Neues Schwimmbad im Essener Nordviertel eröffnet

Draußen ist’s noch dunkel, drinnen tummeln sich Frühschwimmer und Neugierige: Am Montag um 6.30 Uhr öffnete das neue Bad am Thurmfeld im Essener Nordviertel.
Draußen ist’s noch dunkel, drinnen tummeln sich Frühschwimmer und Neugierige: Am Montag um 6.30 Uhr öffnete das neue Bad am Thurmfeld im Essener Nordviertel.
Foto: WAZ
Die ersten Neugierigen kamen schon eine halbe Stunde vor dem Start um 6.30 Uhr: Am Montag öffnete das neue Sportbad am Essener Thurmfeld erstmals.

Essen..  Fast drei Jahrzehnte ist es her, dass in Essen ein neues Schwimmbad eröffnet wurde: 1987 war es das Gildehofbad, das als Spaßbad pompös startete und bereits fünf Jahre später als „echter Reinfall“ endete – so titelte damals die Wochenzeitung Zeit. Insofern könnte man es als wohltuende Bescheidenheit begreifen, dass das neue Sportbad am Thurmfeld die ersten Badegäste am Montag ohne Tamtam begrüßte.

Um 6.30 Uhr öffnete man den Neubau im Nordviertel, ganz wie es zuletzt im Hauptbad üblich war. Aber anders als beim Hauptbad fanden sich die ersten Neugierigen hier schon im Stockfinsteren um sechs Uhr ein, begleitet von Regenfall und Fernsehkameras. Die Mitarbeiter öffneten den Wartenden die Türen, und Kurt Uhlendahl, Abteilungsleiter der Sport- und Bäderbetriebe, beglückte die ersten drei Gäste mit Geldwertkarten à 25 Euro.

Die erste Karte ging an Marcus Kalber (46), der sonst um diese Zeit schon auf dem Weg nach Düsseldorf ist, um 7.30 Uhr ist dort Dienstbeginn. „Aber in Essen wird ja nicht jeden Tag ein neues Bad eröffnet.“ Jüngst war er noch beim Abschwimmen im Hauptbad, wo bisher das Schwimmtraining seiner 14-jährigen Tochter stattfand. „Mit der Großzügigkeit und der Riesentribüne war das ein tolles Bad.“ Den Neubau lobt er immerhin als „Schmuckkästchen“, und die oft beklagte Randlage sieht er nicht: „Ich komme aus Frohnhausen und könnte sehr gut über die Radtrasse Rheinische Bahn hergelangen.“ Fahrradständer, das sei hinzugefügt, gibt es vor dem Bad genauso wie Parkplätze; die Uni-U-Bahnstation ist nicht weit, eine Bushaltestelle vor der Tür wird noch eingerichtet. Nur einen Wunsch hat Kalber noch: „Wenn das Bad auch am Wochenende geöffnet wäre, könnte man Radfahren und Schwimmen leicht verbinden.“

Das ist eine Idee, die Klaus Diekmann längst umtreibt. „Wir sollten mal darüber nachdenken, Samstag und Sonntag zumindest bis 14 Uhr zu öffnen, sofern keine Wettkämpfe sind“, sagt der Vorsitzende des Sportausschusses, der beim Start im neuen Bad vorbeischaut, so wie er eine Woche zuvor zum Abschied im Hauptbad kam. Dort war auch Taucher Wolfgang Kroheck, der nun im neuen Becken Bahnen zieht: „Klar, das ist hier hell und modern, aber ich bedauere, dass man nicht rechtzeitig ins Hauptbad investiert hat.“ Mit dem Bad sei er groß geworden, habe da alle Schwimmabzeichen gemacht und mit Wehmut Abschied genommen, sagt der 54-Jährige.

Nicht Wehmut, sondern Wettkampfgeist hat Cornelia Stratmann ins Thurmfeld mitgebracht: „Ich wollte die Erste im neuen Bad sein, das war mein Plan.“ Und der geht auf: Kein anderer beherrscht an diesem Morgen den Dreiklang Umziehen, Duschen, Kopfsprung so gut wie die 34 Jahre alte Lehrerin. Stammgast am Thurmfeld wird sie indes nicht werden: „Sonst gehe ich nie so früh morgens schwimmen.“

Auch die 12-jährige Hajar hätte gern länger geschlafen, schließlich sind noch bis Mittwoch Schulferien. Doch Schwester Khadija (9) und Mutter Almut Azzouzi, wollten sich den Hauptbad-Ersatz einmal ansehen und listen als Vereinssportler gleich Mängel auf: Die Tribüne etwa sei zu klein, der Sprungturm mit nur drei Metern zu niedrig. „Ich bin im Hauptbad vom 7,5 Meter gesprungen“, erzählt die Neunjährige.

Zur Trauergemeinschaft Hauptbad darf man auch Raimund Schuitz (59) zählen, der von der Architektur und der lichtdurchfluteten Halle schwärmt. Seine 1000 bis 3000 Meter schwimmt er normalerweise aber eh in Essens einzigem Hallenbad mit 50-Meter-Bahn in Rüttenscheid. „So schöne Duschen wie hier haben die allerdings nicht.“

Nicht nur die schönen Duschen werden ihre Fans finden, glaubt Schwimmeister Georg Schwiderski: „Heute kamen die Leute, die heiß drauf waren, das neue Bad sofort kennenzulernen. Jetzt spricht sich das ‘rum und weitere folgen.“ Es sollten Frühschwimmer sein.

77 Badegäste kamen am ersten Tag ins Thurmfeld-Bad

77 Badegäste zählte das neue Bad am Thurmfeld an seinem Premierentag. Allerdings beschränkte sich die Badezeit auch auf morgens 6.30 bis 10 Uhr, und das Wasser müssen die Schwimmer schon um 9.45 Uhr verlassen. So wird es in Zukunft von Montag bis Freitag bleiben; am Wochenende bleibt das Sportbad am Reckhammerweg/ Ecke Bottroper Straße für die Öffentlichkeit ganz geschlossen.

Regelmäßig bemängeln die Essener die rigiden und wenig kundenfreundlichen Öffnungszeiten in den hiesigen Bädern. So waren anfangs während der städtischen Betriebsferien am Jahresende sogar sämtliche Schwimmbäder geschlossen. 2013 erfüllte der damalige Oberbürgermeister Reinhard Paß den Wunsch vieler Bürger und ermöglichte eine Öffnung des Rüttenscheider Bades während der Weihnachtsferien.

Diese Sonderregelung hat sich bewährt und wird gut angenommen. In diesem Jahr zählte man in Rüttenscheid am Sonntag, 27. Dezember, 783 Badegäste, am Montag (28.12.) waren es 225, am Dienstag (29.12.) 625, am Mittwoch (30.12.) nochmal 630. Der eher schwache Wert am Montag lässt sich womöglich dadurch erklären, dass Rüttenscheid normalerweise montags geschlossen ist. Dafür kamen Samstag und Sonntag, 2. und 3. Januar, noch einmal 753 bzw. 873 Badegäste.

Dass ein Badeangebot in den Ferien gut angenommen wird, zeigte auch das Abschwimmen im Hauptbad von 28. bis 30. Dezember: Montags kamen 304 Badegäste, dienstags 484 und mittwochs 683.

 
 

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