Nach Terroranschlag: Sikh-Prozession in Essen verlegt

Jörg Maibaum
Polizisten vor einem Gebetshaus von Sikhs im Essener Nordviertel.
Polizisten vor einem Gebetshaus von Sikhs im Essener Nordviertel.
Foto: dpa
  • Aus Sicherheitsgründen wurde geplante Groß-Prozession der Sikh-Gemeinde verlegt
  • Statt zum Kennedyplatz geht es am Samstag zur zentralen Veranstaltung zum Stadion Essen
  • Polizei nahm zwei Bekannte der mutmaßlichen Terroristen zwischenzeitlich in Gewahrsam

Essen. Auch wenn der Polizei nach dem Terrorakt gegen den Sikh-Tempel am vergangenen Samstag nach eigener Aussage keine konkreten Hinweise auf eine mögliche weitere Bedrohung vorliegen, so gilt für die Behörden dennoch nach wie vor die höchste Alarmstufe.

Ein klares Indiz dafür: Aus Sicherheitsgründen wurde die für den Samstag geplante Groß-Prozession der indischen Glaubensgemeinschaft von der Bersonstraße im Nordviertel zum Kennedyplatz in der Innenstadt abgesagt. Die zentrale Veranstaltung wird nach einem Zug durch die Gemeinde nun am Stadion an der Hafenstraße stattfinden. Dies bestätigte Polizeisprecher Lars Lindemann am Freitag auf Nachfrage.

Deutlich mehr Polizei bei Sikh-Prozession

Auf den neuen, weniger zentralen Ort hatten sich Vertreter der Sikhs und der Stadt bei einem Gespräch mit dem Polizeipräsidenten in der Nacht zum Freitag geeinigt. „Das Stadionumfeld“, so Lindemann, „ist für uns leichter im Auge zu behalten als der Kennedyplatz.“

Nachdem den Ermittlern klar geworden war, dass es sich bei dem Bombenanschlag offenbar um eine islamistisch motivierte Tat handelte, habe die Behörde ihr Einsatzkonzept für die Sikh-Prozession den neuen Erkenntnissen angepasst. „Wir werden deshalb deutlich mehr Polizisten im Einsatz haben als zunächst geplant“, sagte Lindemann. Bevor der Sprengsatz an der Bersonstraße hochgegangen war, ist die Behörde noch davon ausgegangen, sich bei der Sikh-Prozession auf ein paar verkehrslenkende Maßnahmen beschränken zu können.

16-Jährige sitzen in Untersuchungshaft

Doch die Sicht der Dinge ist inzwischen eine komplett andere, seitdem die beiden 16-jährigen Yusuf T. und Mohammed B. aus Gelsenkirchen unter dem Verdacht des versuchten Mordes in Tateinheit mit einer Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, so Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens, in Untersuchungshaft sitzen. Mohammed B. ist der Polizei seit längerer Zeit bekannt und nach Informationen dieser Zeitung im Programm für jugendliche Intensivtäter.

Im Zusammenhang mit dem Terroranschlag haben die Ermittler am Donnerstagabend zwei weitere Jugendliche festgenommen. Es handelt sich um Bekannte der beiden mutmaßlichen Terroristen. Eine Beteiligung an dem Anschlag sei ihnen nicht nachzuweisen gewesen. Man habe ihnen aber klar gemacht, dass die Ermittler sie im Auge behalten werden.

Nach wie vor ist unklar, warum sich die beiden Jugendlichen ausgerechnet den Sikh-Tempel als Anschlagsziel aussuchten. Vielleicht hatten sie einen Auftraggeber. Die Suche nach möglichen Hintermännern geht weiter.