Neues RWE-Buch: 111 Gründe, Rot-Weiss Essen zu lieben

Marcus Schymiczek
RW'E feiern Vereinslegende August Gottschalk, Kapitän der Meistermannschaft von 1955.
RW'E feiern Vereinslegende August Gottschalk, Kapitän der Meistermannschaft von 1955.
Foto: WAZ FotoPool
  • Uwe Strootmann, RWE-Fan und Blogger hat ein Buch über seinen Verein geschrieben.
  • Strootmann würdigt nicht nur Legenden wie Rahn, Melches und Lippens.
  • Er gibt Einblicke in die Fanseele und beschreibt, was RWE ausmacht.

Essen. Nein, der RWE macht es einem nicht leicht. Aber das weiß jeder, der es mit dem Traditionsverein von der Hafenstraße hält. Dort werden sie in dieser Seuchensaison das Abstiegsgespenst wohl noch einmal verjagen. Der Schreck sitzt tief in den Gliedern. Warum um Himmelswillen haben sie ihr Herz nur an diesen Verein verloren, werden sich viele wieder einmal fragen?

Auch Uwe Strootmann, den RWE-Fans bekannt als Autor des Internet-Blogs „Im Schatten der Tribüne“ und seit Jahrzehnten infiziert mit dem Virus RWE, hat sich diese Frage gestellt. Oder besser: Sie ist ihm gestellt worden, von einem Verlag. Eingefallen sind ihm „111 Gründe, Rot-Weiss Essen zu lieben“, so der Titel seines Buches, das in diesen Tagen im Handel erschienen ist, und das zu lesen sich sehr lohnt.

Strootmann in Höchstform, wenn er über das Abseitige schreibt

Uwe Strootmann, Jahrgang 1966, ist ein begeisterter Fußballfan, na klar. Keiner von der Sorte, die fachsimpeln über die falsche Neun, über Raute oder Doppelsechs, sondern einer, der sich erwärmt für das Drumherum. Für das, was sich abseits des Platzes abspielt, vor, während und nach den 90 Minuten, die nichts bedeuten und für Fans doch alles sind. Natürlich schreibt Strootmann über Helmut Rahn, den Helden von Bern 1954 und bringt es auf den kurzen Nenner: „Ohne RWE kein Rahn, ohne Rahn kein Weltmeister.“ Die Helden von der Hafenstraße, sie dürfen nicht fehlen, kein Rahn, kein Melches, kein Lippens, kein Hrubesch. Alles gute Gründe, RWE zu lieben.

Einem Autor mag es das leichter machen. Strootmann läuft aber immer dann zur Höchstform auf, wenn er über das Abseitige schreibt. Über die großen Augen der Damen am Bratwurstgrill beim Zwiebelcup in Rödinghausen, als ihnen ein Ordnungshüter weiß machen will, mit den RWE-Fans würden die Hunnen einfallen, was sich nicht bewahrheitet. Oder über seine persönliche und ganz unerwartete Begegnung mit Willi Lippens, der ihn spontan um ein Selfie bittet. „Es könnte aber auch andersherum gewesen sein.“

Der Beginn einer langen Freundschaft

Und natürlich schreibt er über Träume und Hoffnungen, die gefühlt an der Hafenstraße öfter enttäuscht werden als in jedem anderen Stadion dieser Welt. Jede Saison aufs Neue spürten es Fans schon nach wenigen Spieltagen, schreibt Strootmann: „Das wird wieder nichts.“ Und doch kommen sie wieder. Warum? Es ist diese kollektive Fähigkeit zu Leiden und den Glauben doch nicht zu verlieren. Warum auch immer.

Als Leser mag einem zuweilen Kultautor Nick Hornby einfallen, Fan des FC Arsenal schon als dessen Kicker anderen noch rustikal den Rasen zertrampelten und sich auf selbigem weniger filigran bewegten als heute Mezut Özil, ironischerweise ein Rot-Weißer. Auch RWE-Fans fällt es schwer loszulassen. Ausgestattet mit einer feinen Beobachtungsgabe findet Strootmann, der im Berufsleben mit Behinderten arbeitet, dafür einfühlsame Worte.

Apropos: Sein Buch hat er Peter gewidmet, einem Freund aus dem Pott, der ihn, den gebürtigen Nordhorner, Anfang der 1980er-Jahre zum ersten Mal mitnahm nach Essen an die Hafenstraße. Es war der Beginn einer langen Freundschaft. Peter ist gegangen, viel zu früh.

RWE ist kein Verein, der Titel sammelt. Und doch drücken viele dem Verein die Daumen. Fans zum Fremdschämen sind darunter, Randalierer und solche mit rechter Gesinnung. Aber da sind die vielen anderen, die mit Herz und Tiefgang. Typen wie Uwe Strootmann. Es wäre der 112. Grund.

Das Buch: 111 Gründe, Rot-Weiss Essen zu lieben. Eine Liebeserklärung an den großartigsten Fußballverein der Welt. (ISBN 978-3-86265-554-0). 9,99 Euro. Der Autor: Uwe Strootmann, geboren 1966, aufgewachsen und wohnhaft in Nordhorn. Seit 2006 Blogger auf „Im Schatten der Tribüne“.