bauwagen betreuen. Die Personalkosten trägt die Anneliese-Brost-Stiftung. „Es gibt keinen Masterplan. Mein Plan ist es, erst einmal mit allen in Kontakt zu kommen“, sagt Cathrin Zimmermann. Die Menschen müssten sich hier doch erst einmal zurechtfinden. Und dazu gehörten auch so alltägliche Sachen wie der Aufbau des deutschen Schulsystems oder die besonderen Verkehrsregeln. Dazu wird Cathrin Zimmermann oft vor Ort im und am Bauwagen sein. Zum anderen wird sie sich im Nordviertel fachlich mit Schulen, Kindergärten oder Trägern der Jugendhilfe austauschen.

In die niederschwellige Bildungsarbeit rund um den Bauwagen sollen auch immer Ehrenamtliche und Nachbarn einbezogen werden. Jeder aus dem Stadtteil sei willkommen, das Projekt mit Leben zu füllen.

Dass das Projekt „Mobile Bildungsbaustelle“ sich international versteht, war bei der Eröffnung am vergangenen Freitag unüberhörbar. Unter der Moderation der Stadtteil-Moderatorin Gaby Wittekopf hielten Bürgermeister Rudi Jelinek, Ridda Martini oder Dr. Gerd Mahler, der Nachbar, der die Gartenfläche von der Stadt pachtete, kurze Begrüßungsreden. Muttersprachler übersetzten sie ins Arabische, Alabanische und Persische.

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