Aufbruchstimmung in Altenessen

Reihe an Reihe saßen die zahlreichen Besucher der 3. Altenessener Stadtteilkonferenz in der Zeche Carl. Wer keinen Platz mehr fand, musste eben stehen.
Reihe an Reihe saßen die zahlreichen Besucher der 3. Altenessener Stadtteilkonferenz in der Zeche Carl. Wer keinen Platz mehr fand, musste eben stehen.
Foto: WAZ FotoPool
In Altenessen herrscht Aufbruchstimmung: Das ist spätestens nach der 3. Stadtteilkonferenz in der Zeche Carl mit rund 320 Gästen nicht zu übersehen. Planungsamtsleiter Ronald Graf referierte über die wichtigsten Bauprojekte. Auch hier scheint es voran zu gehen.

Essen-Altenessen..  Die Stadtteilkonferenz wird zur großen Klammer für zahlreiche Bürger in Altenessen. Rund 320 Besucher kamen am Sonntag zur dritten Auflage in die Zeche Carl und ließen keinen Zweifel, dass vor Ort Aufbruchstimmung aufkommt. Wohin der Stadtteil steuert, wie es um die wichtigen Bauprojekte in Altenessen steht, darüber informierte der Planungsamtsleiter Ronald Graf.

„Altenessen Süd-Karree“

Weit oben auf der Prioritätenliste in Altenessen steht natürlich das sensible Bahnhofsumfeld und die, jahrelang auf der Stelle getretene, neue Nutzung des gegenüber liegenden ehemaligen „Schweinemarktes“, der jetzt „Altenessen Süd-Karree“ heißt. Ein Mix aus Handel, Büros und Wohnen soll hier entstehen. Das sollte es früher auch schon, mit wenig Erfolg allerdings. Mittlerweile haben Verwaltung und Politik aber den Bebauungsplan überarbeitet, u.a. ist nun so genannter großer Einzelhandel erlaubt, also Konsumtempel wie sie etwa Real häufig baut. Das zieht scheinbar. „Wir haben vier Bewerber und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn davon nicht einer kauft und baut“, stellte Ronald Graf fest.

Auch eine weitere Brache aus der Altenessener Vergangenheit, der ehemalige Kutel-Milchhof am Palmbuschweg hinter der Einmündung Altenessener Straße, entwickle sich positiv. Die Stadt favorisiert Wohnbau, gleichwohl seien in der Vergangenheit alle Bewerber abgesprungen. Die Köln-Mindener-Bahn in der Nähe, Investitionen für Lärm- und Erschütterungsschutz, Abrisskosten, und nicht zuletzt die „hohe Gewinnerwartung des Eigentümers“ habe, so Graf, bislang Stillstand erzeugt. „Ein Interessent hat aber signalisiert, dass Bewegung in die Sache kommt“, berichtete Graf. Hat man sich geeinigt, wird es bis zum Bau noch dauern, ein neuer Bebauungsplan muss aufgestellt werden. Das dauert wohl ein bis zwei Jahre.

Eine ähnliche Entwicklung schilderte Graf für den ehemaligen Möbelbahnhof an der Stankeitstraße, direkt am Kaiserpark. „Dem Vernehmen nach“, so Graf, sei die Deutsche Reihenhaus AG einig mit den Eigentümern und wolle hier bauen. „Ich gehe davon aus, dass wir demnächst einen neuen Bebauungsplan aufstellen und den in rund eineinhalb Jahren abschließen können“, so Graf. Ist das aufwändige Verfahren durch, könnten Neu-Eigentümer bauen.

Wohnungsbaus statt Autohandel

Wohnungsbau favorisieren auch die städtischen Planer für das ehemalige Areal des Baustoffhandels „Westhoff + Frie“ an der Wickingstraße. Um den dortigen Autohandel zu unterbinden, hatte die Stadt einen Teil der Fläche gekauft. Auch hier muss man einen Bebauungsplan aufstellen, in zwei Jahren könne das Planungsrecht auf grün stehen. Ronald Graf: „Dann wird wahrscheinlich auch die Vermarktung starten.“

Auch die Marina am Rhein-Herne-Kanal stand auf der Tagesordnung. „Die Marina ist nicht tot“, unterstrich Planungsamtsleiter Ronald Graf und sprach damit das Großprojekt an, das in den Augen vieler Altenessener längst Schiffbruch erlitten hat. Das hat es aber scheinbar nicht. Zwar arbeitet die Investorengruppe – ob die Strabag nun beitritt ist wohl immer noch nicht ganz klar – derzeit noch an den Plänen und der Wirtschaftlichkeitsfrage. Doch das größte Hindernis sei ein anderes. „Es geht wohl nur noch um die Frage: Wohin mit dem Boden aus dem Hafenbecken?“, berichtete Graf. Der vorgesehene Ort ist das so genannte Karnaper „Schlammfeld“ an der Ruhrglasstraße. Das ist aber mit Schadstoffen schwer belastet, so dass sich nun verschiedene öffentliche Stellen, u.a. bei der Bezirksregierung, um die Zuständigkeiten stritten. „Das ist aber wohl bald geklärt“, sagt Graf.

Noch nicht so weit ist die ehemalige Kohlereserve der RAG an der Gladbecker Straße, Essens letzte Fläche für die Industrie. Vor 2015 werde die Stadt hier kaum mit Eigentümer oder Investoren einen Bebauungsplan entwickeln. Dann besteht Hoffnung auf ein Verkehrskonzept für den Norden. Trotzdem: Es herrscht Aufbruchstimmung in Altenessen.

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