Nichts für Rosinenpicker

Pascal Hesse
Foto: Kerstin Kokoska
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Essen.  Beim Strategieprozess „Essen.2030“ soll die ganze Stadt mitmachen. Erste Handlungsfelder wurden nun vorgestellt.

Ob mit lackierten Fingernägeln, Ar­beiterhänden oder denen von Kindern, Jugendlichen, Hausmännern, Wissenschaftlerinnen oder Senioren – bei „Essen.2030“ packen alle Bürger mit an. In der Theorie. Denn das ist die großen Hoffnung und zugleich Herausforderung, um die alle Akteure beim Strategieprozess „Essen.2030“ wissen. Was erst einmal ziemlich dröge klingt und sich wohl nicht jeder Bürger auf Anhieb vorstellen mag, nimmt allmählich Konturen an. In seiner jüngsten Sitzung definierte der Steuerungskreis um OB Reinhard Paß fünf übergreifende strategische Handlungsfelder, die es nun durch mit Leben und Projekten zu füllen gilt. Hier sei die ganze Stadtgesellschaft in der Pflicht.

Die Handlungsfelder sind: „Urbanität, Begegnung und Mobilität stärken“, „Zahl der Unternehmen und Arbeitsplätze steigern“, „Talente gewinnen, entwickeln und halten“, „Aktivierende Netzwerke und Stadt gestalten“ und „Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen, Generationen und Kulturen fördern“. Wer da die typische Geschäftsverteilung im Essener Rathaus vermisst – Planen, Bauen, Kultur, Umwelt, Personal, Finanzen, Soziales, Schule, Jugend und so weiter – ist nicht alleine. „Wenn wir einmal in diesem Prozess sind, müssten wir eigentlich die Organisation der Verwaltung komplett auf den Kopf stellen. Und die Geschäftsbereiche ganz anders zuschneiden“, betont Günter Berndmeyer, Leiter im Büro Stadtentwicklung, der dafür einen ziemlich verdutzen Blick seitens des Oberbürgermeisters erntet. Und seinen Gedanken flugs wieder einfängt: „Der Kompromiss wird sicherlich sein, dass wir alles so lassen wie es ist.“

Dass ein Paradigmenwechsel für die Standortdiskussion notwendig sei, sieht aber selbst Paß ein. Das gelte ebenfalls für die Wirtschaftsförderung. „Wir haben uns verabschiedet von einer klassischen Wirtschaftsförderung der Clusterförderung, die Rosinen pickt in einer Stadt“, so der OB. Eine urbane Stadt werde es in Zukunft, 2030, nur durch einer sehr breite Beteiligung ihrer Bürger und Akteure geben, sind sich die Verantwortlichen einig. In den nächsten Wochen und Monaten solle es daher „Hand in Hand“ weiter gehen – mit einem Beteiligungs-Bus, einer In­ternetseite für Zukunftsideen und vielem mehr. Infos: www.essen.de