Nicht von dieser Welt

Dagi Glassenapp im Garten des Dingerkus-Hauses.                                                                           Foto:Reiner Worm
Dagi Glassenapp im Garten des Dingerkus-Hauses. Foto:Reiner Worm
Foto: WAZ FotoPool

Werden.. Längs der Treppe zum Garten des Dingerkus-Hauses wachsen Phlox, Sonnenhut und Margeriten, Efeu klammert sich an die Bruchsteine. Der Sommerflieder blüht und lockt Schmetterlinge, der Buchsbaum hat mittlerweile eine ordnende Hand gespürt. Durch den ehemaligen Teich huscht ein Mäuschen, die Lilien sind bereits verblüht, die betagte Strauchrose lässt ihre Zweige wie Kasskaden über einen Korbstuhl fallen...

Und über allem steht das Dingerkus-Haus. Wie eine anmutige Burg im Miniaturformat thront es über einem verwunschenen Ort, der nicht von dieser Welt zu sein scheint - einem Ort, dem jetzt wieder Leben eingehaucht wird (wir berichteten). Vielen engagierten Bürgern sei Dank.

Der Freundeskreis „Gartenhaus Dingerkus“ hatte am Samstag geladen. An einen Ort, der jedwede Aufmerksamkeit zweifellos verdient hat und nun sanft aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden soll.

Eine der unermüdlichen Erweckerinnen ist Dagi Glasenapp. In den 1960er Jahren zog sie nach Werden in die Brandstorstraße, kann „von dort aus direkt auf das Haus und den Garten schauen“. Sie hat sich - wie die anderen Dingerkus-Freunde auch - viel mit der Historie beschäftigt. In einer kleinen Broschüre erfährt man, dass Marie Agnes, die Tochter von Johann Everhard Dingerkus, der den Bau des Gartenhauses um 1790 in Auftrag gegeben hatte, ein besonderes Verhältnis zu diesem Ort hatte. Dagi Glassenapp: „Wir wissen, dass hier ein üppigst wachsender Selbstversorger-Garten war.“

Ein Garten mit
barocker Anmutung

Um das Thema Selbstversorgung soll es auch gehen, wenn der Garten neu gestaltet wird. Landschaftsarchitekt Freddie Terfrüchte zeigt erste Pläne - und Garten-Fachfrau Dagi Glasenapp erläutert: „Es soll alles eine barocke Anmutung bekommen, denn wir wollen uns schon am Ursprung orientierten. Rabatten wird es geben, Kräuter sollen eine Rolle spielen. “ Dabei passiere fast täglich etwas Spannendes, denn „wir haben gerade einen neuen Weg entdeckt“, erzählt sie begeistert.

Noch viel Arbeit und Geld wird der Freundeskreis in dieses Projekt stecken müssen - doch die Begeisterung ist zu spüren - und sie ist ansteckend. Dagi Glasenapp: „Wir haben schon viele Stauden gespendet bekommen, können aber noch mehr gebrauchen.“ Und tatkräftige Unterstützer - „hier muss auch noch eine Menge gerodet werden“.

Auch Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann ist gekommen. „Ich entdecke momentan viel Neues im Essener Süden - das hier gehört dazu. Ich habe meiner Frau gerade die Rittergasse gezeigt. Die kannte sie noch nicht.“

Im Untergeschoss des Gartenhauses ist ein Kuchenbüfett aufgebaut. Kaffee gibt es auch. Kostenlos, Spenden werden mit Freude genommen. „Und die Johannisbeeren aus diesem Garten konnten direkt zum Backen genutzt werden“, sagt Dagi Glasenapp.

Im Obergeschoss des kleinen Hauses, das zur Folkwang-Universität gehört, verkauft Hanna Horst Kunstkarten. Die Werdener Malerin hat dem Dingerkus-Haus ein Gesicht gegeben - und gleich üppig rankenden roten Wein dazu gezaubert. Der soll auch irgendwann wieder dort wachsen - 2,50 Euro kostet eine Karte, der Erlös kommt selbstverständlich dem Freundeskreis zugute.

Wie passend. Direkt neben einem Portät des Johann Everhard Dingerkus, der Kanzleidirektor und somit höchster weltlicher Beamter der Abtei war, unterhalten sich zwei seiner Nachfahren. Michael Schneider und Otto Dingerkus sind Experten in Sachen Ahnenforschung. Dr. Otto Dingerkus erklärt, dass „Kus schlicht von Hus - also Haus - kommt, und ein Dinger ein Richter am Thing war, der germanischen Volks- und Gerichtsversammlung“. Juristen habe es in der Familie schon immer gegeben und zwar erstaunlich viele. Otto Dingerkus, der selbst aus Raubach in Rheinland-Pfalz stammt, ist zwar selbst Ingenieur, „aber seit dem 18. Jahrhundert sind Juristen in unserer Familie dominant“.

Die Mauer, die den Garten des Dingerkus-Hauses von der Brandstorstraße trennt, ist an diesem Samstag ein begehrter Aussichtsplatz. Die Werdener sind neugierig geworden - auf das, was dort unterhalb dieser Mauer entstehen wird.

Kunst und Kultur an einem historischen Ort. So wünscht es sich der Freundeskreis. Und tut alles dafür.

 
 

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