Nach Unfalltod: Neon-Fahrräder warnen Autofahrer vor Gefahr

Michael Mücke
In Duisburg – wie hier an der Kruppstraße – hat die Stadt bereits die ersten roten Fahrräder aufgestellt, die vor erhöhter Unfallgefahr warnen. In Essen setzen sich Fahrradverbände dafür ein, dem Duisburger Beispiel zu folgen.
In Duisburg – wie hier an der Kruppstraße – hat die Stadt bereits die ersten roten Fahrräder aufgestellt, die vor erhöhter Unfallgefahr warnen. In Essen setzen sich Fahrradverbände dafür ein, dem Duisburger Beispiel zu folgen.
Foto: Stadt Duisburg
  • Die Fahrradinitiative Efi, der ADFC und die Verkehrswacht befürworten das Projekt
  • Warn-Fahrräder sollen Autofahrer und Radler zu erhöhter Vorsicht bewegen
  • Fahrradclub ADFC will bei der Auswahl der Gefahrenstellen helfen

Essen. Nach dem tragischen Fahrradunfall am Bismarckplatz wollen die Essener Fahrradverbände eine bisher einzigartige Sicherheitskampagne anstoßen. Grell rot und orange angespritzte Fahrräder sollen künftig an besonders riskanten Kreuzungen aufgestellt werden und jedem Verkehrsteilnehmer signalisieren: Achtung – hier droht Gefahr für Radfahrer.

Diesen Vorschlag wollen die Essener Fahrrad-Initiative (Efi) und der Fahrradclub ADFC der Stadt unterbreiten. Sie verweisen auf ein Pilotprojekt in Duisburg, das diese bisher größten Warnsymbole im Straßenverkehr bereits anwendet. Auch die Essener Verkehrswacht hat sich jetzt dafür ausgesprochen. Efi-Sprecher Rolf Fliß, gleichzeitig Vorsitzender des Verkehrsausschusses, will in der Sitzung des städtischen Arbeitskreises Radverkehr am kommenden Dienstag den Stein ins Rollen bringen.

Warnung vor Unfallschwerpunkten

In Duisburg stehen seit kurzem drei dieser neonfarbenen Warn-Fahrräder, weitere sollen nach Aussagen des Rathauses folgen. Initiiert wurde die Aktion von der Verkehrssicherheitskampagne „Duisburg. aber sicher!“, der sich u,a, die Stadt und die Polizei angeschlossen haben. Die auffällig angemalten Fahrräder warnen vor Unfallschwerpunkten mit vielen Einmündungen, toten Winkeln (bei Rechtsabbiegern) und gegenläufigen Radwegen.

Jörg Brinkmann, Vorsitzender des ADFC in Essen, ist von dieser Initiative in Duisburg begeistert. „Das ist eine Super-Sache. Das sollte unsere Stadt hier auch machen.“ Er bietet dem Rathaus seine Hilfe bei der Auswahl in Frage kommender Gefahrenstellen an. „Die können wir selbst benennen. Davon gibt es leider genug in Essen.“

Als aktuelle Beispiele nennt er die noch nicht entschärfte Querung des Radweges „Rheinische Bahn“ am Berthold-Beitz-Boulevard (dort wird später eine Brücke gebaut) und die sehr unübersichtliche Kreuzung an der Wuppertaler Straße/Ruhrallee/Frankenallee in Rellinghausen.

Wechselseitigen Sensibilisierung

Efi-Sprecher Rolf Fliß hält die Kreuzung Hindenburg-/Bismarck-/Kruppstraße für besonders riskant, weil auf dem langen freien Rechtsabbieger die Gefahr besteht, dass die Autofahrer mehr auf den Verkehr von links achten und übersehen, was von rechts kommt. Auf der Kreuzung kollidierte am 31. August eine 53-jährige Radfahrerin mit einem Pkw, sie erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen – die Ermittlungen dauern an. Dort steht jetzt ein Fahrrad als Mahnmal, weiß angemalt und aufgestellt von Fahrradaktivisten.

Für die nun vorgeschlagenen roten Warn-Fahrräder könnte auch die Unfallkommission geeignete Standorte finden, berichtet Rolf Fliß. Er hofft, mit dieser Aktion „zu einer wechselseitigen Sensibilisierung beizutragen“, damit Auto- und Radfahrer an diesen Stellen besonders aufpassen und vorsichtig fahren.

Genau diesen Effekt erhofft sich auch Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Essener Verkehrswacht. Die Warnräder wären „ eine wirklich gutes Projekt für Essen.“ Bei der Standortsuche müsse aber sichergestellt werden, dass die Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr abgelenkt werden und die Sichtachsen frei bleiben.