Nach dem Sturm packen in Essen täglich noch 500 Freiwillige an

„Essen packt an“ in Frohnhausen: An der Kita Schwedenheim waren über ein Dutzend Helfer am Dienstag und Mittwoch im Einsatz. Dort waren der Spielplatz und Freiflächen von Astwerk überdeckt.
„Essen packt an“ in Frohnhausen: An der Kita Schwedenheim waren über ein Dutzend Helfer am Dienstag und Mittwoch im Einsatz. Dort waren der Spielplatz und Freiflächen von Astwerk überdeckt.
Foto: WAZ FotoPool
Freiwillige Helfer räumen in Essen nach dem Sturm auf: Damit die vielen Helfer der Facebook-Gruppe „Essen packt an“ effizient eingesetzt werden, gibt es jetzt ein Planungsteam. 40 Helfer gehören dem Leitungsorgan an. Den Trupps fehlen oft Werkzeuge, Zubehör für Motorsägen wie Ketten, Sprit und Öl.

Essen. Die gröbsten Schäden sind beseitigt und der Verkehr fließt längst wieder ungehindert durch die Stadt. Trotzdem denkt die furios gestartete Sponti-Initiative „Essen packt an“ nicht daran, Äxte und Sägen aus der Hand zu legen. Im Gegenteil: „Obwohl seit dem Pfingst-Unwetter schon mehr als zwei Wochen vergangen sind, packen jeden Tag 500 bis 600 Leute an“, berichtet Tobias Becker, Mit-Initiator dieser ungewöhnlichen und erfolgreichen Bürgerinitiative.

Bald 4500 Essener haben sich schon in der Facebook-Seite „Essen packt an“ eingetragen. Doch wie wird so viel Hilfsbereitschaft an die richtige Adresse geleitet? Wie werden Nachfrage und Angebot sinnvoll zusammengefügt? Um ein heilloses Durcheinander unter den Helfern zu vermeiden, blieb den „Anpackern“ nichts anderes übrig, als eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen. „Zu den 40 Organisatoren gehören auch die Sprecher der einzelnen Teams“, so Becker. Und fügt hinzu: „Natürlich ist bei uns viel Gutmenschentum unterwegs, aber ‘gut gemeint’ bedeutet nicht zwangsläufig ‘gut gemacht’.“

Mangelnder Respekt bei Anwohnern

Die meisten Teams heißen so wie ihre Straßen und Stadtteile, einige tragen pfiffige Künstlernamen wie „Baumschuppser“, „Überall“ und „Rüttenscheid übergreifend“.

Es ist Mittwochmittag und das Team „Bürgermeister“ packt heute an der Kita „Schwedenheim“ am Westpark an, wo Spielplatz und Freiflächen von einem riesigen Berg an Astwerk befreit werden wollen. „Wir sind hier seit Dienstag im Einsatz“, sagt Teamsprecher Sascha Keller. Wir – das ist eine beeindruckende Kolonne von 15 Leuten, darunter zwei Arbeitslose, ein selbstständiger Hausmeister, ein Messebauer, der eigentlich Urlaub hat, und Berufstätige, die nach Feierabend fürs Gemeinwohl rackern. Neben Sprit, Öl und Ersatzketten für die „ausgelaugten“ fehle ihnen manchmal: der Respekt der Anwohner. Keller: „Kaum haben wir das rot-weiße Flatterband gezogen, wird’s schon wieder weggerissen.“ Und Vanessa fügt verbittert hinzu: „Manchmal lachen sie uns sogar aus.“

Gemeinsames Anpacken führte zur Liebe

Doch zum Glück überwiegen Anerkennung und Lob. Ein Mitarbeiter von „Grün & Gruga“ schaut bei den „Anpackern“ in Frohnhausen vorbei, klopft ihnen auf die Schulter und sagt: „Die sind eine große Hilfe für uns.“ Ebenfalls erfreulich: die Spenden. Baumärkte verteilen Äxte, Sägen und Handschuhe, Getränkemärkte verschenken kistenweise Selters, Tankstellen geben Sprit und Pizzerien ein warmes Mahl.

Hin und wieder menschelt es auch unter den Katastrophenhelfern. „Zwei von uns sind übers Mitanpacken ein Liebespaar geworden“, lächelt Tobias Becker. Und wo packt das Team „Bürgermeister“ am Donnerstag an? „Wir haben eigentlich frei“, erwidern sie. Aber das könne sich schnell ändern...

 
 

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