Nah am Badewasser gebaut

Noch ist der „Wohnpark Nöggerathbad“ in Teilen eine Baustelle. Demnächst werden die letzten beiden Grundstücke für fünf Doppelhäuser vermarktet.
Noch ist der „Wohnpark Nöggerathbad“ in Teilen eine Baustelle. Demnächst werden die letzten beiden Grundstücke für fünf Doppelhäuser vermarktet.
Foto: woki
Zehn Jahre, nachdem im Freibad West der Stöpsel gezogen wurde, stehen die letzten Grundstücke zum Verkauf. Am Ende bleibt eine gute Bilanz und ein schlechtes Gewissen.

Essen.. Da vorne stand die Rutsche fürs Nichtschwimmerbecken, weiter hinten gab es Eis am Stil und matschige Pommes in der Schale, und den S-Bahn-Fahrplan hatte man sommers – dank regelmäßiger Beschallung der vorbeifahrenden Züge – nach ein paar Besuchen intus. Aber was wissen schon die Kinder, die sich hier gerade eine Schneeballschlacht liefern, von dem bunten Treiben früherer Jahre zwischen Bahndamm und Nöggerathstraße.

Hier stand das Freibad West („Nögge“), das jüngste reine Freibad der Stadt – ein echter 68er, dem keine große Zukunft beschieden war: Bereits im Jahr 2000 wurde das beliebte Bad im Zuge der Spardebatte stillgelegt. Wohnen statt Wasserspiele lautete fortan die Devise, und dass dies leichter gesagt war als getan, zeigt die Tatsache, dass erst in diesen Tagen die letzten beiden Baugrundstücke für insgesamt fünf Doppelhäuser ausgeschrieben werden.

Kein wirklich hohes Tempo

Der letzte Vermarktungs-Abschnitt neun Jahre nach dem ersten – das kann man nicht wirklich hohes Tempo nennen, das räumen alle Beteiligten ein. Und doch zeigt man sich bei der Stadt zufrieden mit der Bilanz. Denn anders als sonst so oft, hat man am Ende das bekommen, was einst bestellt wurde: ein kinderfreundliches Wohnquartier für Familien mit geringem oder mittlerem Einkommen, exakt 99 Einfamilienhäuser, Geld für den schwindsüchtigen Etat.

51 der 99 Häuser errichteten Bauträger, 38 dagegen Häuslebauer, denen vor allem die CDU damals gerne mehr Angebote gemacht hätte, in Essen zu bleiben, die „wachsende Stadt“ im Blick, als man den Slogan noch gar nicht nutzte, oder wenigstens: die „nicht schrumpfende Stadt“.

[kein Linktext vorhanden] „Es lief im Anfang ziemlich schleppend“

Doch auf die Schnelle ging da gar nichts: Noch zwei Jahre nach dem Beschluss, den Stöpsel zu ziehen, standen die alten Becken, der Bebauungsplan wurde 2004 rechtskräftig und die Vermarktung zum Geduldsspiel: „Es lief im Anfang ziemlich schleppend“, räumt Stefan Schwarz vom Amt für Stadterneuerung und Bodenordnung ein, aber das sei kein Wunder gewesen: Es brauchte mutige Investoren, die den ersten Schritt machten.

Die Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord gehörte dazu, Spaete-Bau, der Allbau – und als die Mondlandschaft sich langsam zur Siedlung verwandelte, klappte es auch mit den Nachbarn. Die letzten zehn Häuslekäufer sollen anno 2013 an Bauträger gehen.

Den höchsten Preis zahlten Stadt und Bürger

Die Erlöse liegen nach den Worten von Udo Smuzcinski von den Sport- und Bäderbetrieben bei rund 5,8 Millionen Euro, geschmälert um Bergschadensverzichte, Baureifmachung und das Investment in den Spielplatz. Dass die Erlöse ein Außenbecken an der „Oase“ finanzierten, die seit 2010 ebenfalls Geschichte ist, dass man nicht groß investierte, sondern Lücken im Sport-Etat stopfen half – das hatte kaum einer kommen sehen.

Den höchsten Preis aber, das geben mittlerweile auch die einstigen Schließungs-Befürworter zu, zahlten die Stadt und ihre Bürger, indem sie das Freibad an der Nöggerathstraße überhaupt dicht machten. Wohnbau hätte man andernorts umsetzen können, heißt es mit schlechtem gewissen: „Das Bad hätte überleben müssen.“ Zu spät.

 
 

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