Essen

Nach Anne-Will-Auftritt: So kämpft Kassiererin aus Essen-Altendorf gegen unfaire Job-Bedingungen

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  • Maurike Maaßen hat sich bei Anne Will mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz angelegt
  • Sie fordert: Jobs sollen vernünftig bezahlt werden
  • Die toughe Gewerkschafterin hat für ihren Auftritt viel positives Feedback bekommen

Essen. Wenn Maurike Maaßen mit der Straßenbahn fährt, dauert es meist nur ein paar Minuten, bis sie jemand anspricht: „Ich hab Sie im Fernsehen gesehen“. Und dann fängt die Diskussion an: Über schlechte Politik, über miese Gehälter, über Ungerechtigkeit.

Ungerechtigkeit: Das ist Maurike Maaßens ganz persönliches Thema. Deshalb war sie zu Gast im ARD-Talk von Anne Will. Deshalb hat sie dort vor laufenden Kameras den Mann herausgefordert, der mal Deutschlands mächtigster Politiker werden will: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz.

„Manche nennen Altendorf einen sozialen Brennpunkt“

Maaßen ist Kassiererin in einem Supermarkt in Essen-Altendorf. Ein paar Straßen weiter wohnt sie in einer Dachgeschosswohnung zusammen mit ihrem Mann. „Manche nennen das hier ja einen sozialen Brennpunkt. Ich sehe das eigentlich nicht so. Ich mag die Menschen hier, das ist halt ein buntes Viertel“, sagt sie, während wir in ihrem Wohnzimmer sitzen.

Maurike Maaßen ist eine energische Frau: Ihr Händedruck ist fest, ihre Sprache direkt. Seit Jahren engagiert sie sich im Betriebsrat, ist bei Verdi aktiv. Maurike Maaßen ist eine Kämpferin. „Bin ich von Natur aus. Ich hab irgendwann gemerkt, dass ich keine Angst habe. Und eine große Schnauze“, sagt sie und lacht.

Der einzige Luxus: Die Dauerkarte vom Gelsenkirchener Zoo

Knapp 1.100 Euro netto verdient sie in ihrem Job pro Monat. Der einzige Luxus, den sie sich gönnt: Die Dauerkarte vom Gelsenkirchener Zoo.

Dabei sei der Stundenlohn, den sie als Kassiererin verdiene, gar nicht so schlecht. Aber: Sie kann nur in Teilzeit arbeiten. „Ich würde total gerne Vollzeit arbeiten, aber solche Stellen gibt es in der Branche so gut wie gar nicht“, erklärt sie.

So gehe es vielen ihrer Kollegen. Und das hat sie auch im ARD-Studio zu Martin Schulz gesagt. „Bei einer Branche von drei Millionen Mitarbeitern, überwiegend weiblich, ist das im öffentlichen Interesse“. Die Politik soll das ändern: Die Supermarktketten sollen zu allgemeinverbindlichen Tarifen verpflichtet werden.

Kassiererin Maurike Maaßen redet Klartext

„Martin Schulz ist auch nur ein Mensch“

Als sie Martin Schulz zur besten Sendezeit vor einem Millionenpublikum zurechtgewiesen hat, hat sie die Kameras völlig vergessen, erzählt sie. War sie aufgeregt? „Nö. Wieso? Der Herr Schulz ist einfach auch nur ein Mensch“, sagt die 54-Jährige.

Was treibt sie an in ihrem Kampf? „Ich sehe einfach, dass die Menschen leiden und das ist mein Antrieb weiter zu kämpfen“, sagt sie. „Viele meiner Kollegen haben nicht den Mut, den Mund aufzumachen, weil sie Angst haben ihren Job zu verlieren. Doch ich hab keine Angst.“ Ohne ihren Mann würde sie ihre Gewerkschafts-Arbeit kaum schaffen: Er kümmert sich ums Einkaufen und den Haushalt, während sie in den Konferenzen sitzt.

Jobabbau, Teilzeitverträge - das soll enden

Schlechte Arbeitsbedingungen, Jobabbau, Teilzeitverträge - all das soll enden.

Früher war sie selbst mal SPD-Mitglied. Dann ist sie ausgetreten - aus Enttäuschung. Auch dem Martin-Schulz-Effekt, der der SPD Umfragewerte wie seit Jahren nicht mehr beschert, misstraut sie.

„Der ist ein wirklich toller Typ. Als Mensch. Aber wenn er wirklich etwas verändern will, dann könnte er es jetzt machen. Sonst sind das alles wieder leere Versprechungen.“

Die Stimme des Volkes: „Dass ich den Leuten so aus dem Herzen spreche, hätte ich nicht gedacht“

Maurike Maaßens Smartphone surrt. Wieder hat ihr jemand bei Facebook geschrieben, will ihr zum Auftritt bei Anne Will gratulieren. Sie habe nur positive Kommentare bekommen, erzählt sie. “Ich hatte nicht erwartet, dass ich den Leuten so sehr aus dem Herzen spreche.“

Neulich habe einer geschrieben: Wer bist du überhaupt? Muss ich dich kennen? „Ich hab gesagt: Nö, musst du nicht. Ich hab nur was gesagt, was gesagt werden musste.“

Der Kommentator habe dann geschrieben: Mach weiter so, du bist jetzt die Stimme des Volkes. „Dabei war ich das immer schon“, sagt Maurike Maaßen. “Nur hat mir bis jetzt keiner zugehört.“

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