Nahverkehrsgesellschaft „Via“ macht auf halber Strecke halt

Die Nahverkehrs-Kooperation „Via“ kommt nicht voran.
Die Nahverkehrs-Kooperation „Via“ kommt nicht voran.
Foto: WAZ FotoPool
Die gemeinsame Nahverkehrsgesellschaft von Essen, Mülheim und Duisburg soll es in ihrer heutigen Form bald nicht mehr geben. Lightversion ab 2016?

Mülheim/Essen/Duisburg. Nächste Ausfahrt „Via“: Im fünften Jahr nach ihrer Gründung steht die gemeinsame Verkehrsgesellschaft der drei Ruhrgebietstädte Essen, Mülheim und Duisburg in ihrer bisherigen Form vor der Abwicklung. Angedacht ist eine abgespeckte Variante unter dem Arbeitstitel „Via neu“.

Was dem Aufsichtsrat der Essener Verkehrs-AG (Evag) jüngst als eine von mehreren denkbaren Variante präsentiert wurde, gilt unter den politischen Entscheider als ausgemachte Sache. „Via ist in der Praxis gescheitert“, formuliert ein Aufsichtsrat. Allein aus Rücksicht auf die Partner in Duisburg und Mülheim sei es nicht zu einem Beschluss gekommen, heißt es. Denn deren Gremien kommen erst zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Zuständigkeiten bleiben unklar

Aus Essener Sicht scheint die Sache hingegen klar: Auf dem Weg zu einem integrierten Verkehrsunternehmen ist „Via“ auf halber Strecke liegen geblieben, über das bisher Erreichte wird die Kooperation nicht mehr hinausgehen. Daraus gilt es Konsequenzen zu ziehen. Die da lauten: Jene Unternehmensteile, die bislang sehr wohl erfolgreich zusammengeführt wurden, sollen unter dem Dach von „Via neu“ vereint werden. Ausdrücklich genannt werden die Abteilungen Bahninfrastruktur, Einkauf sowie mit Abstrichen der Vertrieb und das Immobilien-Management.

Der Fahrbetrieb hingegen, das Herzstück, eines jeden Verkehrsbetriebes, verbliebe bei der jeweiligen Muttergesellschaft.

Insbesondere beim Thema Personalmanagement war „Via“ zuletzt keinen Meter weiter gekommen. Zuständigkeiten bleiben bis heute unklar, heißt es kritisch in einem internen Papier. De facto habe „Via“ bei der Steuerung des Fahrbetriebes „keinen Einfluss“.

Hausmacht nicht aufgeben

Die Ursache reicht zurück bis in die Geburtsstunden von „Via“ und darf als Kinderkrankheit bezeichnet werden. Damals hatten sich die Gründungsväter darauf verständigt, das Personal bei den drei kommunalen Verkehrsgesellschaften zu belassen, statt es in „Via“ zu überführen.

Dies habe dem Wunsch der Arbeitnehmerseite gehorcht, an allen drei Unternehmensstandorten mit starken Betriebsräten vertreten zu sein. Nur zogen die offenbar nicht immer an einem Strang. Verklausuliert ist von einer „intransparenten Mitbestimmungsstruktur“ die Rede und von „Zielkonflikten“. Wer daheim mehrere hundert Bus- und Bahnfahrer hinter sich weiß, verfügt über eine Hausmacht, die kein Gewerkschafter so einfach aufgibt.

„Niemand will Via ganz kaputt machen“

Auch auf Arbeitgeberseite fahren sie auf unterschiedlichen Gleisen. Dass die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) ihr Personal-Management der Duisburger Holdinggesellschaft DVV übertragen hat und eben nicht „Via“, macht aus Evag-Sicht eine strategische Personalplanung praktisch unmöglich.

„Niemand will Via ganz kaputt machen“, betont ein Mitglied des Evag-Aufsichtsrates. Warum auch? Schließlich werden durch Kooperation jedes Jahr 6,5 Millionen Euro eingespart. Bis zum Jahr 2020 sollten es 13,5 Millionen Euro pro Jahr sein. Daraus wird wohl nichts. Denn „Via neu“ soll nicht mehr sein ein als ein Dienstleister der drei Muttergesellschaften, nicht mit gemeinsamer, sondern mit eigener Geschäftsführung. Sofern weder Kartell- und noch Vergaberecht dagegen sprechen, könnte es 2016 soweit sein. Evag, DVG, und MVG blieben bestehen, nicht als bloße Hülle – eine Rolle die ihnen aus steuerrechtlichen Gründen zugedacht war – sondern als selbstständige Unternehmen. Dafür fehlte aller Lippenbekenntnisse zum Trotz der politische Wille.

 
 

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