65 Jahre Fotofreunde – gute Bilder gehen nicht in Rente

Foto: HJTWIEHAUS
Am 5. August 1951 trafen sich 16 Enthusiasten in der Gaststätte van Ofen und gründeten die Borbecker Fotofreunde. Ein gutes Bild ist zeitlos.

Borbeck..  Am 5. August 1951 trafen sich 16 Enthusiasten in der Gaststätte van Ofen am Fliegenbusch und gründeten die Borbecker Fotofreunde. Digital war noch ein Fremdwort. Welcher Film, welche Empfindlichkeit, Korn und Farbtreue und die Wahl des richtigen Labors bestimmten das Handwerk.

In gut drei Wochen jährt sich dieser Tag also zum 65. Mal. Ein Anlass, in Rente zu gehen, ist dies für den Club (nicht Verein!) keineswegs. Im Gegenteil. Die heute 25 Fotografinnen und Fotografen – der Jüngste ist Jahrgang 1971, der Älteste Jahrgang 1927 – treiben vielmehr wie schon vor 65 Jahren Fragen um wie: Was macht ein gutes Foto aus? Wieviel Kamera braucht der Mensch?

„Wir sind ein sehr aktiver Club“, sagt Günter Schneider. Der 74-Jährige schloss sich 1973 dem Club ab und ist damit zurzeit der dienstälteste Fotofreund in Borbeck. „Wir sind aber dazu auch noch erfolgreich“, betont Schneider. Erst kürzlich sei Clubmitglied Dagmar Petersohn der Titel AFIAP (Artiste de la Fédération Internationale de l’Art Photographique) zuerkannt worden, nachdem Thomas Ley schon den Ehrentitel Excellence FIAP in Silber verliehen bekommen hatte.

Der Übergang zur digitalen Technik ließ sich nicht aufhalten. Heute drehen sich die Gespräche um Sensoren, Speicherkarten, Megapixel und Software zur Bearbeitung und Archivierung. Und im Urlaubsgepäck nehmen Akkus, Ladegeräte und Speicherkarten den Platz der Filmdöschen ein. Mit den immens erweiterten technischen Möglichkeiten stieg die Anzahl der Aufnahmen sprunghaft. Löschen kann man ja immer noch… munkelt man jedenfalls.

„Früher hat man 30 Filme mit in den Urlaub genommen, hatte maximal 36 Aufnahmen pro Film und musste normalerweise nach der Rückkehr eine Woche warten, bis die Filme oder Dias entwickelt waren“, erinnert sich der 74-Jährige. Heute nehme man ein paar Speicherkarten mit und sehe die Ergebnisse sofort im Display.

„Wir können das Rad aber nicht wieder zurückdrehen“, weiß Günter Schneider, und es schwingt ein wenig Bedauern in seiner Stimme mit. Im Keller habe er zum Beispiel noch einen alten 6-mal-9-Vergrößerer, den er gern verkaufen würde, „aber den will heutzutage keiner mehr haben“.

Die Hälfte schon im Rentenalter

Die Möglichkeit, heutzutage Fotos am PC zu bearbeiten, sieht er auch zwiespältig. Zum einen entfalle die zeitaufwändige Arbeit in der Dunkelkammer. Zum anderen könne allerdings am PC manipuliert werden, was die Originaldatei und vor allem das Programm hergebe. „Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Ist das noch ein Foto? Ist das schon Kunst – oder kann das weg? Verfälschung? Irreführung? Ein völlig neues Produkt einer virtuellen Realität? Auch über diese Themen wird einmal wöchentlich an den Clubabenden durchaus kontrovers diskutiert“, sagt Hans-Wolfgang Ulrich (67), der seit sechs Jahren bei den Borbecker Fotofreunden dabei ist.

Dass eine teure Kamera gleichzeitig gute Fotos bedeutet, verweist Günter Schneider ins Reich der Märchen. „Früher war die Kamera nur ein Filmhalter. Heute ist die Kamera nur der Halter für eine Speicherkarte. Entscheidend ist der Mensch dahinter“, erklärt Günter Schneider.

Und von diesen Menschen in dem Club sei, das müsse er einräumen, die Hälfte schon im Rentenalter. „Es ist nicht leicht, junge Menschen für die Fotografie zu interessieren.“ Und das, obwohl sie doch alle heutzutage mit ihrem Handy fotografierten.“

Fotografieren mag in diesem Zusammenhang etwas hoch gegriffen sein. Das, was Jugendliche mit ihren Hochleistungshandys machen und dem, was die Borbecker Fotofreunde tun, liegen wohl doch Welten.

Dabei – so Hans-Wolfgang Ulrich – brauche man nicht viel zum Fotografieren. Eine Kamera. Freude am Fotografieren. Und natürlich allzeit gutes Licht…

Was ein gutes Foto ausmacht, liegt zum Großteil im Auge des Betrachters. Goldener Schnitt und Bildaufbau haben noch annähernd etwas, was objektiv beurteilt werden kann. Bei der Bildaussage sind allgemein-gültige Kriterien kaum noch zu finden.

Zumindest das hat sich in den vergangenen 65 Jahren nicht geändert.

 
 

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