Neue Initiative betont: „Wir sind keine Bürgerwehr“

Gerd Niewerth
Drei „Bürger mit Courage“ (v.l.): Egbert Besler, Benedict Cervik und Christine Raschke. Wer in der Initiative mitmachen will, muss eine Art „Unbedenklichkeitserklärung“ unterschreiben.
Drei „Bürger mit Courage“ (v.l.): Egbert Besler, Benedict Cervik und Christine Raschke. Wer in der Initiative mitmachen will, muss eine Art „Unbedenklichkeitserklärung“ unterschreiben.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Die Aktion „Bürger mit Courage“ verweist auf die Zusammenarbeit mit der Polizei
  • Von Waffen, Alkohol und Radikalen in ihren Reihen wollen die Gründer nichts wissen
  • Wer mitmachen will, muss ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen

Essen. Sie tragen kleine Ausweise mit ihren Namen und gelbe Sticker, auf denen gut lesbar steht: „Essen hat Bürger mit Courage“ – ein halbes Dutzend Männer und Frauen, die diese Stadt ein bisschen sicherer machen wollen.

Beim Ortstermin an einem Sonntagmorgen im Frohnhauser Gervinuspark betont Egbert Besler, der Sprecher der Initiative, mehrfach: „Wir sind keine Bürgerwehr und auch kein Sicherheitsdienst für öffentliche Straßen.“ Die neue Gruppe bestehe aus engagierten Helfern, „die nicht zögern werden, Menschen in Not zu helfen“, fügt er präzisierend hinzu. Ihr Vorbild seien die „Guardian Angels“, die Schutzengel in den USA.

Unmittelbar nach den schockierenden Silvester-Übergriffen in Köln schienen so genannte „Bürgerwehren“ in deutschen Großstädten wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Doch in Wirklichkeit war dies nicht mehr als ein Strohfeuer. Vielen dieser Spontan-Bürgerwehren, so auch der Gruppe „Wir für Essen“, haftete das Image an, sich auch aus der Hooligan- und Neonazi-Szene zu rekrutieren.

Zulauf hält sich in Grenzen

Damit keinerlei Zweifel an der Rechtschaffenheit ihrer Mitglieder aufkommen, haben die „Bürger mit Courage“ hohe Hürden aufgebaut. So muss jedes neue Mitglied eine Art „Unbedenklichkeits-Erklärung“ unterzeichnen. Darin steht zum Beispiel, dass man keiner rechts- oder linksradikalen Partei angehört, vor und während der Aktionen weder Alkohol noch Drogen zu sich nimmt und keine Waffen mit sich führt. „Außerdem lassen wir uns ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen“, fügt Besler hinzu.

Einige Wochen nach der Gründung im Frühjahr hält sich der Zulauf noch in Grenzen. An zwei mehrstündigen Rundgängen in den Quartieren Gervinuspark und Bockmühle haben jeweils sieben Aktivisten teilgenommen. „Unser Ziel bleibt aber, mehrere solcher Gruppen im gesamten Stadtgebiet ins Leben zu rufen“, betont Egbert Besler.

Wichtig ist den „Bürgern mit Courage“ die Zusammenarbeit mit der Polizei. Deshalb kündigen sie ihre Stadtteil-Rundgänge im jeweiligen Polizeirevier an, außerdem wollen sie der Wache danach einen Bericht senden, der auf besondere Vorkommnisse und Probleme hinweist. Insbesondere in der wachsenden Zahl von Diebstählen und der Zunahme von Gewaltdelikten sehen sie ihre Daseinsberechtigung. „Wir gucken genau hin und sehen mehr“, sagt Besler, „die Polizei kann ja nicht überall sein“.

Vom Präsidium wird bestätigt, dass die Bürger mit Courage die Polizei kontaktieren würden. „Wir begrüßen bürgerschaftliches Engagement, lehnen Bürgerwehren aber kategorisch ab“, erklärt ein Polizeisprecher.