Nach Leerzug des Flüchtlingsdorfes suchen Helfer neue Ziele

Anna Bartmann-Hill (links) und Brigitte Castillo-Hernandez, Presbyterin und Gastgeberin, trafen sich am Runden Tisch in der Friedenskirche Dellwig. Thema war die leerstehende Asylantenunterkunft an der Levinstraße.
Anna Bartmann-Hill (links) und Brigitte Castillo-Hernandez, Presbyterin und Gastgeberin, trafen sich am Runden Tisch in der Friedenskirche Dellwig. Thema war die leerstehende Asylantenunterkunft an der Levinstraße.
Foto: Knut Vahlensieck
Ein Jahr lang kümmerten sich Ehrenamtliche um die Flüchtlinge von der Levinstraße. Jetzt zogen sie ein Resümee und besprachen neue Aufgaben

Essen-Dellwig.  Am Mittwoch sollen die Abbauarbeiten des Zeltdorfes für Flüchtlinge an der Levinstraße beginnen, leer steht es schon seit Anfang Oktober. Damit ist auch der örtliche Runde Tisch überflüssig geworden, an dem sich geschätzt um die 90 Dellwiger engagierten. Bei einem letzten Treff in der Friedenskirche schauten die Ehrenamtlichen zurück. Doch überflüssig wird Hilfe für Flüchtlinge im Großraum Borbeck ganz und gar nicht. Für engagierte Helfer geht es weiter.

„Nein, wehmütig ist mir nicht zu Mute. Trotzdem war das Gemeinschaftsgefühl, das beim Einsetzen für eine gemeinsame Sache entstanden ist, sehr schön“, resümiert Anna Bartmann-Hill, Sprecherin des Runden Tisches Dellwig. „Es sind auch im Stadtteil und unter der evangelischen, der katholischen und der freikirchlichen Gemeinde sowie verschiedenen Einrichtungen und Vereine viele Kontakte entstanden“, kommentiert sie auf Anfrage dieser Zeitung.

Etwas über 30 Mitglieder des – nun ehemaligen – Runden Tisches konnte sie beim Abschlusstreffen in der Friedenskirche begrüßen. Die und die weiteren Mitstreiter des Runden Tisches hatten seit der Gründung im Mai 2016 viel bewegt – angesichts der sehr kontroversen Bürgerversammlung in der Kirche St. Michael vor der Einrichtung des Dorfes vor fast genau einem Jahr eine höchst positive Entwicklung. In insgesamt fünf Gruppen – Kinder, Jugend, Frauen, Männer und Sprachhilfe – hatten die Ehrenamtlichen die Aktivitäten aufgeteilt.

Und viele Flüchtlinge ansprechen können. Mehrfach in der Woche wurde mit jungen Erwachsenen und Männern im Zeltdorf Fußball gespielt. Die insgesamt drei großen Treffen mit vielen geflüchteten Frauen sind jetzt schon legendär, weil auf jede Dame mindestens drei Kinder kamen. 35 Kinder gingen in die Ferienschule im Gemeindeheim St. Michael. Zusammen mit der örtlichen Awo-Kita schickte man eine Gruppe trommelnder Kinder zum Weltkindertags-Fest auf den Borbecker St. Dionysius-Kirchplatz. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Marc Krüger, Schulleiter der Kraienbruch-Grundschule, war extra vorbeigekommen, um sich für die Unterstützung in Sachen Sprachförderung durch den Runden Tisch zu bedanken.

Doch was kommt jetzt? „Die Aktivitäten werden sich sicher weiter um die Sprachförderung für Kinder und Jugendliche drehen. Wir haben Anfragen u.a. aus der Gesamtschule Borbeck für verschiedene Zweigstellen. Außerdem gibt es großen Bedarf bei der Begleitung und Unterstützung von Flüchtlingen bei Amtsgängen und vielem mehr“, schaut Anna Bartmann-Hill voraus. Auch werde darüber nachgedacht, die Kräfte im Großraum Borbeck zu bündeln. So wird der Runde Tisch für die Walter-Pleitgen-Schule in Frintrop ebenfalls bald „arbeitslos“, die Schule wird leergezogen. Langweilig wird es für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in Zukunft sicher nicht.

Weitere Schließungen

Im Norden werden bis Ende 2016 die Unterkünfte Tiegelschule/Nordviertel und Walter-Pleitgen-Schule/Frintrop leer gezogen. Anfang 2017 soll eine neue Einrichtung an der Catho-straße/Bergeborbeck in Betrieb gehen.


Kontakt zu den Ehrenamtlichen in Dellwig bekommt man per E-Mail: rtd2016@t-online.de

 
 

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