Neues Großasyl in Essen: „Asyl-Straße“ mit Stadt, Land, Bund

Mit frischen Farben werden die schlichten Modul-Bauten auf dem Kutel-Gelände in Essen-Fischlaken aufgehübscht. Wo jetzt noch der Bagger arbeitet, soll Platz für Bänke und Begegnung entstehen.
Mit frischen Farben werden die schlichten Modul-Bauten auf dem Kutel-Gelände in Essen-Fischlaken aufgehübscht. Wo jetzt noch der Bagger arbeitet, soll Platz für Bänke und Begegnung entstehen.
Foto: Essen
Im Januar wird das Großasyl des Landes in Essen eröffnet. Nun sah sich eine Delegation der Grünen die Einrichtung an, die neue Maßstäbe setzen soll.

Essen.. Der gläserne Empfangsbereich, der ein freundliches Willkommen symbolisieren soll, steht schon, der Gitterzaun ist noch nicht geschlossen. Bis am 4. Januar das Großasyl mit 800 Plätzen auf dem Kutel-Gelände in Essen-Fischlaken eröffnet wird, soll die Balance zwischen Sicherheitsbedürfnis und Wohlfühlen gefunden sein. Eine Delegation der Grünen machte sich jetzt ein Bild von der „Einrichtung neuen Typs“, die im Auftrag des Landes gebaut wird und neue Maßstäbe setzen soll.

Tatsächlich sprechen die Grünen anschließend von einem „Riesenfortschritt“ bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Angesichts der aktuellen Lage gehen sie allerdings nicht davon aus, dass das Großasyl auch wie geplant arbeiten kann.

Großer Pluspunkt in Fischlaken sollte nämlich sein, dass alle wichtigen Behörden dort vertreten sind: Das städtische Ausländeramt, die Bezirksregierung und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sitzen in drei benachbarten und mit einander verbundenen Gebäudetrakten und bilden eine „Asyl-Straße“. Jeder Bewohner sollte sie während seines maximal dreimonatigen Aufenthalts durchlaufen; also registriert werden, einen Asylantrag stellen und schließlich auch schon die Entscheidung darüber erhalten.

Büros sind fertig - wann kommen die Mitarbeiter?

Das sei keine bloße Formalie, betont der Chef der Grünen Landtagsfraktion, Mehrdad Mostofizadeh, der in Essen lebt und den Baustellenbesuch angestoßen hat. „Wenn Stadt, Land, Bund verzahnt arbeiten, müssen traumatisierte Flüchtlinge nicht ewig im Ungewissen leben, sondern erfahren schnell, wie es weitergeht.“ Mit der flüchtlingspolitischen Sprecherin seiner Fraktion, Monika Düker, sowie mit Grünen Lokalpolitikern geht Mostofizadeh an diesem Morgen die Asyl-Straße ab: Die Büros sind bezugsfertig, die Warteräume warten schon. Die Schalter der Stadt sind mit Plexiglas als „Spuckschutz“ ausgestattet, der Empfang des BAMF mit einer schusssicheren Scheibe.

An vielen Bürotüren sind bereits die Schilder „Entscheider“ angebracht, doch ob alle 50 BAMF-Mitarbeiter pünktlich im Januar eintreffen werden, ist ungewiss. Das Bundesamt kämpft bekanntlich mit Personalmangel und Überlastung. Die Idee, dass die Flüchtlinge das Großasyl als anerkannte (oder abgelehnte) Asylbewerber verlassen, hält Düker daher im Moment für verwegen. „Sie werden registriert sein und bestenfalls den Asylantrag gestellt haben.“ Im Vergleich zur jetzigen Lage sei auch das ein Fortschritt. „Noch werden die Leute zur Registrierung in Bussen über Land gefahren.“

Spielplatz und Mensa

Als echten Quantensprung sieht sie die Ausstattung des Heimes: Wo andernorts Feldbetten in Turnhallen aufgestellt werden, habe man hier ein ansprechendes Raumkonzept mit Zwei- und Vierbettzimmern; jedem Bewohner stehen sechs Quadratmeter zur Verfügung. Es gibt eine Fußbodenheizung, abschließbare Duschkabinen und eine Teeküche auf jeder Etage. Kein Luxus, aber wer die Sanitärcontainer und die Heizgebläse in den Zeltdörfern kennt, gibt Düker recht.

Die Modulbauten sind außen farblich aufgehübscht, innen sorgt ein Farb-System für Orientierung. Es wird Gemeinschaftsräume und einen Spielplatz geben sowie eine Mensa mit 400 Plätzen. Dass hier noch eine Großküche entsteht, die die Einrichtung von angeliefertem Essen unabhängig macht, hat die Bauarbeiten etwas verzögert: Ursprünglich wollte man im Dezember starten. Mit einer Bauzeit von unter einem Jahr liegt man dennoch sehr gut. Man merke, meint Monika Düker, dass die Einrichtung noch geplant wurde, „bevor das ganze Land in Krisenmodus geriet“.

 
 

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