Nach Prügelvorwürfen lud Polizei Kritiker ins Präsidium ein

Philipp Wahl
Der Ort des hektischen Polizeieinsatzes in der Essener City: Die Polizisten schlugen vor der Diskothek „Musikpalette“ (links) an der Ecke Schwarze Meer/II. Dellbrügge am 6. Juli auf der rechten Straßenseite zu.
Der Ort des hektischen Polizeieinsatzes in der Essener City: Die Polizisten schlugen vor der Diskothek „Musikpalette“ (links) an der Ecke Schwarze Meer/II. Dellbrügge am 6. Juli auf der rechten Straßenseite zu.
Foto: WAZ FotoPool
Weiterhin stehen die Vorwürfe im Raum, Essener Polizisten hätten bei einem Einsatz auf einen Mann eingeschlagen. Ein Video des Einsatzes kursiert bei Facebook. Die Polizei äußerte sich bislang nicht dazu, verweist auf laufende Ermittlungen. Das Präsidium lud nun Kritiker in die Polizeischule ein.

Essen. Das Essener Polizeipräsidium äußert sich weiterhin nicht zu den Prügelvorwürfen gegen Polizisten der City-Wache und verweist auf die laufenden Ermittlungen. Auf deren Grundlage muss die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleitet. Am 6. Juli hatten vor der Diskothek „Musikpalette“ streitende, mitunter betrunkene Männer die Polizisten beleidigt und attackiert. Bei der Festnahme von vier Beteiligten schlugen Beamte auf einen Mann, der sich wehren oder losreißen wollte, mehrmals ein – auch dann noch, als dieser eine Abwehrhaltung eingenommen hatte. Diesen kritischen Moment zeigt ein im Internet veröffentlichtes Video.

Der hunderttausendfach angeklickte Clip löste auch auf der Seite der Polizei Essen/Mülheim im sozialen Netzwerk Facebook eine Diskussion unter Nutzern aus. Dass Polizeipräsidentin Stephania Fischer-Weinsziehr den Vorfall und die Kritik vieler Bürger nach dem unaufgeklärten Vorfall anscheinend sehr ernst nimmt, verdeutlicht eine Aktion der Pressestelle: Die lud am Mittwoch 20 Facebook-Nutzer, die sich an der Diskussion auf der Seite der Behörde beteiligt hatten, in die Polizeischule ein.

Besucher verfolgten Schieß- und Konflikttraining der Polizei

„Zwar konnten wir ihnen zu dem kontrovers diskutierten Einsatz selbstverständlich nichts zu den laufenden Ermittlungen sagen“, versichert Polizeisprecher Peter Elke. „Es war uns aber wichtig, sich der Diskussion zu stellen und den Leuten zu zeigen, wie eine Festnahme abzulaufen hat und mit welchen brenzligen Situationen die Kollegen oft konfrontiert sind.“

Bei der Diskussions- und Informationsrunde, an der Journalisten nicht teilnehmen durften, verfolgten die Besucher darum ein Schieß- und Konflikttraining. Die Gäste durften zudem miterleben, wie Beamten aus dem Streifendienst Festnahmen mit Handfesseln und dem sogenannten Mehrzweckstock übten – „und dazu auch kritische Fragen stellen“, so Elke. Womit die Polizisten am Morgen des 6. Juli zugeschlagen haben, ist auf dem Video mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Zu den Bildern betont Elke: Das Video zeige nur einen Ausschnitt des Einsatzes.