Nach Massenschlägereien in Roma-Familie – Angeklagte im Gericht verhaftet

Die drei Angeklagten und ihre Verteidiger am Mittwoch vor dem Landgericht Essen.
Die drei Angeklagten und ihre Verteidiger am Mittwoch vor dem Landgericht Essen.
Foto: Knut Vahlensieck / FUNKE Foto Service
Nach der Massenschlägerei vom Sonntag hat die Polizei den Prozess um einen Streit in einem Roma-Clan bewacht. Ein Brandanschlag in Essen-Kray schlug 2014 fehl.

Essen/Solingen. Bewaffnete Polizisten stehen im und vor dem Gericht, Justizwachtmeister mit kugelsicheren Westen sichern den Prozess vor dem Landgericht Essen im Inneren. Die Staatsgewalt lässt keinen Zweifel aufkommen, dass es in der Verhandlung gegen drei Mitglieder einer Solinger Roma-Familie am Dienstag ruhig zu bleiben hat. Am Ende des ersten Prozesstages ließ die 7. Strafkammer die drei Angeklagten dann wegen Verdunkelungsgefahr verhaften: Sie sollen ihrem Opfer Zygmunt G. 30.000 Euro geboten haben, damit er beim Prozess nicht aussagt. Als G. das ablehnte, sollte der Mann entführt werden: Dieses Vorhaben eskalierte dann in der Massenschlägerei, bei der am Sonntag rund 100 Angehörige im Essener Stadtpark und vor dem Uni-Klinikum aufeinander losgegangen waren.

Beim Prozessauftakt dagegen blieb es ruhig. Das soll am 22. Februar 2014 ganz anders gewesen sein, als die Brüder Richard (46) und Markus G. (32) in Kray an der Hubertstraße auftauchten. Laut Anklage war es zwar ein Verwandtenbesuch, unter anderem bei der Schwiegermutter von Richard G., aber eher einer der üblen Art.

Mit Baseballschläger und Spiritus

Vorangegangen sei eine telefonische Bitte. Richard G. soll den Cousin seiner Schwiegermutter, Zygmunt G., um ein Darlehen über 2000 Euro gebeten haben. Der lehnte ab, Richard G. soll ihn bedroht haben: “Dann mache ich dich tot.”

Gegen 23.30 Uhr sollen die Angeklagten in einem Kia vor dem Haus der Verwandtschaft gestoppt haben. Weil diese einen Angriff fürchtete und die Rollladen heruntergelassen hatte, sollen die Angeklagten zunächst mit einem Baseballschläger Löcher in die Rollladen geschlagen und in die Öffnungen Spiritus geschüttet haben. Ihr Versuch, ein Feuer zu entzünden, schlug laut Anklage allerdings fehl.

Enkel sollen Großmutter geboxt und mit Pfefferspray attackiert haben

Darauf hätten sie die Haustür aufgebrochen und seien auf den Cousin Zygmunt G. gestoßen. Mit dem Baseballschläger hätten sie dem 62-Jährigen viermal auf den Kopf geschlagen. Auch die Schwiegermutter, immerhin auch Großmutter von Teilen des Solinger Zweigs, soll von ihren Enkeln ins Gesicht geboxt und mit Pfefferspray besprüht worden sein. Schließlich hätten die drei Angeklagten, darunter auch Enkel Christian G. (24), Spiritus auf den Teppich geschüttet. Der Versuch, die Flüssigkeit zu entzünden, misslang erneut. Der Markus G. zugeschriebene Satz “Ich verbrenne euch, ich bringe euch um”, blieb somit eine leere Drohung. Danach flüchteten die Täter.

Zur Sache schweigen die Angeklagten. Das 62 Jahre alte Opfer Zygmunt G. sagt dagegen aus und bestätigt die Anklage im Grunde. Er war mittags aus dem Krankenhaus gekommen, wo er nach der Schlägerei am Sonntag behandelt worden war.

Dass die Tat vom 22. Februar 2014 tatsächlich wegen 2000 Euro ausgelöst wurde, lässt sich kaum glauben. Auch nicht, dass dies der Grund für die Massenschlägerei am Sonntag war. Gerüchteweise ist zu hören, dass es dabei um die geplante Entführung von Zygmunt G. gegangen sein soll, weil dieser darauf beharrte, im Essener Prozess auszusagen.

 
 

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